Kino_Burn After Reading

Fit mach Pitt

Die Gebrüder Coen präsentieren sich wieder einmal in Höchstform - mit ihrer neuen Politsatire, in der sie über so manches herziehen, was Amerika ausmacht: Geheimdienste, Fitneßwahn und Hollywood beispielsweise.    02.10.2008

Wenn ein ehemaliger CIA-Agent, eine CD mit geheimen Daten, Männer in dunklen Anzügen, eine Leiche und die Russen aufeinandertreffen, dann kann es sich fast nur um eines handeln: eine Verschwörung. Zumindest scheinen das die Figuren im neuen Streich der Gebrüder Coen zu denken. Nach ihrem (Oscar-)Erfolg "No Country For Old Men" punkten Joel und Ethan diesmal mit einer Satire auf die CIA und Spionage im allgemeinen. Und damit nichts schiefgehen kann, haben sie eine Besetzung gewählt, die allein durch ihr Star-Image alles aufwerten würde. Braucht sie aber nicht: "Burn After Reading" ist nicht nur zum Totlachen, sondern bietet auch intelligente Seitenhiebe auf die Machenschaften der amerikanischen Regierung, denkt über Politik und Macht nach und zeigt, daß hohe Tiere zwar viel Geld verdienen, aber nicht immer sehr clever sind.

Während der Regierungsbeamte Harry Pfarrer (George Clooney) nach Lust und Laune seine sexuellen Phantasien auslebt, ist Ex-CIA-Agent Ozzie Cox (John Malkovich) damit beschäftigt, seine Memoiren festzuhalten. Durch Zufall geraten seine Daten - in Form einer CD - in die Hände von Chad (Brad Pitt) und Linda (Frances McDormand), zwei Angestellten eines Fitneßstudios. Die beiden glauben, einer Wahnsinnssache auf der Spur zu sein, und versuchen, Cox zu erpressen. Der ist darüber ziemlich erbost, was aber nicht das einzige Problem ist. Seine Frau ist nämlich mit Harry Pfarrer liiert, der der festen Überzeugung ist, Spione wären hinter ihm her - und dann gibt es da noch den verwirrten CIA-Chef, der einfach nicht begreift, was die Russen mit einem Fitneßstudio zu tun haben sollen.

 

Übelnehmen kann man dem CIA-Boß seine Verwirrung nicht; schließlich sind alle Beteiligten irgendwie schwachsinnig: Ein Fitneßtrainer versucht sich in Spionagearbeit, ein Typ aus dem Finanzministerium bastelt an Sexspielzeug herum, und eine Kinderärztin droht ihren Patienten. Nicht zu vergessen ist dabei der russische Kulturattaché, der nicht ganz versteht, was er mit brisanten Geheiminformationen der CIA anfangen soll. Die Coens haben ihre Figuren nicht gerade mit Vernunft gesegnet - und gerade das macht ihren neuen Streifen, für den sie auch das Drehbuch schrieben, zum Genuß. Es gibt kaum Lustigeres, als mitanzusehen, wie außerordentlich wichtige und ernsthafte Männer in schwarzen Anzügen ratlos vor der Frage stehen, was sie denn von der ganzen Geschichte halten sollen. Auch Spione sind wohl nicht so klug, wie sie vorgeben oder gern wären.

Die amerikanische Regierung mit ihren Geheimdienstorganisationen muß einiges einstecken, doch auch die kleinen Leute werden nicht verschont. Brad Pitt als Dummkopf mit blonder Strähne und Kaugummi im Mund ist nicht weniger amüsant als seine Kollegin, die sich mit Schönheitsoperationen neu erfinden will. Die Coens und ihre Crew haben sich einiges einfallen lassen, um Politik und Machtspielchen von ihrer bedenklichsten und deshalb umso lustigeren Seite zu zeigen.

Im Grunde steckt aber hinter den blöden Frisuren und verrückten Charakterzeichnungen ein gar nicht so unernstes Thema. In der wirklichen Welt kann ja tatsächlich einiges schieflaufen, wenn Leute in verantwortungsvollen Positionen ihre Arbeit schlecht machen. Das ist jedoch eine Tatsache, die im Filmgeschäft normalerweise außer acht gelassen wird. Immerhin gibt es im Kino Hunderte von Beispielen, in denen smarte CIA-Beamte die Welt retten, Agenten à la James Bond im Namen ihres Landes kaltblütig morden und das FBI die Menschen vor bösen Bedrohungen beschützt. Während in all diesen Filmen die Figuren aber cool und professionell sind, zeigt "Burn After Reading" die andere (und vielleicht auch realistischere) Sichtweise.

Warum sollten nicht auch CIA-Angestellte einmal ratlos sein? Die Coens ziehen nicht nur über die USA, Geheimdienste und Machtspiele zwischen Menschen her, sondern parodieren auch Hollywood mit seinen supercoolen Agenten, die immer wissen, was zu tun ist ...

Christa Minkin

Burn After Reading

ØØØØ 1/2

Leserbewertung: (bewerten)

USA 2008

95 Min.

Regie: Joel und Ethan Coen

Darsteller: George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand u. a.

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen
Der Filmkritiker - 02.10.2008 : 21.28
Klasse Kritik, finde den Film auch super. Denke der hat das Potential zum Kultfilm. Wie so vieles von den Coen-Brüdern.
Echt vielseitig die Jungs!
Heavy Mental - 04.10.2008 : 19.19
"Kultfilm"? Klingt scheußlich ...
Sandra - 11.10.2008 : 14.44
GROTTENSCHLECHT!!!

Also, ich habe mir gestern den Film angesehen und er war sowas von schlecht und langweilig! Ich war mit 3 weiteren Freunden drin und die waren ebenso enttäuscht davon! Das Brad Pitt und George Clooney es überhaupt nötig haben in solch einem schlechten Film mitzuspielen! Wir waren schon frühzeitig am überlegen die Vorstellung zu verlassen, haben dieses aus Rücksicht zu den anderen Gästen (wg. Unruhe) aber nicht getan!
Nach den ersten Szenen dachte man so, jetzt muß es doch endlich mal losgehen, es muß doch mal ne gescheite Handlung passieren! *warte* *warte* *warte* ... und plötzlich kam der Schlußtrailer!

Also, der Film ist der schlechteste den ich bzw. wir je gesehen haben und schade um das Eintrittsgeld!

Ich kann den Film wirklich in KEINSTER WEISE WEITEREMPFEHLEN!
The Dude - 16.10.2008 : 11.36
Mit Abstand der beste Film, den ich seit langem im Kino gesehen hab. Voll von schwarzen Humor auf richtig hohem Niveau wie man es von den Coen Brüdern gewöhnt ist. Ganz klar eines der Filmhighlights 2008 mit einem überragenden Brad Pitt!
Sakura - 27.10.2008 : 15.57
Ich muss sagen, nach den tollen Kritiken die ich gelesen hab, habe ich mich richtig auf den Film gefreut, war aber nachdem ich ihn geguckt habe eher enttäuscht. Ich dachte mir mit den Leuten die da mitspielen, "kann der ja nur gut sein"
...war er aber -meiner Meinung nach- leider nicht :-(

Kino
Only Lovers Left Alive

Jims coole Blutsauger

Tilda Swinton und Tom Hiddleston geben in Jim Jarmuschs Genrebeitrag ein außergewöhnliches Vampir-Duo mit Hang zu Coolness, Schwermut und Musik.  

Kino
Wer weiß, wohin?

Von Haschkeksen und Krieg

In ihrem zweiten Spielfilm erzählt die libanesische Regisseurin Nadine Labaki humorvoll und feinsinnig von einem Dorf, in dem eine Gruppe entschlossener Frauen mit kreativen Mitteln die religiöse Feindschaft zu beenden versucht.  

Kino
The Iron Lady

And the Oscar goes to ...

Es ist kein Wunder, daß Meryl Streep mit ihrer Rolle der englischen Premierministerin Margaret Thatcher den dritten Oscar ihrer Karriere gewann. Streep beweist einmal mehr, daß sie zu den fähigsten Schauspielerinnen der Gegenwart gehört.  

Kino
R.E.D. - Älter, härter, besser

We Need A Pig

Bruce Willis, Helen Mirren, Morgan Freeman, John Malkovich ... Nicht nur das Darsteller-Team begeistert in dieser Comic-Adaption. Die Action-Komödie amüsiert mit viel Ironie und Augenzwinkern.
 

Kino
Salt

Humorlose Kampfmaschine

Ihr EVOLVER macht's gründlich: Gleich zwei unserer Kritiker haben sich den aktuellen Film angesehen.
"Ein spannender Spionage-Thriller mit schwieriger Hauptfigur", meint Christa Minkin.  

Kino
An Education

Paris oder Oxford?

Der neue Streifen der "Dogma"-Regisseurin Lone Scherfig überzeugt mit einem pointierten Drehbuch von Nick Hornby und interessanten Figuren. So richtig gelungen ist er trotzdem nicht.