Games_Battlefield 4

Ab in die Schlacht!

Eine der renommiertesten Shooter-Serien feiert mit "Battlefield 4" ihren Einstand auf den aktuellen Next-Gen-Konsolen. Philipp Grüll war mit Herz und Seele beim digitalen Gemetzel dabei.    11.02.2014

Innovation hat von der Fortsetzung der erfolgreichen "Battlefield"-Serie vermutlich niemand erwartet. Das schwedische Entwicklerstudio DICE konzentrierte sich eher darauf, das bewährte Spielprinzip noch weiter zu verbessern und auszubauen. Einzig die hochdramatische Einzelspielerkampagne à la Michael Bay gab es in dieser Form noch nie - also zumindest in einem "Battlefield"-Game. Überall anders schon.

Seit 1999 "Counterstrike" als Modifikation für das PC-Game "Half Life" herauskam und die Community im Sturm eroberte, sind Multiplayer-Shooter ein fester Bestandteil der Spielelandschaft geworden. Das verwundert auch nicht, da der Kampf gegen einen menschlichen Widersacher doch um einiges interessanter ist als ein Kräftemessen mit einer künstlichen Intelligenz. Vor allem, wenn dann noch der Faktor Teamwork ins Spiel kommt. Da werden Gemeinschaften geschlossen, ein Gefühl von Kameradschaft entsteht. Das virtuelle Mit- und Gegeneinander ist bis heute ein Erfolgsrezept. Und genau hier setzt "Battlefield 4" an. Bei den massiven Schlachten mit bis zu 63 anderen Spielern gleichzeitig, die dann teilweise auch noch mit verschiedenen Fahrzeugen übereinander herfallen, ist die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen essentiell, um den Gesamtsieg zu erringen. Dadurch fühlt sich "Battlefield 4" langsamer und wesentlich taktischer an als die Hochgeschwindigkeitsballereien aus "Unreal Tournament 3" oder eben "Counterstrike".

 

Das große Aushängeschild von "BF4" ist aber nicht einmal der Multiplayer, sondern die Einzelspieler-Kampagne. Bislang hatte die Serie aus ihrem Mehrspieler-Fokus keinen Hehl gemacht, vom recht geglückten Experiment "Battlefield: Bad Company" einmal abgesehen. Doch anscheinend wollten DICE hier mit dem direkten Konkurrenten "Call Of Duty" gleichziehen, der seit jeher mit einer hollywoodreifen Kampagne zu glänzen weiß. Und zumindest zu Beginn kann sich der Storymodus wahrhaftig spielen lassen. Es gibt keinen sanften Einstieg, kein ewiglanges Intro. Der Spieler wird sofort in die Action versetzt, genauer gesagt: in eine laufende Mission des Tombstone Squads.

Als Sergeant Recker müßt ihr zusammen mit euren Kameraden aus Baku evakuiert werden. Der Weg zum Abholpunkt gestaltet sich als wilder Spießrutenlauf mit allen Elementen eines zeitgenössischen Action-Streifens. Feuergefechte, gewaltige Explosionen inklusive einstürzender Gebäude, ein Wettrennen Auto gegen Jagdhubschrauber - sogar das alte "We leave no man behind"-Klischee wird ausgereizt. Und all das in den ersten 20 Minuten. Die "Frostbite 3"–Engine zeigt hier auch gleich, was sie auf dem Kasten hat. Die Lichteffekte sind malerisch, die Texturen scharf und die Levels voller Details wie etwa einem Schwarm Möwen über dem Ozean oder Palmen, die sich in einem Tropensturm biegen. Nur das Wasser sieht ein wenig unrealistisch aus. Auch die Physikeffekte sorgen für gute Laune. Mit genug Feuerkraft kann man ganze Gebäude einreißen. Das wirkt sich vor allem auf das Geschehen im Multiplayer aus, weil nach ein paar gezielten Granaten selbst aus der sichersten Deckung ein offenes Schußfeld wird.

Beeindruckend ... Doch bereits jetzt stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob bei dieser andauernden Adrenalin-Achterbahn die Abwechslung nicht auf der Strecke bleiben wird. Doch hier zeigt sich "BF4" im Singleplayer erfrischend vielseitig. Bombastische Schlachten auf weitläufigem Gebiet wechseln sich ab mit Schleichpassagen, Scharmützeln auf engem Raum und Fahrzeugeinsätzen. Das alles kann zwar nicht vollends darüber hinwegtäuschen, daß es im Endeffekt immer ums Ausschalten von Gegnern geht. Die Vielfalt in Sachen Umgebung und Atmosphäre verhindert jedoch zumindest, daß das Spiel zur monotonen Schießbudeneinlage verkommt. Die Story selbst ist dabei ebenfalls hilfreich, erinnert ein wenig an Tom Clancy und sorgt trotz seichter Charaktere doch immer wieder für Spannung. Alles in allem freut man sich über den gelungenen Einzelspieler-Modus, der für einige Stunden zu unterhalten weiß. Doch selbst die filmreife Inszenierung kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Herzstück dieses Titels im Mulitplayer liegt. Und hier läßt DICE ganz gewaltig die Muskeln spielen.

 

"Battlefield 4" wartet mit mehreren klassischen Spielmodi auf. "Capture The Flag", "Team Deathmatch", "Conquest", "Air Superiority" - gab es schon immer, macht jede Menge Spaß. Für Freunde rasanter Feuergefechte gibt es noch Varianten wie "Domination", eine Art Conquest auf kleinerem Gebiet und ohne Fahrzeuge, oder "Rush", in dem ein Angreifer-Team die Stützpunkte der Verteidiger in die Luft jagen muß, wobei den Angreifern Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Bei den insgesamt sieben Spielmodi (ohne Erweiterungen) ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Spieler werden nach Spieleintritt automatisch in Squads unterteilt, mit einem Anführer und bis zu vier Gefreiten. Dieser Anführer kann Befehle erteilen, wie z. B. "Dieses Ziel angreifen"“, deren Befolgung Extrapunkte regnen läßt. Außerdem dienen Squad-Mitglieder als Einstiegspunkte nach dem virtuellen Heldentod. Dieses System ermutigt zur Zusammenarbeit, und ein gut funktionierendes Squad mit kooperativen Mitspielern und einem fähigen Anführer kann durchaus eine Wende im Kampfgeschehen herbeiführen. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Stützpunkt in unregelmäßigen Abständen von einzelnen Infanteristen attackiert wird oder fünf Soldaten koordiniert angreifen.

Die Squad-Führer bekommen ihre Befehle vom Commander, sofern einer vorhanden ist. Von ihm können sie außerdem Munitionsnachschub, einen Radarscan, Fahrzeuge oder eben Befehle anfordern. Der gesamte Hierarchiekomplex fördert das Teamwork und sorgt durch das Gefühl von Verbindung und Einheit der Kämpfer für dichte Kriegsstimmung. Sofern er funktioniert - ohne kooperative Mitspieler ist nämlich jedes noch so ausgeklügelte Kommunikationssystem wertlos.

Punkte gibt es nicht nur für Teamwork, sondern auch für andere Aktionen wie Abschüsse, Reperaturen, Erste Hilfe etc. Dadurch steigt der Charakter im Level auf, und neue Waffen sowie Accessoires werden freigeschaltet. Die mannigfaltige Auswahl an Optionen zur Personalisierung ist ein großer Motivationsfaktor, vor allem zu Beginn des Spiels. Jede der vier Klassen Assault, Engineer, Support und Recon hat Zugriff auf eigene Waffengattungen und Werkzeuge. Damit kann man den Soldaten ganz an den jeweiligen Spielstil anpassen, sobald man die entsprechende Ausrüstung freigespielt hat. Der konstante Fluß an Erfolgserlebnissen hält die Motivation auf Trab.

Die Partien selbst stehen der Kampagne in Sachen Inszenierung und Intensität in nichts nach - dafür sorgt aber kein Skript, sondern die Spieler selbst. Besonders auf den weitläufigen Schlachtfeldern herrscht wahrhaftig Krieg. Andauernd kracht es irgendwo, Kampfjets machen im Tiefflug Jagd auf Quadbikes, vier Spieler springen aus einem fliegenden Helikopter und landen per Fallschirm mitten in der feindlichen Zentrale, Panzertruppen bekriegen einander über weite Distanzen. Es gibt keine Feuerpause. Als Neuling ist man hier gelegentlich etwas überfordert und muß erst einmal seinen Platz in diesem Chaos finden. Besonders die Steuerung der Helikopter und Jets benötigt Übung. Die Belohnung für die Einarbeitungszeit sind schließlich Mehrspieler-Erlebnisse, wie sie alleine niemals zustandekommen könnten: ein organisierter Angriff mit drei Kollegen auf eine feindliche Basis, der perfekt abläuft und so die Schlachtentscheidung bringt. Oder ein intensiver Zweikampf Kampfjet gegen Kampfjet. Oder auch die Genugtuung, einen Hinterhalt rechtzeitig zu erkennen und den Halunken dann selbst in eine Falle zu locken. Und und und ... Manche Spieler erfreuen sich auch an sinnlosen Spaßeinlagen wie Weitsprüngen mit dem Quadbike oder dem Versuch, mit einem Helikopter einen Jet zu rammen.

 

Wie auch immer man das Spiel angeht, als ernsthafter Kämpfer und Teamplayer, zerstörungswütiger Sprengmeister oder leidenschaftlicher Chaot - Spaß macht es in jedem Fall. Manchmal wird das Vergnügen allerdings durch Programmabstürze gestört, vor allem während der Kampagne. EA hat aber versprochen, dies mittels Patches zu beheben. Sollte das kleine Manko noch ausgebügelt werden, dann kann hier jeder Freund von imposanten Massenschlachten und taktischem Teamplay blind zugreifen. Genauso wie jene Spieler, die immer schon versuchen wollten, ob man mittels Stahlseil und C4 einen Jetpiloten im Flug ausschalten kann. Vorsicht, Spoiler-Alarm: es funktioniert.

 

 

Philipp Grüll

Battlefield 4

ØØØØØ

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Erhältlich für: PC, PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360

 

(DICE)

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