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Kino_Salt

Humorlose Kampfmaschine

Ihr EVOLVER macht's gründlich: Gleich zwei unserer Kritiker haben sich den aktuellen Film angesehen.
"Ein spannender Spionage-Thriller mit schwieriger Hauptfigur", meint Christa Minkin.    20.08.2010

Evelyn Salt (Angelina Jolie) ist Agentin der CIA. Sie ist glücklich verheiratet, und ihr Leben scheint seit geraumer Zeit geordnet zu verlaufen. Sie arbeitet in ihrem fad aussehenden Büro, übt während der Arbeitszeit Servietten fürs perfekte Abendessen zu falten und witzelt mit ihrem langjährigen Kollegen. Dennoch arbeitet sie für den Geheimdienst - ganz vorhersehbar kann ihr Tag also nicht enden. Als kurz nach Dienstschluß ein suspekt wirkender alter Mann auftaucht, soll Evelyn ihn verhören und wird dabei von ihm als russische Spionin bezeichnet.

Innerhalb von Sekunden wird Salt zur Gejagten, und das langweilige Bürohaus verwandelt sich in ein Hochsicherheitsgebäude, aus dem es - zumindest für normale Menschen - kein Entrinnen gibt. Daß Salt zu jener Spezies nicht gehört, läßt zwar schon der Filmtitel vermuten, sie macht es aber gleich in den ersten Minuten auf beeindruckende Weise klar. Gegen eine ganze Schar von CIA-Leuten kommt sie an, ihnen immer einen Schritt voraus - schnell, intelligent und genau. Eben so, wie man es von Hollywoods Spionen gewohnt ist.

 

Bei Evelyn Salt wird man allerdings das Gefühl nicht los, daß sie ihre Arbeit sogar besser macht als ihre filmischen Vorgänger. An solchen fehlt es ja nicht. Man denke dabei an Ikone James Bond, Ethan Hunt, dem jede Mission Impossible gelingt, oder Jason Bourne. Mit Salt verhält es sich aber anders. Sie handelt perfekt, macht keine Fehler und ist nicht eine Sekunde lang verunsichert. Ihre Verfolger und Kollegen spielt sie derart kompetent aus, daß sie sie zu verhöhnen scheint. Die Figur Salt dominiert Film und Handlung nicht nur, sie ist Film und Handlung. Stärker als die meisten ihrer Vorgänger ist sie treibende Kraft hinter den Geschehnissen.

Dieser Effekt entsteht unter anderem dadurch, daß es nur eine Perspektive gibt: nämlich ihre. Was darüber hinaus passiert, wie die restlichen Figuren agieren, bleibt Nebensache, ist oft sogar völlig unklar. Schnell erweckt eine solche Figur den Eindruck, auf einem Egotrip zu sein. Während Salt in den ersten Minuten alle Sympathien auf sich zieht (sie ist menschlich und rebellisch), verwandelt sie sich später in eine unnahbare und undurchschaubare Kampfmaschine. Darin unterscheidet sie sich von den meisten ihrer beruflichen Ahnen. Sogar der an Emotionslosigkeit kaum zu überbietende James Bond wirkt im Vergleich zu Salt menschlich - vielleicht durch das Augenzwinkern, das hinter all seinem Tun versteckt ist, möglicherweise aber auch, weil man bei ihm immer weiß, woran man ist. Evelyn Salt hingegen verheimlicht uns sogar, ob sie zu den Guten oder den Bösen gehört.

 

Eingebettet ist diese altbekannte (und doch neuartige) Figur in einen spannenden Spionage-Thriller, der sich - wie so oft - um Rußland, Amerika und den Kalten Krieg dreht. Neu ist die Handlung nicht, packend aber allemal. Angelina Jolie in der Hauptrolle ist eine Bereicherung (zumal sie schon Erfahrung mit ähnlichen Action-Spektakeln hat), ebenso wie die Grundidee, Mister Bond und seinen Kollegen eine Misses Salt entgegenzusetzen. In dieser Hinsicht verdient der Film Lob.

Abgesehen davon bietet der Streifen viele Spezialeffekte und Kampfszenen, bei denen sich die Macher mehrmals in heftige Übertreibungen hineinmanövriert haben. Die Hauptfigur macht wegen ihrer schwer greifbaren und dadurch interessanten Persönlichkeit etwas her, obwohl ihre Verbissenheit stellenweise nervtötend ist. Da ist ein zum Scherzen aufgelegter James Bond manchmal angenehmer anzusehen. Bleibt nur die Erwartung auf das zum Schluß angedeutete Sequel. Ob die Hauptfigur dann sympathischer wirkt, weil sie uns bereits vertraut ist, wird sich zeigen.

Christa Minkin

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Salt

ØØØ

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USA 2010
100 Min.

Regie: Phillip Noyce
Darsteller: Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, Daniel Olbrychski, August Diehl u.a.

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