Akzente_Das geheime Fickleben des Bruce Lee

Aufzeichnungen eines Grashüpfers

Man nehme einen verkaufsträchtigen Namen, viel Phantasie sowie die richtige Zielgruppe und zaubere daraus so etwas wie eine Prominentenbiographie.
   19.04.2004

Um seinen Kopf zu retten, braucht Superbösewicht Invincible Claw eine beträchtliche Summe Geld und beschließt deshalb, sein Buch "Das geheime Fickleben des Bruce Lee" der Öffentlichkeit vorzustellen. Mindestens genauso plump wie der Titel selbst ist auch der verzweifelte Versuch, mit dieser Promi-Biographie der Tratsch & Klatsch-Gesellschaft neues Fressen aufzutischen. Da überrascht es kaum, daß die wenigen tatsächlichen Übereinstimmungen zu Lees wirklichem Leben nur einen Bruchteil des sonst beinahe phantastischen Buches ausmachen: hemmungslose Sexorgien, unendliche Drogentrips, düstere und bösartige Gestalten und das Seifenopernduell "Gorilla gegen Godzilla". Ob Invincible Claw seinen Plan durchsetzen kann und bald in Geld schwimmen wird wie seinerzeit Onkel Dagobert? Oder haben Lügen doch nur kurze Beine? Beginnen Wirklichkeit und Fiktion zu verschmelzen, bis alles in einem Nichts aus Haß, Prügeln und Schadenfreude endet?

Das Rabenhoftheater - schon längst nicht nur mehr fruchtbarer Boden für Kleinkunst - präsentierte in Koproduktion mit der legendären Film- und Performance-Truppe Casa Del Kung Fu ein surrealistisches Stück im spannenden Land zwischen E- und U- Kultur. Das ist typisch für Peter Waldeck (Buch und Regie) und seine Darstellergruppe, die auch schon in anderen Produktionen wie z .B. "The Supersonic Shakespeare Remix" oder "Vietnomania" neuen Stoff in Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche, musikalische und popkulturelle Tendenzen erfolgreich verarbeitet haben. Nicht der stets nach Perfektion strebende asiatische Herr Lee, wie wir ihn kennen, tritt uns hier entgegen, sondern ein glatzköpfiger Bruce mit schwarzen Sonnenbrillen, der irgendwo im Nirgendwo zwischen Wirklichkeit und Traum, Wahrheit, Lüge und geschickt inszenierten Episoden aus akrobatischen Kampfversuchen herumstolpert. (Letztere dürften teilweise übrigens recht schmerzhaft sein...) Dazu gibt es Ausschnitte aus Filmen, melancholische Affen-Soaps und Drogen-Hypes, und das alles in high speed mit der passenden musikalischen Untermalung. Eine bunte Satire voll Witz, Horror und nicht immer ernstzunehmenden Philosophien, mit netten Sound-Effekten und amüsanter Ausstattung, für ein ebenso frisches, offenes und vor allem humorvolles Publikum.

 

Viktoria Grgurin

Das geheime Fickleben des Bruce Lee

ØØØØ


Buch & Regie: Peter Waldeck

Mit: Casa Del Kung Fu-All Stars

 

Theater Rabenhof, 1030 Wien; Rabengasse 3

 

Photos © Rita Newman

 

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