Literatur_Print-Tips 5/2009

Durch Raum und Zeit

Ob Laser-bestückte Superroboter, silberne Kugeln oder einfach nur ein paar wuchtige Schwerthiebe: Wir liefern Ihnen genau das passende Lesefutter für das Neue Mitteleuropäische Monsunklima ...    22.07.2009

Jürgen Fichtinger

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Austin Grossman - Dr. Impossible schlägt zurück

ØØØ 1/2

("Soon I Will Be Invincible"; Knaur)

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Es war ein weiter Weg vom ersten Auftritt des Mannes aus Stahl über das goldene Zeitalter der "Comic-Heftln" (wie man früher dazu sagte) bis zum sukzessiven Verfall in die Bedeutungslosigkeit - und dann kamen Frank Millers großartiger "The Dark Knight Returns" und Alan Moores "Watchmen" und rissen ein ganzes Genre wieder aus dem Sumpf. Mittlerweile weiß man, was eine graphic novel ist, und viele Comic-Helden mit oder ohne Strumpfhosen sind dank ihrer Einschlagskraft an den Kinokassen im Bewußtsein der Allgemeinheit gelandet.

Es war ein weiter Weg, bis endlich auch im deutschsprachigen Raum originäre Superheldenromane ihren Einstand feierten. Während man hierzulande noch immer auf John Ridleys "Those Who Walk in Darkness"-Zweiteiler oder eine anständige Neuauflage von George R. R. Martins "Wild Cards"-Saga wartet, hat es Austin Grossmans "Soon I Will Be Invincible" in unsere Buchhandlungen geschafft. Die Geschichte rund um den Evil-genius-Superschurken, der wieder einmal die Welt erobern will, seine verschwundene Nemesis und die jungen Cyborg-Frau Fatale, die plötzlich ihren Traum lebt und Teil des berühmtesten Superhelden-Teams wird, ist ein Vergnügen für Kenner der Materie. Daß die Story selbst dabei keinerlei Überraschung bietet, ist nicht weiter schlimm - schließlich sprühen Grossmans Figuren nur so vor Charme, wenn er sie und das Genre in feinster tongue in cheek-Manier auf die Schaufel nimmt.

Links:

Brett Matthews, John Cassaday u. a. - The Lone Ranger

ØØØØ

(Cross Cult)

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Ein Mann muß tun, was er tun muß - und das mußte er vor allem schon im mystifizierten Wilden Westen. Pulp-Held Zorro legte bereits 1919 seine schwarze Maske an, um mit spanischen Edelleuten die Klingen zu kreuzen und die Armen zu beschützen; der Lone Ranger feierte seinen Einstand als Hauptfigur einer Radiohörspielserie erst 1933. In mehr als 3000 Episoden ritt der ehemalige Texas-Ranger durch Radio, Kino-Serials, Comics sowie eine TV-Serie und sorgte mit Silberkugeln und seinem Indianer-Sidekick Tonto für Gerechtigkeit.

Cross Cult hat jetzt den ersten Band der 2006 gestarteten Comic-Reihe veröffentlicht, die die Herkunft der Figur - übrigens teuflisch gut - neu erzählt. Besonderes Lob gebührt den Verantwortlichen darüber hinaus wieder einmal für den Begleitartikel: "Wer war der maskierte Mann?" versorgt den Leser mit den popkulturellen Fakten rund um Fran Strikers Westernhelden. Wir sind jedenfalls schon gespannt, wie es weitergeht. In diesem Sinne: "Hi-yo Silver, away!"

Links:

Rebecca Levene - Anno Mortis (Tomes of the Dead)

ØØØØ

(Abaddon Books)

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Ob als Noir-Krimi verpackt oder auf spanischen Piratenschiffen zur Zeit der Freibeuter angesiedelt - die britische "Tomes of the Dead"-Reihe aus dem Hause Abaddon Books bleibt durch die Body-Bank lesenswert. Rebecca Levenes "Anno Mortis" entführt den Leser ins antike Rom, genauer gesagt, an den Hof des berühmt-berüchtigten Caligula. Dort verbünden sich eine nordische Gladiatorin, ein nichtsnutziger Patrizier, ein drangsalierter Sklave und ein zwielichtiger Reisender miteinander. Ihr gemeinsames Ziel ist es, dem ägyptischen Isis-Kult Einhalt zu gebieten, bevor dessen Jünger das Tor in die Totenwelt öffnen und die Straßen Roms zu einer einzigen Arena werden. Die Chancen der Menschheit, gegen hungrige Zombies zu bestehen, sind ohnehin schon gering, und Caligulas Irrsinn macht das Unterfangen nicht gerade einfacher ...

Wie auch in den anderen Vertretern der Reihe sind die schlurfenden Kadaver in Levenes Geschichte eher schmückendes Beiwerk, um das erfrischende Abenteuer des ungleichen Quartetts inmitten der römischen Klassengesellschaft mit einer ordentlichen Prise Leichengas zu würzen. Doch wenn sich in "Anno Mortis" Myriaden von Skarabäen in die Lüfte erheben, um totes Fleisch jedweder Spezies zu beleben, die Barbarin Boda dem Lebensbaum Yggdrasil gegenübersteht oder der Gottkaiser seine Feste gibt, wünscht man sich das nicht nur zu lesen, sondern auch irgendwann auf der Leinwand zu sehen. Gescheiter als eine weitere "The Mummy"-Fortsetzung wäre es bestimmt.

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