Kolumnen_Depeschen an die Provinz/Episode 33

Feurio! Feurio!

... das Schnitzel brennet lichterloh!" Oder: Warum es in Nachbars Garten immer mehr stinkt als daheim. Der Kolumnist, beflügelt von Schampus und chemischer Munterkeit, hält einen Monolog.    23.07.2020

"Grüssiegott, Herr ...! Na, Sie brauchn mir Ihren Namen ned sagn, i merk man sowieso ned. Und Konversation will ich auch keine betreiben, sondern Ihnen nur höflichst mitteilen, daß wir uns in bebautem Gebiet befinden. (Ja, da schaut er ganz betropetzt ...) Hörens zu, i maan: Häuser. Rundherum. Sehens die? Gut? Weil Sie ja augenscheinlich aus der tieferen Provinz kommen, wo der Nachbar so weit weg wohnt, daß man nicht hört, wie er sich im Stadl aufhängt - deswegen hab ich geglaubt, Sie verstehen das vielleicht nicht. Aber nix für ungut.

Jedenfalls: Sie ham nur so ein winziges Fleckerl Grün vor Ihrem Genossenschaftsasyl, und ausgrechnet da müssens so einen grauslichen Griller aufbauen, wegen dem jetzt schon das ganze Wochenend des Grätzl fäut, als hätt nebenan a Krematorium aufgsperrt. Und wenn ma des Fenster aufmacht, muaß ma mit einer schweren Rauchvergiftung rechnen.

Jetzt frag ich Sie: Is sowas wirklich notwendig? Ham Sie kan Herd in der Kuchl? So an mit Backrohr und drüber a Mikrowelle an der Wand, damits Ihnen des ganze Essen ordentlich verbrennen können? Na oisdann! Dann bereiten Sie Ihre Speisen gefälligst innerhalb Ihrer vier Wände zu, Sie Troglodyt, und tragen Sies nachher in den Garten!!

Ja, freilich kennen Sie Ihre Rechte, des is ma schon kloa, aber Sie kennen mei Linke ned ... (Und wannst no amoi aufreibst, Burschi, dann hau i da ane am Schädl, daß d´ aus die Rippen ausseschaust wia a Off ausm Käfig!)

Aber weil Sie grad 'Polizei’ sagen, will ich Ihnen gern eine kleine Geschichte erzählen, junger Freund: Früher, no gar ned so lang her, is ja gleich die Funkstreife dagwesen, wenn einer im Schrebergarten oder hinterm Haus zündelt hat. Gut, des war eine Zeit, wo die Heh auch noch gschaut hat, daß ned in jedem Park halbert nackerte schiache Studenten in der Wiesn herumliegn. Und jetzt auf amoi glaubt a jeder, er muaß im Freien grillen. I hab ka Ahnung, ob des von den Amis kummt, mit ihrem Barbecue, oder von den Volksstämmen, die am Wochenend die halberte Donauinsel und den Wienerwald glei dazua in Brand stecken, aber es is auf jeden Fall a Katastrophe! Da sitzn die Leut, die sonst in jedem Kaffehaus zum Jammern anfangen, wenn si am Nebentisch ana a Tschick anzündt, wie die Pfadfinder um so a Gerät und stopfen si verbrennte Fleisch- oder Fischstückln in die Pappn, des kennt ma eh nimmer auseinand, schmeckt ois nach Holzkohln und Benzin, und dazu patzn sa si die ekelhaften Grillsoßn ausm Supermarkt aufs T-Shirt ...

Entschuldigen Sie, gnä Herr, ich vergesse mich, da rutscht mir manchmal auch das Hochdeutsche völlig weg. Aber damit Sie´s wissen, Sie tragen mit Ihren Machenschaften garantiert zum Klimawandel bei, wenns den überhaupt gibt. Und das will nicht ein jeder. Ich hab zum Beispiel, Sie werden staunen, einen Freund in Hietzing, dem gehört dort eine Villa, von der wollt er einmal sauteuer eine Etage vermieten. Da sind viele bessere Leut hingekommen, die Wohnung anschauen, darunter auch drei Piefke, weil ja die nach dem Anschluß in jedem Bezirk die Immobilien requirieren wollen. Und wirklich ein jeder von den Besatzern hat ihn gefragt: "Kann man bei Ihnen im Garten grilllllllln?" (Mit acht 'l', mindestens ...). 'Na', hat mei Bekannter gsagt. 'Der is zur Erholung da, der Garten. Verstinkens gfälligst im Wuppertal die Gegend.'

Ja, genau, mei Haberer is zwar im Hietzinger Cottage aufgwachsen, aber wenn der am Mittagstisch mit seine Herrn Eltern an ordentlichen Rülpser loslassn hat, dann hat sei noblicher Vater glei ganz empört gsagt: 'Du bist und bleibst ein Prolet!' A guata Typ auf alle Fälle, originell, ned so fad wie Ihre Gäst, die seit zehn Minuten stadschauert um uns herumstehen und Maulaffen feilhalten, wie der Poet einst so schön sprach.

Wo war i? A, genau: Sans so freundlich und röstens Ihr Gammelfleisch - des haaßt bei die Marmeladinger ned umasonst so - irgendwo anders. Vielleicht in an von die vüün Lokale, wos heut scho überall a Open-air-Grillerei gibt, am bestn glei nebn die sogenannten Public-Viewing-Bildschirme, damit ma si ned nua den Magn verdirbt, sondern mit so an deppertn Fuaßboimatch a no die letzten paar Gehirnzellen. Wäu wenn des so weitergeht, hoit i an Gartenschlauch ausm Fenster und spendier Ihnen an ganz privatn Tsunami.

So, jetz muaß i gehn, i hob was ztuan. Passens auf, daß ned an Ihrer Bratwurscht derstickn, sunst haun Ihna die Kollegen a no aufn Griller. Mahlzeit!"

Peter Hiess

Depeschen aus der Provinz


Peter Hiess lebte mehrere Jahrzehnte in Wien und zwischendurch eine Zeitlang in der Provinz. Jetzt ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Endlich.

Kommentare_

Kommentar verfassen

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 34

Blut und Boten

"Don´t kill the messenger!" heißt es im Englischen. Manchmal fühlt man sich aber trotzdem sehr versucht, mit Gewalt auf den Überbringer loszugehen - wenn nicht schon der nächste vor der Tür stünde.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 33

Feurio! Feurio!

... das Schnitzel brennet lichterloh!" Oder: Warum es in Nachbars Garten immer mehr stinkt als daheim. Der Kolumnist, beflügelt von Schampus und chemischer Munterkeit, hält einen Monolog.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 32

Da leiden´s, die Genossen

Ist es nicht herrlich, daß heute praktisch jeder tun kann, was er will - auch wenn es ein Blödsinn ist? Die Leidensvisagen, denen man auf Schritt und Tritt begegnet, sagen: Nein. Ist es nicht.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 31

Mist you!

Solange der wirtschaftliche Aufschwung auf sich warten läßt, können Sie sich ja in der guten alten Tradition des Miststirlns üben. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch lehrreich. Nicht nur für Kolumnisten.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 30

Auf der Suche nach der vergorenen Zeit

Das mit den guten Vorsätzen war auch heuer schnell vorbei. Schon ein paar Tage nach Silvester fand sich unser Kolumnist in einem Wirtshaus wieder, um die Mysterien des Alkoholismus zu ergründen.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 29

Wiener Wohnen

Der durchschnittliche Stadtbewohner hat nur vier Wände - statt ein ganzes Haus mit Carport und Gemüsegarten. Aber in denen kann er wenigstens seinen Wahnsinn ausleben, ohne daß ihm dauernd wer nachspioniert.