Kino_Film-Tips 03/09

Who watches the Knochenmann?

Es geht bergauf: Das erste März-Wochenende bietet mit "Watchmen", "Gran Torino" und "Der Knochenmann" gleich drei absolut sehenswerte Streifen. Und weil man die ohnehin nicht alle auf einmal schauen kann, macht es auch nichts, daß der Rest des Kinomonats nicht mehr ganz so viel zu bieten hat.    09.03.2009

Christoph Prenner

Watchmen - Die Wächter

(Watchmen)

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Ganz gleich, ob "From Hell", "The League of Extraordinary Gentlemen" oder "V for Vendetta": Alan Moore hat ein Problem mit den Verfilmungen seiner Comics. Wenn man sich die bisherigen Ergebnisse ansieht, liegt er damit natürlich zum Teil richtig. Dementsprechend skeptisch mußte man daher auch der Adaption seines eigentlich als unverfilmbar geltenden Opus magnum "Watchmen" entgegensehen, für das es unter Fans und Experten schon eines absoluten Regievisionärs bedurft hätte, um dem hochkomplexen Stoff auch nur annähernd gerecht zu werden. To cut a long story short: Zack Snyder ("300", "Dawn of the Dead") ist gewiß kein solcher Visionär, aber sein "Watchmen" ist dennoch eine hocherfreuliche Angelegenheit geworden - gerade weil er sich optisch und erzählerisch (bisweilen auch zu) sklavisch an die Vorlage hält, bis auf eine minimale Abweichung beim Showdown. Da kann man bei der einen oder anderen unnötigen tricktechnischen Fleißaufgabe ruhig ein Auge zudrücken. Lesen Sie dazu die ausführliche EVOLVER-Filmbesprechung.

 

Einschlagswahrscheinlichkeit: 90 %

Links:

Slumdog Millionär

(Slumdog Millionaire)

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DER Abräumer bei der heurigen Oscar-Verleihung. Man könnte auch sagen: der Happy-go-lucky-Film zur Krise. Aber wenn man ganz ehrlich ist, hat man von Danny Boyle schon mindestens drei bessere Filme gesehen als dieses doch im Grunde sehr konventionelle Schicksalsdrama (wir wollen das Wort poverty porn an dieser Stelle nicht in den Mund nehmen) mit hohem Erbauungsfaktor. "City of God" this ain´t.

 

Einschlagswahrscheinlichkeit: 65 %

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Der Knochenmann

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"Jetzt ist schon wieder was passiert." Gemeinhin darf man schon froh sein, wenn einen Filmkrimis aus Österreich nicht peinlich berühren. Die löbliche Ausnahme von der Regel sind da meist jene, die das Trio Wolf Haas, Wolfgang Murnberger und Josef Hader vom Stapel läßt. "Der Knochenmann" ist nun eine weitere Steigerung gegenüber den Vorgängern "Komm, süßer Tod" und "Silentium" - weil die Geschichte noch zugespitzter und abgründiger daherkommt, ohne dabei an Humor einzubüßen, und weil Josef Haders mürrischer Brenner mittlerweile endgültig als gleichsam prototypisch österreichische Figur etabliert ist. Und auch, weil der große grantige Bayer Josef Bierbichler wie stets eine Wucht ist.

 

Einschlagswahrscheinlichkeit: 80 %

Links:

Gran Torino

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Apropos grantig: Eine derart misanthropische Figur wie den hier über die Gooks (Asiaten) und Spooks (Schwarzen) in seiner Nachbarschaft schimpfenden, mitunter gar knurrenden Autobauer in Pension - der noch dazu gerade seine Frau verlieren mußte - hat man im Kino schon lange nicht mehr gesehen. Aber es wäre nicht Clint Eastwood, der mit seinen beinahe 80 Jahren derzeit einen sowohl quantitativ als auch qualitativ überaus beeindruckenden Film-Output aufweist, wenn die sich recht simpel anlassende Geschichte später nicht doch noch diverse wagemutige Brüche und Wendungen aufweisen würde. Daß er mit dieser so tiefgründigen wie humorvollen Arbeit aber den Nerv des Ami-Massenpublikums derart punktgenau getroffen hat ("Gran Torino" ist sein bisher erfolgreichster Film als Regisseur), spricht dafür, daß die US and A doch noch nicht verloren sind.

 

Einschlagswahrscheinlichkeit: 80 %

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Was sonst noch anläuft


RocknRolla

Man kann nicht alles haben: Madonna ist der selbsterklärte Filmemacher Guy Ritchie zwar losgeworden, respektable Machwerke bringt er aber weiterhin nicht zustande. Hier gibt es die zum x-ten Male aufgewärmte "Lock, Stock"-Rezeptur - und die hat damals schon nicht sonderlich gemundet.

 

The Unborn

Zuletzt durfte David S. Goyer ja noch ein wenig an der "The Dark Knight"-Story mitschreiben. Was für einen schlimmen Unfug er aber verbricht, wenn man ihn allein walten läßt, darüber gibt dieser Horror-Schmafu Aufschluß. Lesen Sie dazu demnächst die ausführliche EVOLVER-Filmbesprechung.

 

Kurzer Prozess - Righteous Kill

Aller schlechten Dinge sind drei: Warum die dritte Zusammenarbeit der Schauspielgrößen Pacino und De Niro bei weitem nicht mit "Der Pate II" und "Heat" mithalten kann, lesen Sie ebenfalls in einer ausführlichen EVOLVER-Filmbesprechung.

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Kommentare_

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