Stories_Ein Quantum Trost

Der Name ist Bourne, äh, Bond

Im neuen Abenteuer der Doppelnull spielt´s Granada - und Daniel Craig ist seines Lebens nicht mehr sicher. Doch obwohl die Kinokassen klingeln, droht Bond erstmals inmitten des Spektakels unterzugehen. "Kein Trost für Bond-Fans", sagt Martin Compart und liefert eine ganz private Stellungnahme.    14.11.2008

Klar, ich gehörte auch zu den intoleranten Gralshütern, die Daniel Craig die Hölle heißmachten, bevor ich mich nach "Casino Royale" kleinlaut aus dem Kino schleichen sah.

"Casino Royale" war top! Der beste Bond seit "The Living Daylights" und "On Her Majesty´s Secret Service". Eine Rückkehr zum Original-Fleming-007 bedeutet ja schließlich immer einen Schritt in die richtige Richtung. (Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Bond-TV-Serie, die in chronologischer Reihenfolge die Romane werkgetreu adaptiert.) Craig führte Bond in die Tradition zurück, in der er steht: die des Byronschen Helden. Alles Angestaubte und Langweilende hatte man abgeschüttelt. Der katastrophale letzte Brosnan-Film war fast verziehen.

Umso größer war die Erwartung gegenüber Craigs zweitem Auftritt. Und um es gleich vorweg zu sagen: Das hat Craig nicht verdient!

Zuerst das Positive: Bei "Quantum of Solace" ist es das erste Mal, daß ein Film als direkte Fortsetzung (findet man auch in einigen Romanen) konzipiert wurde. Die Stimmung ist oft düsterer als im Vorgänger, die Stunts sind erstklassig, und genauso erstklassig ist Daniel Craig. Leider war´s das auch schon. "Quantum of Solace" ist bestenfalls als mißlungene Fußnote zu "Casino Royale" zu sehen. Warum?

 

1. Die ätzendste Bond-Musik seit langem. (Ich bin kein großer White-Stripes-Fan, was vielleicht mildernde Umstände ermöglicht.)

2. Ein glubschäugiger Franzose als Chef-Bösewicht. Der Junge ist so harmlos und unbedarft, der würde an keinem Türsteher einer Provinz-Disco vorbei kommen. Ihm traut man vielleicht noch zu, als Inhaber einer Lottobude Lotteriescheine zu fälschen (und aufzufliegen). Und ganz übel: Sein qualvolles Ende wird lediglich behauptet und nicht gezeigt.

3. Das aktuelle Bond-Girl (mit dem 007 verständlicherweise nicht ins Bett geht) hat das Charisma eines H&M-Models. Das Beste, was man über ihre Attraktivität sagen kann, ist, daß sie hübscher und weniger dämlich wirkt als Sumpfhühner wie Claudia Schiffer oder Heidi Klump (verzeiht mir, ihr Hühner, die ihr in fernen Sümpfen euer Leben fristet).

4. So etwas wie Regie beschränkt sich wohl auf das Second-Unit-Team, das den bei Bond üblichen großartigen Job macht. Da tönen Produzenten und der Witzregisseur rum, daß kein Bond zuvor so viele Außenaufnahmen hatte. Na toll, dasselbe Dritte-Welt-Dorf mußte für Haiti und Bolivien herhalten. Da kam soviel Atmosphäre rüber wie bei einem Mallorcaurlaub-Diaabend in der Marktschenke. Und dann stellen sich Broccoli und Wilson auch noch hin und jammern, daß dieser Marc Forster leider keinen weiteren Bond drehen wird.

 

Wahrscheinlich haben sie sich beim Rohschnitt die Haare gerauft. Der kürzeste Bond aller Zeiten? Klar, um zu retten, was zu retten ging, hat man wohl das ganze Ding so lange runtergekürzt, bis fast nur noch die Action-Szenen übriggeblieben sind. Bei der dünnen, stets vorhersehbaren Handlung ist das sicherlich das geringste Problem.

5. Hundert Stuntmen und kein Drehbuchautor in Sicht. Paul Haggis hat die Produzenten offensichtlich hängengelassen. Der dank "Casino Royale" völlig überschätzte Haggis (das Beste, was er je geschrieben hat, war die TV-Serie "Due South - Ein Mountie in Chicago") hinterließ wohl nur eine Kladde voller Geistesblitze, aus der dann andere Autoren irgendwas basteln mußten.

Regisseur Forster wird ja nicht müde zu erzählen, daß er oft den Drehtag ohne Drehbuch begann und sich erst einmal mit Daniel Craig besprochen hat. Vielleicht hat Craig Schlimmeres verhindert, aber mehr auch nicht.

Fazit: Abhaken, ganz schnell vergessen und hoffen, daß Craig mit seinem dritten Bond wieder mehr Glück hat. Die Richtung stimmt jedenfalls weiterhin: Bei Fleming ist Bond düster und humorlos (aber sarkastisch). So soll es vorerst auch bleiben.

Martin Compart

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James Bond 007 - Ein Quantum Trost

(James Bond - Quantum of Solace)

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GB/USA 2008

106 Min.

Regie: Marc Forster

Darsteller: Daniel Craig, Mathieu Almaric, Olga Kurylenko u. a.

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Andreas Winterer - 16.11.2008 : 18.50
Kann dem nur zustimmen: auf den Punkt gebracht.