Kolumnen_Kolumnen, die die Welt nicht braucht #29

Die Menschen, Die Es Besser Wissen Als Wir

Als ich jung war, dachte ich, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Heute bin ich alt und weise und weiß, es war bloß eine Weißwurst, die ich mit Messer und Gabel verspeist hatte. Was das mit Arschlöchern zu tun hat, die uns empfehlen, danach zu googlen - das erfahren Sie in dieser (Bonus!) extralangen Kolumne.    28.04.2011

Wenn man am Abend zuvor versumpert ist und daher die Fassade noch ein bißchen nach Sanierung ruft, dann trinkt man in München, der Wahlheimat Ihres kolumnierenden Lieblingsmigranten, ein Weißbier und ißt dazu eine Brezel und eine Weißwurst. Aber wehe, Sie stehen zu spät auf! Bis Sie sich durch die Körperwaschanlage geschleppt haben, ist es meist schon nach zwölf - und da dürfen Sie auf keinen Fall mehr "a boa Woaßwürscht" essen. Nicht etwa, weil diese köstlichen Würstchen auf geheimnisvolle Weise um punkt High Noon in den Gammelfleischzustand kippen. Sondern weil nach zwölf sofort einer neben Ihnen steht und sich nicht entblödet, einen Satz wie den folgenden zu äußern:

"Ja Herrgott Sakra Kruzifix! Sie könna doch nach zwölf Uhr koa Woaßwurscht nimmer essen!"

Als gebürtiger Kölner bin ich in meinem weltoffenen München leider das, was ich als angeblicher Bayer in Österreich bin: ein dreckiger Ausländer. Ich könnte deswegen darauf beharren:

"Bürscherl, ich eß meine Weißwürscht, wias mir in den Kram paßt, und wenn ichs mer heut Abend in der Mikrowelle hoaß machad" (wovon übrigens abzuraten ist) "und Hoanz-Ketchup" (Kenner verwenden kein anderes!) "drauf spritzen däd - und jetztat schloach di, sonst schnupf i di weg!"

Indes sind es ja gar nicht die alteingesessenen Münchner, die einen auf Fehlverhalten beim Verzehr einer Wurst aufmerksam machen. Es sind irgendwelche Zuagroasten und Neigschnupften, Fischkepf und Saupreißen, also ungefähr das, was für meine lieben Leser in Österreich ein Bundesdeutscher ist, oder für eine Dusche der haarige Schleimbelag im Abfluß (letzterer läßt sich wenigstens entfernen).

Was sind das für Leute?

Es sind die Menschen, Die Es Besser Wissen Als Wir. Von ihnen und einigen Variationen ihrer Art soll meine heutige Kolumne handeln.

 

Man erkennt sie, logisch, an ihrer Klugheit. Allerdings nicht sofort. Manchmal muß man schon einen lockenden Satz sagen, eine Bemerkung machen, die aus einem scheinbar dumpfen Massenmenschen den Besserwisser herausholt.

Sie sitzen zum Beispiel unschuldig in der Kantine und jauchzen begeistert auf:

"Wow, der Flugzeugträger USS Enterprise hat sagenhafte 230.000 PS! Von Null auf Iran in 23 Sekunden, der geht ab wie die Lucy ..."

Schon steht neben Ihnen ein Mensch, Der Es Besser Weiß Als Sie.

"280", zischt er kokkenversprühend durch seine Zahnfäule.

"Äh. Wie bitte?" fragen Sie unschuldig.

"280. Tausend. Die USS Enterprise hat 280.000 Pferdestärken. Genauer gesagt: Wellen-PS."

Bemühen Sie sich nicht, dem Menschen, Der Es Besser Weiß, jetzt kräftig in die Goschen zu hauen, am besten mit einem Komplettausdruck der Wikipedia (in Hartholz gebunden). Es sei denn, Sie haben statt Ihrer rechten Hand einen Ziegelstein am Arm, dann lohnt es sich wenigstens. Dann aber mutiert er ohnehin nur zum Kollegen, Der Angeblich Den Besten Zahnarzt Der Stadt Hat.

"Sehen Sie diese Krone? Die ist 23 Jahre alt. 23! Immer wieder rüttelt Doktor N... daran und sagt dann doch: Die hält noch a boa Joahr! So ein toller Zahnarzt ist das."

(Wen interessiert deine Zahnfäule, du Brunzlappen???)

 

Kaum weniger unerträglich ist der Mitmensch, Der Etwas Von HiFi Versteht. Wir Sterbliche hören ja bloß Radio und CD und so. Er dagegen hat einen Dr. audio. phil. und ... lauscht, ja mehr noch: genießt. Fragen Sie ihn nach einer günstigen Kompaktanlage für die Küche, antwortet er mit Elektrostaten-Datenblättern und ruft einen Architekten an, der einen Tag später Ihr Haus abreißt, um eine neue, HiFi-gerechte, akustisch-architektonische Kathedrale des Rauschabstands zu errichten.

Sie sagen unschuldig: "Ich wollte mir einen MP3-Player ..."

Schon kommt es von ihm lauernd: "MP3? Bist du narrisch? Warum hörst du Musik nicht gleich über die Sprechanlage einer 60er-Jahre-Mietskaserne?"

Manche wollen sich daraufhin beim Mensch, Der Etwas Von HiFi Versteht, mit folgenden Worten wieder ins rechte Licht rücken:

"Hast ja recht. Und Platten sollen ja eh besser sein ..."

(Eine Frage: Warum sagen Sie sowas? Sie haben doch nicht etwa dem Platten-Sind-Besser-Als-CDs-Besserwisser mehr als eine Silbe geglaubt?)

Wie auch immer, er antwortet:

"Vinyl wird überschätzt, mein Guter. Die CD wäre im Prinzip völlig in Ordnung, wenn sie nur endlich 96 Bit Auflösung bei 320 Megahertz Abtastrate böte. Ach, äh, bitte in diesem Zimmer nicht rauchen, wegen des Röhrenverstärkers ... Und sorry wegen des Ozongeruchs, aber meine neuen Hochtöner basieren auf einer frei im Raum schwebenden, ionisierten Plasma-Blase. Vorsicht übrigens, da kommt sie!"

 

Diese Sorte Besserwisser ist es, die Anti-Besserwisser-Gruppen in aller Welt und auf Facebook bewogen hat, die Erreger von Pest und Anthrax aufzubewahren. Denn falls diese Besserwisser sich (via Frauen mit schlechtem Geschmack) unkontrolliert vermehren, kann man ihnen Viren in ihre Zahnpasta mischen. Oder sie ihnen einfach direkt und brutal in den Hals spritzen. Aber wahrscheinlich überlebten das zu viele, denn wer kennt sie nicht, diese widerlich tollen Menschen, Die Einfach Nie Krank Werden, während wir Normal- und Frühsterblichen uns jahrein, jahraus vom Bandscheibenvorfall zur Krätze schneuzen?

"Du mußt nur täglich kalt duschen. Und Ingwerstückchen in den Tee tun." Solche Geheimnisse kennen nur die verdammten Nervensägen, Die Einfach Nie Krank Werden. "Und ab und zu den Boden öffentlicher Toiletten ablecken, das stärkt die Abwehrkräfte. Nie wieder ein Katarrh, mein Lieber, das verspreche ..." (Tun Sie es trotzdem lieber nicht!)

Einen Absatz verdient auch Der Mensch, Der Das Bessere Handy Besitzt. Man trifft ihn überall, leider nicht beim Übungsschießen. Haben Sie ein Android, hat er ein iPhone, und das ist natürlich besser. Hätten Sie ein iPhone, hätte er das neue Android - natürlich noch besser. Hätten Sie ein iPhone, ein Android und ein Blackberry zusammen, hätte er bestimmt ein ganz altes Nokia mit Schwarzweiß-Display.

"Damals haben sie eben noch richtige Handys gemacht", würde Der Mensch, Der Das Bessere Handy Besitzt sagen und davon berichten, wie schwierig es ist, bei eBay dieses aus 1997 stammende Modell zu kriegen. Weil es ja so begehrt ist; weil auch andere Handykenner wie er es nämlich für das Allergrößte halten.

Es nützt Ihnen also auch nichts, sich wie ich mit dem neuen Mac iAirPad ins Kaffeehaus zu setzen, um kolumnenschreibend Dolce & Gabbana-bebrillte Nerd-Girls aufzureißen; denn die werden stattdessen den Deppen da drüben anhimmeln, weil er mich mit seiner mechanischen Reiseschreibmaschine locker aussticht. Merke: Der Typ, Der Alles In Retro Hat gewinnt immer gegen den Konsum-Deppen, Der Immer Das Neueste Haben Muß.

 

Nervtötend ist auch Der Mann, Der Stilvoller Trinkt Als Sie. Angenommen, Sie haben einen Wodka gekauft. Dann ist es garantiert der falsche:

"Gorbatschov? Pfui deibel, da kannst du ja gleich Nagellackentferner trinken. Nimmt doch den Grasovka, der hat einen echten Büffelgrashalm ..."

Sie haben richtig gehört. Der von alten Kuh-Männern angebrunzte Grashalm macht den Unterschied. Noch schlimmer ist wirklich nur der Spezialfall des Kenners, Der Sich Mit Whiskey Auskennt. Der greift zu Ihrem Jack Daniels und fragt, ohne zu zögern:

"Soll ich den gleich ins Klo kippen oder willst du vorher noch deine Pinsel drin auswaschen?"

Möglicherweise haben Sie nur einen Blender vor sich, der glaubt, ein Whisky sei gut, wenn "Reserve" oder "12 years old" draufsteht. Leichtes Spiel: "12 years old"-Noname-Sprit gibt’s auch im Supermarkt, und wahrscheinlich gibt es längst auch 12-years-old-Aufkleber in 1-Euro-Läden. Kaufen Sie die und kleben Sie sie auf den billigsten Supermarktschnaps. Schon sind Sie aus dem Schneider, und der Blender wird es für höchsten Genuß halten.

Aber vielleicht ist er tatsächlich sogar Der Mensch, Der Nur Die Besten Whiskeys Zu Schätzen Weiß. Das erkennen Sie daran, daß er mit Hilfe eines Chemiekastens voller Reagenzgläser und Erlenmeyerkolben die Farbe und Transparenz des eitlen Gesöffs prüft und Ihnen dann einen Vortrag hält, in dessen Sprechblase die Begriffe "Melasse", "Filter", "Farbe", "Schlieren" und so weiter dreifach unterstrichen sind.

Sie steigen in diesem Fall auf Mineralwasser um, sagen Sie?

Lächerlich!

Dann mutiert Ihr Gegenüber nämlich blitzschnell zum Kenner Der Weltweit Besten Designerwässer. Er wird zur Enzyklopädie der edlen Nässe, zählt die Natriumwerte aller Mineralwässer auswendig auf und betreibt fortan nerviges Name-Dropping verschwägerter Aqua-Sommeliers.

"Also, ich schwöre ja auf dieses aus Finnland", wenden Sie zittrig ein, weil Sie keinen feuchten Schimmer haben, doch er taucht den Kopf Ihrer schwachen Entgegnung sofort unter mit der Frage:

"Wurde das bei Mondschein aus der Quelle geschöpft? Sonst taugt es nämlich nichts, wissen Sie; es verliert dann seine kristalline Struktur."

 

Wasser. Kristalline Struktur. Genau. Geben Sie einfach auf und schauen Sie sich was Nettes im Kino an. Vor allem in Großstädten gibt es ja die Möglichkeit, Kassenschlager im englischen Original anzusehen. Hier ist das feuchte Milieu, in dem eine besonderen Art von menschlichem Pilz gedeiht: Der Movie-Aficionado, Der Den Film Im Original Gesehen Hat.

"Warst du denn schon in Starship Troopers 5?"

"Ja. War aber so lala. Mir warns zu wenig Leichen."

"Original oder synchronisiert?"

"Ja, mei, normal halt ... äh."

"Ach so, ja dann ... Dann kannst ja du gaaar nicht einschätzen, wie der Film ist. Im Original, also ich saaag dir, haha, diese Wortspiele! Ist ja sooo eine Schande, wie die Synchro immer ..."

Rhabarber, rhabarber, Niedergang des Synchronisationsabendlandes usw. Sie kennen das bestimmt, denn der Movie-Aficionado, Der Den Film Im Original Gesehen Hat, materialisierte früher in praktisch jedem verfurzten Kaff, sobald die Zahl der dort vorhandenen Programmkinos den Wert "1" erreicht hatte. Dank DVD und Blu-ray ("Kein Vergleich zu VHS, wenn du mich fragst; irgendwie seelenlos ..." - Der Idiot, Der Stets Das Frühere Format Besser Findet) mit Originaltonspur findet man ihn heute sogar in Gefängnissen, auf Ölplattformen und manchmal auch neben sich auf dem Sofa (er trägt ein stinkendes Eraserhead-T-Shirt).

Ganz ähnlich und längst nicht mehr nur in intellektuellen Kreisen anzutreffen ist Der Literat, Der Das Buch Im Englischen Original Gelesen Hat.

"Ha, ha, ha, ja (seufz). Wie in 'Das harte Leben'. Hast du das mal gelesen?"

"Na klar. Tolles Buch!"

"Ja, wirklich klasse. Im Original?"

"Äh ..." (stotter) "Das normale halt, Taschenbuch. Dings ..." (hilflos verstummend)

"O Gott!" (stöhnt) "Die Rowohlt-Übersetzung!" (Hier eine dissonante None hindenken.)

"Also, ich fand’s trotzdem ganz gut ..."

"Du Armer! Mann, da geht ja sooo viel verloren, bei der Übersetzung. Die Verschandeln doch aaalles! Warum liest du es nicht mal im Originaaal ... bla fasel ... uuungelogen fünfmal so gut und ... lall schwall ... authentischer... blubber sülz ..."

Ersparen Sie sich und den umstehenden Opfern lahme Ausreden. Es zählen hier keine Fakten, etwa, daß sich "Finnegans Wake" im Original letztlich genauso hirnrissig liest wie in der Arno-Schmidt- oder Hans-Wollschläger-Übersetzung. Oder daß Dan Brown auch im Original nichts taugt.

Schließlich haben Sie es hier mit dem gefürchteten Literaten zu tun, Der Das Buch Im Englischen Original Gelesen Hat. Dieser findet, ein gottähnlichereres Wesen als er selbst sei eigentlich nur der Autor. Als "Literat" ist er manchen, mir zum Beispiel, Fleisch gewordenes Finger-in-den-Hals-stecken (am besten in den eines Schriftstellers). Menschlicher Zahnbelag (etwa der eines gammligen Kolumnisten), für den Gott die Bürste mitzuliefern vergessen hat.

 

Es gibt allerdings noch eine Steigerung seiner stinktierischen Existenz: Das Arschloch, Das Eine Frage Mit Der Frage Beantwortet, Warum Man Es Nicht Googlen Würde.

Sie fragen zum Beispiel im Web in einem Forum für Druckerprobleme:

"Hallo, ich habe hier ein Druckerproblem."

Und erhalten als Antwort:

"Warum googlest du nicht danach?"

Generische Antwort zum Cutten & Pasten: "Weil ich jedes Mal, wenn ich nach 'Druckerproblem' google, auf einer Seite wie dieser lande, wo einer, der ein Druckerproblem hat, von so einem Arschloch, Das Eine Frage Mit Der Frage Beantwortet, Warum Man Es Nicht Googlen Würde gefragt wird, warum er nicht danach googlen würde." (Ganz ehrlich: Für euch Arschlöcher ist Ebola plus Ruhr reserviert!)

Inzwischen gibt es so viele von diesen Warum-Googlest-Du-Es-Nicht-Arschlöchern, daß sie eine eigene Suchmaschine haben.

Haben Sie was zu schreiben? Dann notieren Sie sich L-M-G-T-F-Y-Punkt-Com. Das steht für "Let me google that for you". Die Besserwisser geben dort ein, was gegooglet werden soll, und L-M-G-T-F-Y-Punkt-Com macht daraus einen Link. Diesen Link kann der Besserwisser verschicken oder im Forum posten. Klickt das fragende Opfer darauf, wird es mit einer Animation gedemütigt, die zeigt, wie danach gegooglet wird. (Die Macher von lmgtfy.com sehen natürlich nie, daß die Ergebnislinks der Suche nie zu sinnvollen Ergebnissen führen, was ja der Grund dafür ist, warum Hilfesuchende in Hilfeforen nach Hilfe suchen und nicht bei einer Suchmaschine, die zwar super sucht, aber halt nie was findet.)

 

Die niederste aller Kreaturen auf Erden, die sogar im Urschleim als rückständig auffallen würde, ist jedoch der Autor, Der Auch Darüber Eine Kolumne Schreiben Mußte. Ihm Gegenüber steht der höchste denkbare Geist: Der Leser, Der Gute Kolumnen Per Link Seinen Mitmenschen Empfiehlt. Ihm sei das abrupte Ende dieser Schrift gewidmet.

 

--

Das Bilderrätsel:

Wo ist in diesem Bild Der Mensch, Der Fragt, Was Daran Kunst Sein Soll?

Andreas Winterer

Der Mensch, Der Das Original Kennt

ØØØØØ

Cruiscín Lán von Myles na gCopaleen


Ha! Werden einige der Gebildeteren unter uns nun sagen: Diese Kolumne ist doch unoriginell. Weil geklaut. Aus dem Kapitel "Langweiler" von Flann O’Brian. Aus seinem Buch "Trost und Rat".

 

Genau, weil einige von uns nämlich auch Langweiler sind, nämlich die Jakobiner, Die Eine Hommage Unbedingt Als Plagiat Anprangern Müssen. Sie nerven ganz besonders (erhalten aber nur Ruhr und Cholera).

 

Flann O’Brians "Trost und Rat" kann indes trotzdem jedem empfohlen werden. Allerdings nur im gälischen Original, sonst entgeht einem was; und nur mit irischem Whiskey im Gebälk - jeder andere taugt bestenfalls zum Zähneputzen.

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Kommentare_

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Frank - 29.04.2011 : 09.09
Hallo Andreas, LOL. YMMD. Hättest du mal Lust auf ein Bier? Weil, Whiskey mag ich nicht so besonders, vor allem nicht den, von dem die Männer, Die Alles Über Whiskey Wissen, behaupten, er würde gut schmecken. Der schmeckt dann meistens wie Schafspisse auf Torfmull.

Gruß, Frank
Alban Sturm - 30.04.2011 : 00.20
Ich las es mit Vergnügen und lernte dazu. Beispielsweise war mir bislang nicht bekannt, daß in den 60ern Mietshäuser bereits mit Sprechanlagen ausstaffiert waren; aber das wird wohl am Technologiegefälle zwischen Deutschland und angeschlossenen Nationen liegen.
Bei fortschreitender Lektüre wurde ich jedoch nachdenklich. Sollte der Kolumnist tatsächlich über dergestalte Schweinsohren verfügen, daß er MP3 für eine Form der Musikwiedergabe hält? Und glaubt er wirklich, CDs würden mit Raten im Megahertzbereich abgetastet?
Nein, die Erklärung mußte lauten: Hier wird an Leserbriefschreiber-Die-Es-Besser-Wissen appelliert. So sei es denn ...
1): Whisky (ohne "e") ist schottischer Provenienz. Der zusätzliche Vokal ziert die - vorzuziehenden - irischen Destillate; und leider auch Produkte aus Übersee, die sich tatsächlich nicht einmal zum Pinselauswaschen eignen.
2): "Mineralwasser" ist a priori ein Pleonasmus, da nur chemisch reines H2O frei von Festkörpern ist.
3): Der Plasmahochtöner kam vor 30 Jahren auf den Markt und wird seitdem nicht mehr produziert; wer derlei als "neu" bezeichnet, muß seit geraumer Zeit in einer interessanten Enklave leben.
4): Ein indigen Deutschsprachiger, der insinuiert, "Finnegan's Wake" im Original gelesen zu haben, ist ein Trottel: Entweder, weil er annimmt, man glaube ihm - oder weil er es tatsächlich getan hat.
Die Erfahrung, daß schon der "Ulysses" ebenso langweilig wie obsolet ist, scheint allerdings auch Herr Winterer gemacht zu haben: Wer Flann O'Brien empfiehlt (The drinking man's Joyce), kann kein schlechter Mensch sein. Selbst wenn er es verabsäumte, auf "Der dritte Polizist" hinzuweisen.
Um dem Kolumnisten also noch eine letzte Freude zu machen:
5): Der erwähnte Ire heißt mit Nachnamen "O'Brien". Mit "e" ...
Der Kolumnist - 30.04.2011 : 15.07
@Frank: 1 Bier ist nie verkehrt. Nur welches? Die meisten Biere sind ja übles Industrie-Gebräu. Guinness, sagen mir ab und zu Verrückte, die nur deswegen in Pubs gehen, weil man sich da prügeln kann, aber Guinness würde ich nicht mal meinem ärgsten Feind in den Tank gießen.

@Herr Sturm: Schön, dass Sie wieder was zu kommentieren haben. Indes ist nicht jeder im Ghetto eines Schwellenlandes aufgewachsen, Sprechanlagen gab es - wie Raumflüge - schon in den 60ern, erste Synthesizer gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Kinder, wie die Zeit vergeht. - Daher ist der Plasmahochtöner überraschend wieder im Kommen, aber es haben sichtlich noch nicht alle mitbekommen.

Was den Whisk(e)y angeht: Ich leugne nicht, davon keine Ahnung zu haben. Es ist wie mit Wein, Rindertartar und Crème au Caramel: Ich verstehe mich auf den Verzehr dieser Dinge, die Herstellung überlasse ich den Experten.

Die in "Finnegan's Wake" erzählte Geschichte habe ich persönlich sehr genossen, ich schätze allerdings Anton Velhagens Esperanto-Version, weil sie anders als Erwin Raschels Übertragung ins Pelasgische etwas mehr Distanz zum Plot wahrt. - Was übrigens den "Dritten Polizisten" angeht: Habe ich nicht, kenne ich nicht, und wovon man keine Ahnung hat, darüber soll man Schweigen, schrieb schon Wittgenstein, glaub ich, und da halte ich mich strikt dran. Es reicht ja, die Leute mit Kolumnen über jene Dinge zu quälen, von denen man zweifelsfrei etwas versteht. Was in meinem Fall ja genug endlosen Stoff bietet.

Die Schreibweise „O'Brian“ ist ein mehrstufiger Insiderwitz. Die offensichtlichen Anspielungen lasse ich mal weg, wir sind ja unter uns. Aber zum einen wollte ich prüfen, ob die Abteilung Lecktorat und Schlusredaktion im EVOLVER'schen Redaktionsstab auf Zack ist und es auf "O'Brien" korrigiert. Alsdann hätte ich, haha!, mich nämlich darüber lustig machen können, denn dass der Autor, der sich selber oft auch Brian 0 Nualléin (mit "a") nannte, zu "0'Brien" wurde, ist ein auf seine Pseudonymsucht zurückführbares Übersetzungsmissgeschick historischen Ausmaßes. "They are so breinless.", gestand mir Flan einst volltrunken und meinte damit, glaube ich, nicht die Nachspeise, sondern uns.
Alban Sturm - 30.04.2011 : 22.33
Dann haben Sie gewiß auch Der Zauberberg in südoghusischer Übersetzung gelesen! Speziell Aynallu eröffnet völlig neue Sichtweisen dieses Werkes. (Wenngleich es nicht über die phonetische Subversivität der Klicklaute etwa in Khoekhoe verfügt.) Weitere Empfehlungen: Das Glasperlenspiel auf Sasak, Der Mann ohne Eigenschaften auf Dagbani, oder Die Strudelhofstiege auf Eyak - natürlich nur in der Übersetzung von Karamanlis. Gödel, Escher, Bach auf Klingonisch ist ja bekannt; und eine eher infantile Spielerei.
Als Schwellenland-Ghettobewohner nahm ich gerührt zur Kenntnis, daß Ihnen der Autor des Tractatus Logico-Philosophicus ein Begriff ist. Den Lesern Brian O’Nolan als "Brian 0 Nualléin (mit a)" anzudienen, war allerdings unfair. (Zur Erklärung für Erstere: Die irische Version des Namens lautet in Wahrheit "Brian Ó Nualláin" - man beachte das letzte "a".)
Nebenbei: Schafshirn ist doch wohl eher eine Spezialität aus Island, nicht Irland - oder ire ich mich?
Die Redaktion - 30.04.2011 : 22.53
Unser Lektor hat schon vor Jahren gedroht, entweder sich oder uns umzubringen, falls wir je von ihm verlagen sollten, Beiträge von Hr. Winterer zu redigieren. Wir bitten daher um Verständnis für die Tatsache, daß diese Kolumne unbearbeitet erscheint. Wir dementieren weiters jegliche Parallelität zur redaktionellen Meinung oder derem Gegenteil und weisen darauf hin, daß Semantik, Grammatik, Orthographie und Onomatopoesie ausschließlich in der Verantwortung des Autors liegen.
Die Assistenz der Geschäftsführung - 01.05.2011 : 17.42
Die Redaktion bitte SOFORT ins Büro der Geschäftsführung. Es geht um den überfälligen Nachweis ihrer Existenzberechtigung...
Der Mensch Der Fragt - 01.05.2011 : 21.44
@Bilderrätsel:
Antwort: Vor dem Bildschirm, auf dem er diese Kolumne betrachtet.
Das Foto ist mit "biennale-di-venezia" beschriftet. Bitte, im Ernst: das Zeug kann dort nicht ausgestellt worden sein. Die miserable Beleuchtung und der überdimensionierte Heimwerkertisch (auf Rädern) gemahnen eher an eine kleine Provinzgalerie. Und wenn man sich die mehr als vorschriftsmäßigen Feuerlöscher / Notausgangsleuchten anschaut, möchte man sagen: an eine Galerie in der Deutschen Provinz; die Kuschelkissen würden ebenso passen wie die schlechte Haltung und Kleidung der Besucher.
Oder das Setup war eine Gesamtinszenierung, die ich Naturdepp für eine Leistungsschau der Grundschule Bad Salzuflen gehalten habe (Sonderzweig Neubürger Mit Besonderen Bedürfnissen). Es könnte natürlich auch was Japanisches oder Koreanisches sein ... AAARGH!! Bitte um Auflösung!!!
Die Assistentin des Kolumnisten - 02.05.2011 : 09.02
Soviel darf verraten werden: Das Bild wurde auf der Biennale di Venezia gemacht, ca. 2009. Das Provinzielle lag wohl im Auge des Betrachters...
Nina Munk - 02.05.2011 : 15.32
Mir hat die Gruppe gefehlt: `Menschen, die den Witz nicht verstehen und trotzdem drüber lachen´. Ich zähle mich dazu, deswegen haben mir Begriffe wie Abtastrate und Röhrenverstärker zwar nix gesagt, aber ich hab mich trotzdem total zerkugelt drüber. Und bevor es jemand anderer postet: Ja, ich werde es googeln.
Kompliment zu diesem Artikel!
Der Kolumnist - 02.05.2011 : 15.59
Sehr guter Vorschlag, Nina, aber Menschen, die über meine Witze lachen, obwohl sie sie nicht verstehen, die habe ich eigentlich ganz gern. Unerträglich ist doch nur der <i>Mensch, Der Sogleich Einen Noch Besseren Witz Erzählen Muss</i>...
Alban Sturm - 02.05.2011 : 21.15
Schlimmer finde ich persönlich den Witzekorrektor. In der Halbzeit, wenn alle noch gebannt auf die Pointe warten, beginnt er bereits wissend zu nicken; und mitten in das Gelächter hinein sagt er dann: "Ja, der ist gut. Aber Du hast ihn falsch erzählt."
Hierauf erläutert er Etymologie und Varianten so lange, bis endgültig keiner der Anwesenden mehr irgendetwas lustig findet.
Das Witzekorrektorat - 03.05.2011 : 10.10
"An sich selbst trägt man oft die schwerste Bürde." (Der Mensch, Der Alles In Zitierfähigen Sinnsprüchen Zusammenfassen Muss)
Der Mensch Der Fragt - 03.05.2011 : 21.37
@Assistentin des Kolumnisten / Bilderrätsel:
Ich wollte es einfach nicht glauben. Aber es ist die traurige Wahrheit, wie ich herausfinden mußte. Massimo BARTOLINI heißt Der Mensch Der Das Verbrochen Hat. Das abgebildete Kinderspielzeug war sein Geistesblitz zum Thema "Weltenmachen" - der zentralen Ausstellung bei der 53. Biennale.
Vielleicht trägt Berlusconis Gemahlin aber nur zufällig den gleichen Nachnamen (bürgerlich; bekannter ist sie als Veronica Lario, siehe z.B. hier <http://www.anorak.co.uk/226946/in-pictures-2/silvio-berlusconi-2009-a-year-in-gaffes.html/attachment/7245399> oder hier <http://www.blick.ch/news/ausland/scheidung-auf-italienisch-118330>).
Die Antwort auf die Frage könnte dann lauten: Der Mensch Der Fragt Was Daran Kunst Sein Soll befindet sich nicht auf dem Bild, sondern in einem italienischen Gefängnis.
Der Mensch, Der Fragt, Was Daran Kunst Sein Soll - 04.05.2011 : 10.43
Ohne jetzt Spielverderber sein zu wollen: Ich stand hinter der Kamera...
Der Mensch Der Fragt - 04.05.2011 : 19.26
@Spielverderber:
Nun, immerhin hatten meine beiden Vorschläge mit der richtigen Lösung gemein, daß sich die gesuchte Person - entgegen der Frage! - nicht "in diesem Bild" befindet. (Obwohl man das eigentlich nur dann behaupten könnte, falls Sie die drei Anwesenden damals auch persönlich nach ihrer Meinung befragt haben (und in jedem Falle zur Antwort bekamen, man frage sich definitiv nicht, "was daran" etc. (was ich wiederum bezweifle)).)
Der Fotograf - 05.05.2011 : 12.34
In der Tat!

Indes befindet sich "der Fotograf" stets "im Bild", auch wenn er nicht als Person zu sehen ist, denn er ist darin als Blickwinkel, Augenblick, Cadrage etc. festgehalten.

Damit das hier aber nun nicht in eine für uns ungewöhnliche Besserwisserei ausartet, bitte ich Sie, sich an folgenden Hit zu erinnern: "Mein Vater ist ein Graf, ein Fotograf" von Heinz Conrads. Das wird Ihr Herz hoffentlich so heiter stimmen wie das meine...
Der Mensch Der Fragt - 06.05.2011 : 00.16
... ist nunmehr von Herzen heiter gestimmt. Griaß eich die Madln, seawas die Buam!
onkelhoste - 06.05.2011 : 22.54
Sie sind ja in Höchstform, Herr Winterer! (Aber Grasovka mit dem echten Büffelgrashalm schmeckt wirklich besser ....)

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