Kino_Zatôichi - Der blinde Samurai

Schwerter am Broadway

Als blondgefärbter Schwertkämpfer nimmt sich Meister Kitano mit geschlossenen Augen eines japanischen Traditionsgenres an, das nach ihm nie mehr so aussehen wird wie vorher.    10.09.2004

Ein Mann wie Takeshi Kitano läßt sich nicht festlegen. Das ist es, was ihn nicht nur als Schauspieler ("Battle Royale", "Gonin") und Fernsehunterhalter ("Takeshis Castle" sowie unzählige japanische TV-Produktionen, die wir hierzulande leider nicht zu sehen kriegen), sondern auch als Regisseur so einzigartig macht. Sobald er merkt, daß irgendeine Gruppe von Fans sich ihn unter den Nagel reißen will, macht er etwas ganz anderes, das solchen Vereinnahmungen einen Faustschlag mitten ins Gesicht versetzt.

Mit seinen Yakuza-/Polizistenepen voll poetischer Gewalt, wie "Violent Cop" oder "Sonatine", beeindruckte er die Möchtegern-Tarantinos in den Jugendradio-Redaktionen; als er dann plötzlich Filme wie "Dolls" oder "Kikujiros Sommer" (voll gewaltiger Poesie) drehte, waren mit einem Mal die Feuilleton-Roboter der klugen "Ich trage sie unterm Arm, damit sie jeder sieht"-Tageszeitungen geneigt, ihn als Künstler zu bezeichnen und in ihre elitären Kreise aufzunehmen.

Sowas darf man sich natürlich nicht gefallen lassen. Solche Leute machen einem ja den besten Ruf kaputt.

Also vollführt Takeshi (der Mann, den sie "Beat" nannten) neuerlich eine Kehrtwendung und wendet sich einem der beliebtesten japanischen Kinogenres zu: dem Samurai-Film. Und noch dazu gleich dem blinden Zatôichi, einem der traditionsreichsten Vertreter dieses Genres und seit den Sixties aus Filmen und TV-Serien bekannt. In den Händen unfähiger Regisseure - wie etwa Tintin Q. - könnte so etwas schiefgehen und zu postmodernem Zitatendreck verkommen. Aber Kitano weiß, wie man eine Legende zu neuem Leben erweckt. Deswegen spielt er auch gleich die Hauptrolle, weil er sich selbst sowieso die besten Regieanweisungen geben kann.

 

Als blinder Wandersmann Zatôichi zieht er im 19. Jahrhundert durch ein Japan, dessen feudale Strukturen zerfallen, was dazu führt, daß immer mehr Banditen und Ronin (herrenlose Samurai) das Land unsicher machen. Doch der Typ mit den stets geschlossenen Augen, der sich sein Geld als Masseur und erstaunlich guter Spieler verdient, ist keineswegs hilflos: In seinem Gehstock trägt er ein Schwert spazieren, das schnell gezogen ist und mit dem er alles niedermetzelt, was sich ihm in den Weg stellt.

Irgendwann auf seinen Reisen beschließt er, sich in einem Bergdorf niederzulassen, das von rivalisierenden Verbrecherbanden regiert und tyrannisiert wird (wozu noch die kleine Rachegeschichte eines Geschwisterpaars kommt, die die ganze Sache noch blutiger macht).

Die Dorfbewohner verhalten sich wie alle ihres Schlages seit "High Noon": ruhig. Also muß wohl Zatôichi für die Rechte dieser armen Menschen eintreten und die Unterdrückung beenden. Und das tut er auch - wobei man als Zuseher nie das Gefühl kriegt, daß ihm wirklich etwas an hehren Idealen liegt. Der Mann will einfach nur seinen Spaß haben, Falschspieler niedermetzeln, es den "bullies" heimzahlen, die sich gern an Schwächeren vergreifen, und beweisen, daß es nicht einmal der beste Schwertkämpfer der örtlichen Mafia mit ihm aufnehmen kann.

Womit wir wieder bei Takeshi Kitano wären. Auch der zeigt nämlich in jeder Sekunde seines neuen Films, daß er sich absolut nichts scheißt, sondern einfach tut, was er will. Das fängt schon damit an, daß sein blinder Samurai weißblond gefärbte Haare hat. Zudem hält er sich kaum mit Dialogen auf, sondern kichert lieber vor sich hin, weil er genau weiß, wie banal der uralte Plot ist. Wird ihm bei erklärenden Szenen zu langweilig, erinnert er sich hinter geschlossenen Augen und in unwahrscheinlich ästhetisch gefilmten Rückblenden daran, wie er ganze Räubersbanden im Regen niedermetzelte. Vermutet einer seiner Gegner, daß er vielleicht doch keinem Blinden gegenübersteht, so hat er für den (und das Publikum) eine witzig-böse Überraschung parat. Und weil er immer schon ein Broadway-Musical drehen wollte, hängt er ans Happy-End seines Filmes noch eine Massen-Steptanz- und Musikeinlage, die ihresgleichen in einem Streifen dieser Art vergebens sucht.

Nur Zatôichi/Kitano selbst tanzt da nicht mit. Der ist längst wieder unterwegs - auf der Suche nach neuen Idioten, denen er die Erwartungshaltungen austreiben kann.

Peter Hiess

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Zatôichi - Der blinde Samurai

ØØØØØ

(Zatôichi)


Japan 2003

115 Min.

Regie: Takeshi Kitano

Darsteller: Takeshi Kitano, Takenori Asano, Yui Natsukawa u. a.

 

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Dr. Trash empfiehlt: Freuen Sie sich darüber, daß die Ironie-Szene (Sie wissen schon, die mit den heiteren Bärtchen, strohdummen Hütchen und der schlurfigen Kleidung) Comics noch nicht wirklich für sich entdeckt hat. Vielleicht liegt’s ja daran, daß es dort weder Gestalten wie die Gebrüder Coen noch eine angeschwuchtelte Indie-Bewegung wie in der Popmusik gibt - sondern ein paar aufrechte Kämpfer, die die Tradition der Bildergeschichte hochhalten.  

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Drei Blunzen geben eine Pressekonferenz ... Nein. Okay, so: Treffen sich ein paar Sommerlöcher ... Auch nix. Na gut: Eine Frau kommt ins Wirtshaus und bestellt eine Portion Hirn mit Ei ... Wieder daneben. Es nützt nichts - manche Witze sind so schlecht, daß man sie einfach nicht erzählen sollte. Außer in der Sauregurkenzeit und als feministische Parteisoldatin vielleicht.  

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