Musik_EVOLVER-Klassikexperte auf Abwegen

"A wüds Wossa" am Kamp

Genau zwischen den Sommerkonzerten und dem Festival 2018 hatte die steirische Erfolgsband Die Seer ihren großen Auftritt in Grafenegg. Das Rezept für diesen großartigen Abend war eigentlich ganz einfach: acht phantastische Musiker, Superlieder, eine ebensolche Akustik, beeindruckende Videos - und nicht zuletzt ein Traumwetter.    15.10.2018

1996 war offenbar ein gutes Jahr. Nicht nur, daß damals die Tochter des EVOLVER-Klassikexperten zur Welt kam; es war auch das Gründungsjahr einer musikalischen Erfolgsgeschichte aus dem steirischen Salzkammergut. Der sympathische Alfred Jaklitsch wollte damals ein Experiment starten, das Volks- und Popmusik miteinander kombiniert. Für die Musiker war es sicher ein steiniger Weg, dorthin zu gelangen, wo sie heute sind.

Mittlerweile kann der Frontman eine stolze Anzahl von 422 (!) Liedern vorweisen, die alle aus seiner Feder stammen. "Oft bekomme ich während einer Autofahrt beim Anblick einer Landschaft einen Impuls." Und diese Ideen notiert er dann sofort - notfalls sogar am Handy. Viele seiner Hits haben einen starken persönlichen Bezug. "Junischnee" komponierte er damals, als seine Tochter relativ plötzlich geboren wurde. So bleibt ihm und seinen Fans zu wünschen, daß er auch in Zukunft noch viele solcher Impulse für so großartige Lieder bekommt.

Während andere aufgrund einer gewissen Abgehobenheit (leider) scheiterten, haben Die Seer heute ihren fixen Platz in der (deutschsprachigen) Musikszene. Der Grund ist einfach: Alfred betont selbst, daß die Band immer authentisch geblieben ist, auch so bleiben wird und sozusagen auf "Augenhöhe" mit dem Publikum musizieren will.

 

Das ist ihnen gut gelungen, wie das Konzert am Marienfeiertag 2018 im Wolkenturm gezeigt hat. Alfred und die großartigen Musiker (natürlich vor allem die beiden Damen Sabine und Astrid mit ihren Superstimmen) führten durch ein zweieinhalbstündiges Programm mit all ihren Hits und quer durch alle Musikrichtungen. Ob Reggae, Rock´n´Roll oder ein lustiger Rap (von Alfred gesungen!) - Die Seer brillierten in allen Genres.

Nicht zu vergessen sind hier natürlich die zu Herzen gehenden Balladen, wie "Hoamatgfühl" als schönste musikalische Fremdenverkehrswerbung oder am Schluß "Wüds Wossa".

Von den Seern gibt es logischerweise bereits viele CDs und DVDs. Der bisher letzte Tonträger erschien 2017 - und für den kommenden, für 2019 geplanten, hat Alfred schon viele Ideen. Auf der Band-Homepage sind alle Konzerttermine ersichtlich; empfehlenswert ist vor allem das vorweihnachtliche Unplugged-Konzert am 22. Dezember 2018 im Wiener Konzerthaus. Wahrscheinlich die beste Gelegenheit, den Irrsinn des "stillen Fests" zu überstehen ...

 

Drei Fragen an Alfred Jaklitsch:

 

F: Woher nimmst du die Ideen für deine Lieder?

A: Ja, oft sind es so Erlebnisse, die so emotional sind; da möchte man gern ein Lied schreiben. So wie "Junischnee" bei der Geburt der Tochter oder "Wüds Wossa" bei der Geburt des Sohnes. Es ist auch die Inspiration der Ausseer Landschaft. Oft auf der Westautobahn möchte ich das ins Handy reintippen oder reingrölen ... Am liebsten ist´s mir, wenn nach dem Konzert wer zu mir kommt und sagt, das Gefühl kenne ich.

 

F: Wie fühlst du dich da in Grafenegg?

A: Für mich ist es eine große Ehre, hier zu sein. Vor allem, wenn man weiß, welche Kapazunder hier sonst auftreten.

 

F: Welches deiner Lieder hast du am liebsten?

A: Ich möchte eigentlich keines bevorzugen, aber am liebsten sind mir dennoch die Lieder mit autobiographischem Inhalt. Die Lieder, wo man das Gefühl hat, diese Probleme und Alltagssorgen haben wir gemeinsam.

Herbert Hiess

Die Seer

ØØØØØ

Open-Air

Leserbewertung: (bewerten)

Die Seer

 

Konzert am 15. August 2018 im Wolkenturm/Grafenegg

 

Photo: Simone Attisani Photography

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen

Musik
Orchesterkonzert der Wiener Philharmoniker

Seltsame Zeiten

Nicht nur Thomas Angyan, der zukünftige Ex-Chef des Wiener Musikvereins, hätte sich den Abschluß seiner Karriere - ebenso wie Staatsoperndirektor Dominique Meyer - anders vorgestellt. Wie so viele Kulturschaffende gingen beide der angeblichen Pandemie in die Falle.  

Print
Rudolf Buchbinder im Interview

Reise durch den Beethoven-Kosmos

Wer Rudolf Buchbinder ist, braucht man eigentlich niemandem mehr zu erklären. Der sich im 74. Lebensjahr befindende Star-Pianist ist in Kulturkreisen weltweit ein Begriff - und vor allem in Sachen Beethoven eine Kapazität, an der man nicht vorbeigehen kann und darf.  

Musik
Wiederaufnahme in der Berliner Staatsoper

Carmen in der Corona-Krise

Pech oder Schicksal - wie auch immer man es bezeichnen mag: Daß die großartige Berliner "Carmen" schon nach der zweiten Aufführung von Amts wegen gestoppt werden musste, hätte sich niemand gedacht. Jetzt kann man sie wohl einige Zeit nur als Stream oder Aufzeichnung betrachten. Die Staatsoper unter den Linden zeigt mit ihr jedenfalls, daß sie dank ihrer hervorragenden Musiker viele der angeblichen Spitzenhäuser übertrifft.  

Stories
"Der Vorname" in den Kammerspielen

Makabre Wohnzimmerkomödie

Wie Political Correctness als brutale Verlogenheit entlarvbar ist, zeigt das Stück "Der Vorname" des Autorenduos Patellière und Delaporte. Herbert Hiess hat es in den Kammerspielen erlebt.  

Musik
Last-Minute-Ideen für Klassikliebhaber

Weihnachtliche CD-Tips aus Wien

Alle Jahre wieder ... kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der "Streß", der oft zu Geschenkskäufen in letzter Minute führt. Um Verlegenheitsgaben wie Socken oder Bonbonnieren zu umgehen, hat der EVOLVER-Klassikexperte einige Tips zusammengestellt, die nicht nur eingefleischten Klassikliebhabern Freude bereiten werden.  

Musik
Musikalische Höhen und Tiefen in Grafenegg

Ein wechselhafter Sommer

Der EVOLVER-Klassikexperte ist seit Anbeginn ein begeisterter und treuer Besucher der Grafenegger Konzerte. Lesen Sie, wie die drei Wochen(enden) des heurigen Sommers musikalisch verlaufen sind.