Musik_Orpheus und Macbeth an der Wien

Im Garten der Lüste

Giuseppe Verdis Vertonung der Shakespeare-Tragödie ist die bislang dritte und dafür allerbeste Regiearbeit des Theater-Hausherrn Roland Geyer - postuliert EVOLVER-Klassikexperte Herbert Hiess.    14.12.2016

Mit teils bedrückenden Bildern visualisierte Roland Geyer den tragischen Stoff um ein Herrscher-Ehepaar. Am Tag vor der besuchten Dernière gab es ein eher belangloses Barock-Konzert, das hier nur der Ordnung halber erwähnt sei.

Erinnert man sich an das hervorragende Konzert mit Anna Prohaska am selben Ort, so merkt man erst die gravierenden Unterschiede. Man hätte mit wirklich hervorragenden Solisten und einem ebensolchen Ensemble ein wunderbares Konzert präsentieren können; die Thematik "Orpheus" lädt hier geradezu ein. Hat man aber (wahrscheinlich eben an diesem Abend) eher nur bläßliche Solistinnen und ein zeitweise unsauber spielendes Ensemble zur Verfügung, dann kann man die Qualen des Orpheus zumindest akustisch nachvollziehen - auch wenn das sicher nicht in der Absicht der Künstler stand.

Der EVOLVER-Klassikexperte konnte dafür die letzte Vorstellung der Verdi-Oper "Macbeth" im Theater an der Wien besuchen und erlebte eine veritable Sternstunde. Das Opernhaus führte das Werk in den Fassungen 1865 und 1865/1847 auf, wobei die Fassung 1865 die üblicherweise gespielte ist. Da aber die Mischfassung mit dem alternativen Finale jene Serie war, in der Placido Domingo sich dieser Rolle annahm, verweigerte der Rezensent den Besuch dieser Serie, da er Domingo so in Erinnerung behalten will, wie er am besten war - als einzigartigen Tenor.

 

Die Regie Roland Geyers ist seine dritte im Hause. Nach einem verunglückten "Hoffmann" und einem exzellenten "Hans Heiling" konnte er sich mit der aktuellen Produktion in die Riege der Meisterregisseure hinaufarbeiten. Jede Szene saß perfekt, die Personenführung war beeindruckend und die Hexenszene im dritten Akt ehrfurchtgebietend. Mit animierten Bildausschnitten aus "Die sieben Todsünden" und "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch wurden die Albträume Macbeths und die Weissagungen der Hexen auf brutalste Weise vorgezeigt.

Musikalisch war der Abend absolut gelungen! Bertrand de Billy leitete souverän die Wiener Symphoniker, der Chor war brillant und das schottische Herrscherpaar auf Weltklasseniveau. Roberto Frontali glänzte mit seinem sonoren Bariton, und die Farbige Adina Aaron kann man aus heutiger Sicht als eine der weltbesten "Ladys" bezeichnen. Sie verlieh der Rolle mit ihrer Intensität jede musikalische und darstellerische Finesse; stimmlich reicht sie locker an Shirley Verrett heran. Mit dem Slowaken Stefan Kocan hat man nach einer langen Durststrecke endlich wieder einen sogenannten "schwarzen Baß" entdeckt - seinen Namen muß man sich unbedingt merken.

Auf alle Fälle darf diese Serie der Verdi-Oper als denkwürdig gelten. War schon die letzte Saison für Geyer ein Triumph, so konnte er mit dieser Aufführung einen Doppelerfolg - sowohl als Regisseur als auch als Direktor - erzielen.

Herbert Hiess

Orpheus

ØØ 1/2

Orchesterkonzert

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Konzert mit Werken von Gluck, Porpora,  Johann Adolph Hasse u. a.

 

Solisten: Suhae Im, Vivica Genaux

 

Cappella Gabetta/Andrès Gabetta

 

Orchesterkonzert am 23. November 2016 im Theater an der Wien

Links:

Giuseppe Verdi - Macbeth

ØØØØØ

Oper in vier Akten

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Regie: Roland Geyer

 

Solisten: Roberto Frontali (Placido Domingo) , Adina Aaron (Davinia Rodriguez), Stefan Kocan, Arturo Chacón-Cruz u. a.

 

Arnold Schoenberg Chor

 

Wiener Symphoniker/Bertrand de Billy

 

Theater an der Wien

 

Premiere: 11.  und 13. November 2016

Reprisen: 15., 17., 20., 22. und 24. November 2016

 

Photos: Herwig Prammer

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