Kino_Fantastic Four - Rise Of The Silver Surfer

Fantastic Pop-Band

Was passiert, wenn vier Superhelden mit der Seriosität einer Teenie-Gruppe die Welt retten sollen? Der zweite Teil des "F4"-Franchise gibt darauf eine Antwort - leider keine allzu befriedigende.    14.08.2007

Verfilmungen von Marvel-Comics gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Angefangen beim Vampirjäger "Blade" über die Geschichten der "X-Men" bis hin zu "Spider-Man" und sogar "Ghost Rider" standen schon viele Comic-Helden des amerikanischen Großverlags auf der Leinwand. Daß sie in Hollywood so beliebt sind, ist letztlich kein Wunder - schließlich geben die Comics einiges an Story, Spannung, Action und sogar Emotionen her. Auch Regisseur Tim Story hat sich 2005 das erste Mal an einen Marvel-Comic herangetraut und die "Fantastic Four" ins Kino gebracht. Und weil Fortsetzungen im Filmgeschäft genauso beliebt sind wie Remakes, gibt es nun den zweiten Teil der "Fantastic Four"-Reihe zu begutachten: "Rise Of The Silver Surfer".

Diesmal sollen die vier phantastischen Superhelden die Welt vor einem riesigen Etwas namens Galactus retten, das sich von thermischer und organischer Energie ernährt und deshalb ganze Planeten verschlingt. Was nach einer für Superhelden einfachen Aufgabe klingt, gestaltet sich für die vier aber doch eher schwierig. Zuerst dauert es seine Zeit, bis sie die Gefahr überhaupt erkennen, da Reed Richards alias Mr. Fantastic (Ioan Gruffudd) und seine Verlobte, The Invisible Woman (Jessica Alba), mitten in den Hochzeitsvorbereitungen stecken und damit für Aufregung bei Medien und Fans sorgen.

Als der "Botschafter" des galaktischen Bösewichts (der titelgebende Silver Surfer) dann auftaucht, folgt ihm Johnny (Chris Evans), wird dabei allerdings außer Gefecht gesetzt. Das bringt die Gruppe in ziemliche Schwierigkeiten, weil Johnnys DNS plötzlich verändert ist und er jetzt seine Kräfte durch Berührung mit den anderen tauschen kann. Diese Tatsache führt nicht nur zu peinlichen Situationen, sondern auch dazu, daß ein Rettungsversuch fast scheitert und General Hager (Andre Braugher), der das Team mit der Rettung der Welt beauftragt hat, den schon aus dem ersten Teil bekannten Erzfeind der Fantastischen Vier, Doctor Doom (Julian McMahon), engagiert.

 

Doch Superhelden würden diese Bezeichnung nicht verdienen, wenn sie sich von solchen Schwierigkeiten abhalten ließen. Obwohl die Fantastic Four unter Tim Storys Regie mehr wie eine Teenie-Pop-Band wirken als wie furchtlose Retter der Erde, stellen sich die vier der Gefahr und meistern ihre Aufgabe nicht einmal schlecht. Dabei werden sie von einigen Continuity-Fehlern, ein paar inhaltlich unlogischen Momenten und jeder Menge Special-Effects begleitet, die zwar ganz gut sind, aber nicht immer ein Kompliment verdienen (Mr. Fantastics gummiähnlicher Körper sieht nun mal nicht sehr ernstzunehmend aus).

Die Helden finden heraus, was hinter der Erscheinung des Silver Surfers steckt, wobei Susan Storms klischeehaft weibliche Charakterzüge ebenso wie ihr liebevolles Vertrauen und ihre Intuition sehr hilfreich sind. Als Frau an der Seite von Reed Richards und Schwester von Johnny gibt die Figur Susan Storm nicht viel her; sie ist zwar emanzipiert, aber doch in ein typisches Bild gedrängt (was womöglich auf den Comic selbst zurückzuführen ist, wo The Invisble Woman zunächst auch eher unbedeutend in der Rolle als Superheldin ist).

Ganz oberflächlich ist die Story jedoch nicht. Ben Grimm alias The Thing (Michael Chiklis), der dazu verdammt ist, zeitlebens ein zwar fast unverwundbares und starkes, aber doch häßliches Monster zu sein, spielt mit Humor die Tragik seiner Situation herunter. Viel mehr Tiefgang bietet der Film allerdings nicht, und auch die Beziehungen der Figuren zueinander bleiben eher belanglos. Um Eintönigkeit zu vermeiden, werden einige Streitigkeiten zwischen den vier Freunden inszeniert, letztlich bleiben sie aber ihrem netten, kindlichen und etwas einfältigen Image treu.

 

"Rise Of The Silver Surfer" ist zweifellos spannend, energiegeladen und voller Action, vergißt dabei aber, daß zu einem wirklich guten Film etwas mehr notwendig ist. Obwohl die Story nicht schlecht ist, die Effekte für Spannung sorgen und die Figuren nicht allzu langweilig gezeichnet sind, fehlt dem Film eine einzigartige Note oder zumindest eine Abrundung - also etwas, das ihm mehr Ernsthaftigkeit verleiht.

Oft entsteht der Eindruck, die Fantastic Four würden sich und ihre Aufgabe nicht richtig ernst nehmen. Doch es gibt viele Superhelden, und sie alle sind seriöse Retter der Erde, die meist ein nicht ganz so einfaches Leben führen. Die Fantastischen Vier machen es sich da doch etwas zu einfach, sodaß auch das Ende des Films fast schon enttäuschend "happy" ist.

Christa Minkin

Fantastic Four - Rise Of The Silver Surfer

ØØØ


USA 2007

92 Min.

Regie: Tim Story

Darsteller: Jessica Alba, Julian McMahon, Michael Chiklis u. a.

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen

Kino
Only Lovers Left Alive

Jims coole Blutsauger

Tilda Swinton und Tom Hiddleston geben in Jim Jarmuschs Genrebeitrag ein außergewöhnliches Vampir-Duo mit Hang zu Coolness, Schwermut und Musik.  

Kino
Wer weiß, wohin?

Von Haschkeksen und Krieg

In ihrem zweiten Spielfilm erzählt die libanesische Regisseurin Nadine Labaki humorvoll und feinsinnig von einem Dorf, in dem eine Gruppe entschlossener Frauen mit kreativen Mitteln die religiöse Feindschaft zu beenden versucht.  

Kino
The Iron Lady

And the Oscar goes to ...

Es ist kein Wunder, daß Meryl Streep mit ihrer Rolle der englischen Premierministerin Margaret Thatcher den dritten Oscar ihrer Karriere gewann. Streep beweist einmal mehr, daß sie zu den fähigsten Schauspielerinnen der Gegenwart gehört.  

Kino
R.E.D. - Älter, härter, besser

We Need A Pig

Bruce Willis, Helen Mirren, Morgan Freeman, John Malkovich ... Nicht nur das Darsteller-Team begeistert in dieser Comic-Adaption. Die Action-Komödie amüsiert mit viel Ironie und Augenzwinkern.
 

Kino
Salt

Humorlose Kampfmaschine

Ihr EVOLVER macht's gründlich: Gleich zwei unserer Kritiker haben sich den aktuellen Film angesehen.
"Ein spannender Spionage-Thriller mit schwieriger Hauptfigur", meint Christa Minkin.  

Kino
An Education

Paris oder Oxford?

Der neue Streifen der "Dogma"-Regisseurin Lone Scherfig überzeugt mit einem pointierten Drehbuch von Nick Hornby und interessanten Figuren. So richtig gelungen ist er trotzdem nicht.