Print_Robert Littell - Die Company

Lizenz zum Putschen

Daß die CIA heimlich die Weltpolitik kontrolliert, vermuten Verschwörungstheoretiker seit langem. Daß patriotische Thriller-Autoren darauf auch noch stolz sind, ist neu.    04.11.2002

Gut, daß Tom Clancy sich in den letzten Jahren immer mehr auf die Entwicklung von Computerspiel-Storys verlegt - für mehr eignen sich seine superpatriotischen, technikhörigen Wälzer über den heldenhaften Einsatz amerikanischer Agenten gegen Terroristen aus aller Welt auch nicht mehr. (Abgesehen davon natürlich, das Vorbild für die Außenpolitik von Bush jun. abzugeben...) Auf dem Sektor des Spionagethrillers muß sich der Bestseller-Autor spätestens ab jetzt mit einem mächtigen Konkurrenten messen: Robert Littell, dessen Roman "Die Company" neue Maßstäbe im schal gewordenen Genre setzt.

Auf den ersten Blick sieht das beinahe 800 Seiten starke Werk mit dem deutschen Untertitel "Die weltumspannende, faszinierende Sage über die CIA" wie ein Sachbuch aus; doch Littell ist es gelungen, reale Ereignisse aus der Geschichte des US-Auslandsgeheimdiensts in eine spannende und plausible Romanhandlung zu verpacken. Er erzählt die Geschichte dreier Männer, die für die CIA angeworben werden und sich im Lauf der Jahrzehnte an verschiedenen Schauplätzen des Kalten Kriegs aufhalten - von Berlin vor dem Mauerbau über die Schweinebucht bis zum Sturz Gorbatschows in Moskau. Aber auch die sowjetischen Gegenspieler und ein Maulwurf in den eigenen Reihen werden gekonnt in den Plot eingebaut. Wenn man es schafft, seine Vorbehalte gegen die imperialistische Ideologie (die natürlich auch hier Leitgedanke ist) für einige Tage im Zaum zu halten, ist "Die Company" durchaus vergnügliche, packende Lektüre.

 

Peter Hiess

Robert Littell - Die Company

ØØØØ

(The Company: A Novel of the CIA)


Scherz (Bern, München, Wien 2002)

 

Links:

Kommentare_

Print
Klaus Ferentschik - Ebenbild

Doppelgänger-Phantasie

In seinem neuen Roman erzählt Klaus Ferentschik von Spionen, verschwundenen USB-Sticks, Hagelkörnersammlern und Eisleichen. Das Ergebnis ist ein philosophisch-psychologischer Agententhriller, der mehr als doppelbödig daherkommt.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 42

Du darfst ...

Gute Nachricht für alle Desorientierten und von Relikten der Vergangenheit Geplagten: Unser beliebter Motivationstrainer Peter Hiess zeigt Euch einen Ausweg. Und die erste Beratungseinheit ist noch dazu gratis!  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 41

Gleisträume

Will man sich in den Vororten verorten, dann braucht man auch die praktische Verkehrsverbindung. Der EVOLVER-Stadtkolumnist begrüßt den Herbst mit einer Fahrt ins Grüne - und stimmt dabei ein Lob der Vorortelinie an.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 40

Weana Madln 2.0

Treffen der Giganten: Der "Depeschen"-Kolumnist diskutiert mit dem legendären Dr. Trash die Wiener Weiblichkeit von heute. Und zwar bei einem Doppelliter Gin-Tonic ... weil man sowas nüchtern nicht aushält.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 39

Der Tag der Unruhe

Unser Kolumnist läßt sich von Fernando Pessoa inspirieren und stellt bei seinen Großstadtspaziergängen Beobachtungen an, die von ganz weit draußen kommen. Dort wirkt nämlich selbst das Weihnachtsfest noch richtig friedlich.  

Kolumnen
Depeschen an die Provinz/Episode 38

Schneller! Schneller!

Wie man hört, trainieren US-Soldaten in Manövern für die Zombie-Apokalypse. In Wien scheint sie bereits ausgebrochen. Der EVOLVER-Experte für urbane Beobachtungen weiß auch, warum.