Musik_White Lies - To Lose My Life

No Fun = Fun

Frischer Indie-Rock aus dem West-Londoner Ealing versucht sich in unseren Hörnerven festzusetzen. Um diese Band kommt man dieses Jahr nicht herum. Also: Vorhang auf für die "frommen Lügen".    26.05.2009

"To Lose My Life", das erste Album der White Lies, begeistert derzeit die Kritiker genauso wie die Musikliebhaber. Die einen blicken in die Zukunft und prophezeien grenzenlosen Erfolg sowie Horden von Fans. Andere sind da schon vorsichtiger, loben zwar das aktuelle erste Album, halten sich aber mit euphorischen Prognosen zurück. Es gibt ja viel zu viele Bands, denen der anfängliche Hype kein großes Glück brachte ...

Die White Lies (dt.: fromme Lügen, Notlügen) sind ein britisches Trio aus jungen Herren um die zwanzig: Harry McVeigh (Gesang, Gitarre), Charles Cave (Baß) und Jack Lawrence-Brown (Schlagwerk). Eines ihrer wichtigsten musikalischen Vorbilder sind ganz offenkundig Joy Division, doch auch die Editors und Interpol kommen einem beim Hören in den Sinn. Die White-Lies-Songs drehen sich um Tod, Angst, Trauer, Konflikte und Liebe - man hat also anscheinend verstanden, daß es nicht immer um gute Laune und Sex gehen muß. So heißt es zum Beispiel im Titelsong "To Lose My Life": "Let´s grow old together/and die at the same time". Oder in "Unfinished Business": "You´ve got blood on your hands/and I know it´s mine/I just need more time/so get off your low and let´s dance like we used to/But there´s a light in the distance/waiting for me/I´ll wait for you/so get off your low and let´s kiss like we used to." Die düsteren Lyrics handeln von einer Frau, die ihren Freund umgebracht hat; synthetische Orgelmusik und Gitarrenklänge führen ins Reich der Finsternis.

"Farewell To The Fairground" handelt vom Abschied von ausgestorbenen Heimatdörfern, die einem ans Herz gewachsen sind - und von der Jugend, die man dort zurückläßt: "Farewell to the fairground/these rides aren´t working anymore/Goodbye to this dead town/until the ice begins to thaw/We´ll head south, just hold my hand now/I feel like I´m casting off my clothes and I´m running through the snow towards the sunset and I´m always with you." Gitarren-Staccati und ein beständiger Beat gehen in ein harmonisches Zusammenspiel über. McVeighs Stimme baut sich auf und explodiert am Höhepunkt des Refrains.

"To Lose My Life" ist alles in allem ein perfekt eingespieltes Debütalbum. Ob die White Lies die Erwartungen erfüllen und bald als umjubelte Rockstars in den Stadien des Planeten auftreten werden, wird sich weisen. Momentan sind sie noch die Lieblinge der Musikblätter und alternativen Radiosender. Wer die Band live erleben will, wirft am besten einen Blick auf die Band-Homepage - unter anderem wird sie auch im benachbarten Ungarn beim Sziget-Festival auftreten.

Martina Schwaiger

White Lies - To Lose My Life

ØØØ 1/2

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Polydor/Universal (GB 2009)

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White Lies - To Lose My Life

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