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Schmauchspuren #63

Ein idyllisches Restaurant in den Bergen? Peng! Ein stiller Pariser Vorort? Ratatat!! Ein abgetakelter Profikiller und amerikanische Anwälte? Schnarch! Unser Krimi-Kolumnist Peter Hiess hat´s lieber laut - und gut.    12.12.2018

Peter Hiess

Bracken MacLeod - Mountain Home

Festa Crime 2014

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Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben. Das gilt sowohl für Lyn, Kellnerin in einem kleinen Restaurant in den Bergen von Idaho, als auch für die gegenüber wohnende Irak-Veteranin Joanie, die sich ausgerechnet diesen Tag ausgesucht hat, um abzurechnen. Erst stattet sie dem Lokal noch einen Besuch ab und spricht mit Lyn, dann geht sie über die Straße, legt sich mit ihrem Scharfschützengewehr in Position und beginnt zu schießen. Bracken MacLeods Thriller-Debüt "Mountain Home" (mit dem unnötigen deutschen Untertitel "Wie ein blutiger Tanz der Rache") ist ein klaustrophobisches, aufreibend inszeniertes Kammerspiel mit wenigen Personen, einem eng eingegrenzten Handlungsraum, knappen und stimmigen Dialogen und einer "Terroristin", deren Taten man nach ihren Erlebnissen in einem ungerechten Krieg und dann back home durchaus nachvollziehen kann - auch wenn das bittere Ende unausweichlich ist. Ein paar Stunden Angst und Spannung, die man besser kaum vermitteln könnte.

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Dominique Manotti - Abpfiff

Ariadne/Argument 2015

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Ein Pariser Vorort, Mai 1990. Zwei Motorradfahrer mähen mit Maschinenpistolen ein Paar vor einem Einkaufszentrum nieder. Die Opfer: ein Ermittler der Drogenfahndung und ein Mädchen, über das man vorerst nichts weiß. Die Täter: zwei Crack-Junkies, die schnell gefaßt werden und geständig sind - es war ein Auftragsmord von einem Unbekannten, und eigentlich hätte nur die junge Frau sterben soll. Commissaire Théo Daquin ist vom Tod des Lieblingskollegen erschüttert und stürzt sich nach viel Cognac und Kaffee in die Ermittlungen. Präzise, hart und intelligent - er ist keiner dieser nach Schema F traumatisierten Detektive und Polizisten, die so viele Krimis bevölkern. Und wie es seine Art ist, sticht er auch in Dominique Manottis drittem Daquin-Roman "Abpfiff" in ein Wespennest: einen Fußballverein kurz vor dem Meistertitel-Durchbruch, dessen Präsident in ein Netz aus krimineller Korruption verstrickt ist. Manotti erzählt wieder einmal journalistisch, ohne Schnörkel und Psycho-Blabla, politisch engagiert, ideologiefrei, einfach noir im besten Sinne. Weiter so, bitte.

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Max Allan Collins - The Wrong Quarry

Hard Case Crime 2014

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Max Allan Collins sollte hingegen endlich aufhören, neue Romane um seinen Profilkiller Quarry zu schreiben. Denn obwohl auch "The Wrong Quarry" in einem Lieblingsverlag dieser Kolumne erschienen ist, kann man sich den faden, schlecht konstruierten Absolut-nicht-Thriller ersparen: Der Hitman folgt darin weiterhin seiner krausen Idee, andere Berufsmörder im Auftrag der prospektiven Opfer auszuschalten, und wird dabei in uninteressante Eighties-Kleinstadtdramen verwickelt, bis am Schluß wie ein Deus ex machina DER SERIENMÖRDER auftaucht, aber auch nichts mehr retten kann. Schon gar nicht an Collins´ selbstverliebt-postmoderner Schreibweise: Schaut doch, wie gut ich die 80er Jahre zitieren kann! Bewundert meine zeittypischen Sexszenen! Schon recht, der Herr - aber wir halten das schon bei Tarantino nicht aus. No Quarry, bitte.

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Scott Turow - Die Erben des Zeus

Blessing 2015

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Scott Turow ist - neben John Grisham - einer der Meister des amerikanischen Gerichts-Thrillers. Während Grisham mittlerweile allerdings nur noch über seine Lieblingsärgernisse dahindeliriert, schafft es Turow nach wie vor, relativ spannende Bücher über das absurde Justiz- und Polit-System der USA abzuliefern. Sein neues, "Die Erben des Zeus", ist allerdings eher als Schnellschuß zu werten. Die Story um den erfolgreichen Anwalt Paul, der Bürgermeister werden will, und seinen Zwillingsbruder Cass, der als verurteilter Mörder nach 25 Jahren bald aus dem Gefängnis entlassen wird, nimmt nur langsam an Fahrt auf, als der Bruder des Mordopfers nun auch Pauls Schuld an dem Verbrechen nachweisen will. Der Autor schaltet gemächlich die Gänge höher, schafft es aber nicht, den Leser in das "große Geheimnis" des Romans hineinzuziehen - wahrscheinlich, weil man die Auflösung schon sehr bald ahnt. Und so stirbt irgendwann der erzählerische Motor ab, also steigt man lieber auf andere Vehikel um.

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Don Winslow - London Undercover/China Girl

Suhrkamp 2015

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Zum Beispiel auf "London Undercover" und "China Girl", zwei Frühwerke des großen Don Winslow, die Suhrkamp noch schnell auf den Markt wirft, bevor die Konkurrenz im Juni das neue Drogenfahnder-Epos "Das Kartell" veröffentlicht. Die beiden ersten Fälle des New Yorker Ermittlers Neal Carey, Ex-Straßenjunge und Sohn einer Drogenabhängigen, verkürzen die Wartezeit aufs Allerbeste. Ob es Carey, der im Auftrag einer diskreten Bank für deren geldige Kunden unterwegs ist, in den 1970er Jahren nun nach London oder Hongkong verschlägt: Die Fälle sind interessant, die Psyche des Protagonisten ist glaubhaft geschildert, die Sprache kratzt am Literarischen (und wurde von Conny Lösch kongenial neuübersetzt) - und beide Bücher zeigen, daß Winslow schon Anfang der Neunziger genau wußte, wie gute Krimis funktionieren. Unbedingt lesen. Bitte.

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