Stories_Rokko´s Adventures im EVOLVER #44

Die Paranoia-Chroniken, Teil 6

Er galt als libertärer Denker, brillanter Raketenantriebsforscher und waghalsiger Okkultist. Genre-Größen wie Philip K. Dick oder Alan Moore verarbeiteten Fakten über ihn in ihren Werken. Daniel Krcal wollte es genauer wissen - und berichtet von Jack Parsons und seinen dämonischen UFOs der Endzeit.    18.02.2013

Rokko´s Adventures ist - so steht es im Impressum - eine "unabhängige, überparteiliche sowie übermenschliche Publikation" und "setzt sich mit Leben, Kunst, Musik und Literatur auseinander". Der EVOLVER präsentiert (mit freundlicher Genehmigung) in regelmäßigen Abständen ausgewählte Beiträge.

 

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Ende des 19. Jahrhunderts hatte Charles Taze Russel, Mitbegründer der Zeugen Jehovas, eine Vision: Am 2. Oktober 1914 sollten der Antichrist und die Große Hure Babylon geboren werden und das Ende der Welt einläuten. Und tatsächlich erblickte an jenem verheißungsvollen Tag ein Mann das Licht der Welt, der in seinem Wesen und Wirken den prophezeiten Kriterien entsprach - Jack Parsons. Der Mann, ohne den die NASA wohl nie den Sprung in den Weltraum geschafft hätte und nach dem ein Krater auf dem Mond, wohlgemerkt auf dessen dunkler Seite, benannt ist. Abseits seines Berufslebens einer der wichtigsten Vertreter Aleister Crowleys in Amerika, wollte er in einem Höllenritt von einem Ritual der Welt einen antichristlichen Messias bescheren. Bis heute beschäftigt er Verschwörungstheoretiker aller Lager; sogar die US-Regierung soll eine Untersuchungsgruppe unterhalten haben, die Parsons´ Umtrieben und einem diesbezüglichen Zusammenhang mit dem UFO-Phänomen nachging.

 

Jack Parsons hieß eigentlich Marvel Whiteside Parsons. Den verschiedenen Leben, die er nebeneinander lebte, hatte er jedoch verschiedene Vornamen zugeordnet: Als John Whiteside war er libertärer Denker, als John brillanter Raketenantriebsforscher und als Jack waghalsiger Okkultist. Schwer zu sagen, welchen Namen er in einer posthumen Beschreibung seiner selbst am liebsten gelesen hätte, der thematischen Hauptzielsetzung dieses Artikels folgend bleiben wir bei Jack.

Jack Parsons wurde in Los Angeles in ein relativ wohlhabendes Haus hineingeboren. Schon bald nach seiner Geburt betrog der Vater die Mutter, die sich, was für die damalige Zeit eher mutig und außergewöhnlich war, ohne Wenn und Aber scheiden ließ. Des Mannes entledigt, pflegte Ruth Parsons von nun an eine sehr innige Beziehung zum Sohn, dem sie nebenbei eine gehörige Dosis Vaterhaß einimpfte. Parsons sagte von sich selbst, er hätte "einen klassischen Ödipuskomplex und eine zwanghafte Antipathie gegen das Patriarchat" - wohl eines der Hauptmotive für seine Aversion gegen eine väterliche Gottesfigur, wenn er auch zeitlebens eine väterliche Zuneigung zu den ihm wichtigen Männern empfand. Seine Kindheit beschrieb Parsons als "Isolation", in der er "den notwendigen Hintergrund von Belesenheit und Gelehrtheit" erwarb, um einen gepflegten Haß auf sozialen Gruppenzwang und das Christentum zu entwickeln. Mit bereits 13 Jahren will er erfolgreich Satan angerufen haben.

 

Das Selbstmordkommando

 

Während der achten Schulstufe entwickelte Parsons eine innige Freundschaft zu Edward S. Forman; endlich jemand, mit dem er seine außenseiterische Vorliebe für Science Fiction und Feuerwerkskörper teilen konnte. Die beiden experimentierten fleißig mit Schwarzpulver und bauten schon bald erste kleine feststoffbetriebene Raketen, wobei sie schon damals Ideen entwickelten, die ihnen später maßgeblich bei ihren Durchbrüchen in der Raketenantriebstechnik zugute kamen. Umtriebig und ehrgeizig erwarb sich Parsons ein immer größeres Wissen im Bereich der Explosiva und besuchte zu Studienzwecken Industriestätten, in denen Explosionen stattgefunden hatten. Nebenbei suchten er und Forman offensiv den Kontakt zu den Großen der Raketenforschung, korrespondierten etwa mit Robert Goddard - Parsons späterem, in Roswell laborierendem Konkurrenten - und dem Deutschen Willy Ley, der wohl als erster die Welt mit den okkulten Wurzeln der Nazis konfrontierte. Die Entdeckung des Werks des Österreichers Eugen Sänger, der schon in den 1930ern an der Verwirklichung eines Raumflugzeugs - im Bewußtsein der amerikanischen Bevölkerung noch zu Parsons Anfangszeiten obskure Phantasie - arbeitete, war für Parsons und Forman ein Initialerlebnis. Ebenso die Nutzungsgenehmigung für das Labor des potenten GALCIT-Instituts, dessen Leiter der Ungar Theodore von Kármán war, ein direkter Nachkomme des Prager Rabbi Löw, der den sagenumwobenen Golem erschaffen haben soll.

Wegen seiner Undiszipliniertheit erlangte Parsons zwar keinen Abschluß, nannte sich aber trotzdem Chemiker und Ingenieur und schlug als grenzgenialer Autodidakt eine Paradekarriere ein - allerspätestens, als Frank Malina zu Parsons und Forman stieß. Die drei nannten sich fortan "die Gruppe", hatten aber ob ihrer hochexplosiven und unorthodoxen Arbeitsweise den Spitznamen "das Selbstmordkommando". Ihre Erfolgsgeschichte mündete in der Gründung des Jet Propulsion Laboratory (JPL) und der Aerojet Corporation, beides bis heute bestehende Schlüsselbetriebe der amerikanischen Raumfahrtindustrie. Parsons herausragende Rolle dabei war die Entwicklung sowohl flüssiger als auch (und vor allem) fester Raketenantriebe, ohne die der Flug in den Weltraum eine Unmöglichkeit geblieben wäre. Auch seine revolutionären JATO-Flugzeugantriebe kommen noch heute bei schwierigen Startbedingungen zum Einsatz. Nach von Kármán war Parsons die drittwichtigste Person in der Entwicklung des Raketenwesens.

 

Frater 210

 

Ende 1939 stieß Parsons in der Büchersammlung eines befreundeten Kollegen auf ein Buch, das ihn sofort in seinen Bann zog, da es viele Antworten auf seinen exzentrischen Wissensdurst anzubieten hatte: Aleister Crowleys "Konx Om Pax". Nur kurze Zeit später stand er in regem Briefkontakt mit dem ominösen Autor (was auch so bleiben sollte; Parsons und Crowley sahen einander nie persönlich) und war samt seiner erste Ehefrau Helen eifrig-begeisterter Teilnehmer an den Gnostischen Messen des O.T.O. (Ordo Templis Orientis). Februar 1941 traten dann beide dem A∴A∴-Orden und dem Los-Angeles-Ableger der Agape-Loge bei. Von nun an begleitete Parsons noch ein Name: Frater T.O.P.A.N., auch als "to Pan" (Parsons war dafür bekannt, allerorts Crowleys "Hymne an Pan" zu rezitieren und vor jedem Raketenstart Pan zu invozieren), "Thelema Obtentum Procedero Amoris Nuptiae" oder die kabbalistisch errechnete und von Crowley geheiligte Zahl 210 - und insofern als Frater 210 - zu lesen. Bei seinen neugewonnenen Glaubensbrüdern und -schwestern vermochte er von Anfang an ordentlich Eindruck zu schinden. Die Schauspielerin Jane Wolf in etwa sah in ihm den in Crowleys "Liber AL vel Legis" prophezeiten Auserwählten, und Wilfred T. Smith, Leiter der Agape-Loge, schrieb an Crowley, er habe "endlich einen exzellenten Mann", der einen "viel besseren Verstand" als er selbst hätte. Crowley hingegen beurteilte Parsons trotz aller Bewunderung zwiespältig: "Jacks Problem ist seine Weichheit und seine romantische Seite [...]. Er bekommt einen Anreiz aus irgendwelchem Zeitschriftenmüll oder einem 'okkulten' Roman (wenn er nur wüßte, wie die zusammengebraut werden!) und schießt davon in wilder Jagd. Er muß lernen, daß das Prickeln des Champagners auf guten Wein gegründet ist; Kohlensäure in Urin zu pumpen, ist nicht dieselbe Sache."

Crowley bezieht sich auf Parsons Leidenschaft für Science Fiction, deren zwischen Wissenschaft und Phantasie angesiedelten Welten für ihn, der er selbst zwischen Logik und Magick hin- und herpendelte, Inspirationsquelle und Vexierspiegel zugleich waren. Auch war er überzeugt, daß das Genre das Potential besaß, visionäres Gedankengut religiöser, politischer oder wissenschaftlicher Art unter die Leute zu bringen.

Parsons nahm regelmäßig an Treffen von Science-Fiction-Schriftstellern teil, unter ihnen auch Kapazunder wie Ray Bradbury oder von ihm favorisierte Autoren wie Jack Williamson. Letzterer hatte mit der neu-heidnisch angehauchten Werfwolfsgeschichte "Darker Than You Think" einen für Parsons nahezu synchronistischen Schlüsselroman geschrieben. Einer seiner bedeutendsten SF-Freunde war wohl, wenn auch die Faktizität und die genauen Umstände dieser Freundschaft geheimnisumwittert sind, Robert A. Heinlein. Der gegenkulturelle Grundgedanke dessen Romans "Fremder in einer fremden Welt" soll Parsons geschuldet sein. In "Waldo" wiederum skizziert Heinlein Magick als wissenschaftlich toleriert und technisch genutzt.

Als ein in diesem Zusammenhang spannender Roman erweist sich "Rocket to the Morgue", von William A. H. White unter seinem Krimi-Pseudonym H. H. Holmes verfaßt. In einer halbfiktiven Geschichte finden sich unter fiktiven Namen die lesenswerten Beschreibung von Parsons, Forman, Heinlein und Lafayette Ron Hubbard. Parsons lernte den späteren, damals noch Romane schreibenden und eloquent über seine vermeintlichen Marines-Heldentaten fabulierenden Scientology-Begründer durch den bekannten SF-Illustrator Lou Goldstone kennen und mochte ihn auf Anhieb - so sehr, daß er im Verlauf der weiteren Geschichte ihm gegenüber viel zu lange viel zu gutmütig blieb.

 

Das Pfarrhaus

 

Juni 1942 bezogen die Parsons und mit ihnen die Agape-Loge die mehr als geräumige Villa des verstorbenen Holzbarons und Philanthropen Arthur Fleming. Das Anwesen trug die Beinamen "The Parsonage" und "Pfarrhaus". In der okkult ausgerichteten Bibliothek des Hauses thronte ein signiertes Porträt Crowleys, im Wohnzimmer dröhnte lautstark klassische Musik, und Parsons Schlafzimmer wurde als Tempel genutzt. Den Nachbarn war das obskure Treiben des neuen Mieters ein Dorn im Auge. So tanzten im großflächigen Gartengelände transparent bekleidete Frauen herum, und jede Menge dubios wirkender Gestalten gingen ein und aus. Außerdem hatte Parsons stets Untermieter - und anhand der in den lokalen Zeitungen aufgegebenen Inserate konnte man sich ausmalen, welche Art von Untermieter das waren: ausschließlich "Bohemiens, Künstler, Musiker, Atheisten, Anarchisten oder andere exotische Typen". Immer wieder mußte die Polizei wegen behaupteter Sexorgien und Schwarzer Messen auf dem Anwesen ermitteln; nicht zuletzt auch, weil einmal ein Sechzehnjähriger behauptete, bei einem Ritual auf Parsons Gelände vergewaltigt worden zu sein. Auch gab es einmal eine anonyme Anzeige von einem Exmitglied der Loge. Da Parsons Ruf als verdienter Wissenschaftler aber einfach zu gut war, wurden die Ermittlungen stets rasch wieder eingestellt.  

Das Geld, das Parsons aus seinem beruflichen Erfolg schöpfte, floß über den deutschen Mittelsmann Karl Germer zu einem großen Teil zu Crowley, was ihn zu dessen wichtigster Geldquelle machte. Germer, der nach Crowleys Tod dessen Nachfolger als Vorstand des O.T.O. werden sollte, wurde als deutscher Vertreter des O.T.O. wegen Freimaurertums von den Nazis in ein Konzentrationslager gesperrt, kam aber durch diplomatischen Einsatz wieder frei und in die USA. Von dort aus begann er Smith bei Crowley wiederholt anzuschwärzen, bis dieser den Agape-Leiter in einem Akt schelmischer Boshaftigkeit zu einem gottgleichen Wesen erklärte und in den neutralisierenden Kontemplationsgulag (in Worten des Meisters: "die Große Magische Zurückgezogenheit") schickte. Eine der - in Anbetracht von Crowleys Lebensweise lächerliche - Hauptanklagen Germers: Smith mißbrauche die Loge für sein Schürzenjägertum und habe obendrein gerade zusammen mit seiner Geliebten, Parsons´ Frau nämlich, ein Kind bekommen, wodurch ihm keine Zeit mehr für die Logenführung bliebe.

Parsons ließ sich von Helen scheiden und begann eine Beziehung mit ihrer jüngeren Schwester Betty, die auch seine Partnerin bei den Gnostischen Messen wurde. Und er übernahm die Führung der Loge.

Trotz dieses Karriereschritts wuchs aber seine Unzufriedenheit mit den O.T.O.-Strukturen und Crowleys willkürlicher Personalpolitik, durch die er sich in seiner Hoffnung auf noch höhere Ämter weniger verdienten Mitgliedern gegenüber benachteiligt sah. Immerhin war er aus Ablehnung herrschaftlicher Strukturen in Crowleys Orden eingetreten und mußte nun erfahren, daß es dort auf anderer Ebene mindestens genauso herrschaftlich zuging wie in der nichtthelemitischen Welt, wogegen sein anarchisches Wesen rebellierte.

Auch bei seinen Vorstellungen von Magick und Thelema folgte Parsons immer stärker individuellen Vorstellungen, wenn auch der Kontakt zum thelemitischen Vater Crowley, in dessen System er seine Ideen stets einbettete, nie abriß.

1945 schrieb Jane Wolf einen Brief an Germer, in dem sie anmerkte, daß etwas Seltsames mit Parsons vorgehe, daß dieser eigentlich schon immer irgendwelche Elementarkräfte beschwören wollte, egal wie, und daß er nun angeblich so ein "Elemental" hätte. Zeugen berichteten, daß es im Haus nur so polterte und spukte. Laut Helen begann Jack Parsons zu jener Zeit auch massiv Drogen zu konsumieren und wählte, während sie den Weg der weißen Magie ging, den dunklen Pfad.

 

Babylon, Mutter aller Abscheulichkeiten

 

Als Begleiter für diesen Pfad wählte Parsons L. Ron Hubbard - und das, obwohl ihm dieser schon recht bald Betty ausspannen sollte. Parsons war zwar ein passionierter Fremdgeher und ermutigte Betty stets, es ihm gleichzutun, was sie auch tat und er eifersuchtslos hinnahm. Als sie jedoch auffällig oft mit Hubbard schlief und letztendlich an seiner Seite landete, fand er sich plötzlich in einem Strudel qualvoller Eifersucht wieder. Es war eine neue Erfahrung und Herausforderung seiner libertinen Grundeinstellung, der er sich in einem einsamen, nächtlichen Ritual stellte und die er auch auf diesem magisch-psychodynamischen Weg überwand. Er brauchte und wollte Hubbard, denn der war für ihn, wie er Crowley schrieb, "die thelemitischste Person", die er je getroffen habe - und so redete er sich auch ein, er hätte in Hubbard "einen treuen Kameraden und Begleiter" für seine weiteren Pläne.

Einer der Pläne bestand in einer hochgradig komplexen magischen Operation, der Evokation der im Henochischen zehnten Aethyr verweilenden "Mutter aller Abscheulichkeiten", der Heiligen Hure Babylon, der gnostischen Sophia und thelemitischen Göttin Babalon. Parsons und Hubbard wurden somit, mehr als Parsons im Nachhinein lieb sein sollte, eine Neuausgabe des legendären Magiers und Universalgelehrten John Dee und seines alchemistischen Kompagnons Edward Kelley. In beiden Fällen: einmal ein zwischen Wissenschaft und Magie Zerrissener und einmal ein hochbegabtes Schlitzohr.

Parsons Babalon-Arbeit kann im Folgenden nur allerkürzest und streng anekdotisch wiedergegeben werden. Fast annähernd das ganze Ritual wurde aber, nach einer strikten Anweisung Crowleys, akribisch mitgeschrieben, woraus auch einige Bücher und Gedichtbände hervorgingen.

Zunächst zum Henochischen: John Dee, vor allem bekannt als Hofastrologe von Elisabeth I., hatte die Henochische Sprache vom Engelswesen channelnden Edward Kelley diktiert bekommen. Damit war erstmalig die Sprache der Engel, in der sie auch mit Gott kommunizieren, samt Grammatik, Wortschatz und Alphabet niedergeschrieben worden. Sie gilt als unglaublich machtvoll und effektiv. Dank des Hermetischen Ordens der Goldenen Dämmerung benutzt man das Henochische System seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch als magisches Instrumentarium. Es gibt, ganz grob gesagt, die vier Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer, denen auf einem magischen Tisch Elementartafeln zugeordnet werden, den Tafeln zugeordnete Henochische Rufe und 30 zu bereisende Aethyre. Das sind auch die Eckpunkte von Parsons durch allerlei O.T.O.-Praktiken, Sexarbeit und Drogen aufgepäppelter magischer Reise.

Der erste Teil des Rituals geht von. 4. bis 15. Januar 1946 über die Bühne. Parsons ist der "Stab" schwingende Magier, Hubbard das empfangende Medium und stellenweise Schreiber. Interessant ist, daß das henochische Wort HUBARD "lebende Lampe" bedeutet, denn am 10. Januar wecken Parsons zu Mitternacht Klopfgeräusche und er entdeckt am Boden eine zerbrochene Lampe, womöglich ein Menetekel fehlgeleiteter Energien. Am vorletzten Tag der Beschwörung fällt das Licht aus, an der Decke erscheint ein braunes Licht, das Parsons mit dem magischen Schwert bannt. Hubbards Arm ist gelähmt, am nächsten Tag erscheint ihm in einer Astralvision ein alter, ihm unbekannter Feind Parsons. Später poltert es wieder, und eine metallisch summende Stimme ruft: "Laß mich frei!"

Nach getaner Arbeit ist Parsons eher enttäuscht und ratlos, entspannt sich aber bei einem anschließenden Trip in die Mojave-Wüste und verkündet: "Es ist getan."

 

Scarlet Woman We Call The Whore

 

Als er aus der Wüste zurückkommt, haben die Loge ein neues Mitglied und der sofort um den Finger gewickelte Parsons endlich und endgültig sein Elemental gefunden - die Schauspielerin Marjorie Cameron. Sie bringt Parsons zum Schwärmen: "Luft des Feuers-Typus (ein Verweis auf das henochische System und auf Tarot, Anm.) mit bronzerotem Haar, feurig und subtil, entschlossen und starrköpfig, ehrlich und pervers, von außergewöhnlicher Persönlichkeit, Talent und Intelligenz". Sie wird, obwohl sie zunächst nicht darüber unterrichtet wird, Teil des nächsten Babalon-Kapitels.

Die folgende Anrufung dauert zwei Wochen und charakterisiert sich hauptsächlich dadurch, daß Parsons und Cameron im Bett verweilen. In einem anschließenden solitären Masturbations-Ritus in der Mojave-Wüste überkommt Parsons der Geist einer nicht näher genannten Göttin, die ihm befiehlt, das Buch "Liber 49" niederzuschreiben. Nach geglückter Niederschrift scheint ihm klar zu sein, daß sich eine kryptische Erwähnung von neun Monaten auf die zu vollziehende Schaffung eines Mondkinds - nach Crowley die Inkarnation eines Gottwesens - bezieht, wobei er sich nicht ganz im klaren darüber ist, ob es sich um eine magische oder eine fleischliche Geburt handelt. Er entscheidet sich dann doch eher für die Ankunft eines erwachsenen Wesens, woraufhin die aus dem Bettritual als Schwangere hervorgegangene Cameron abtreiben läßt.

Die Arbeit geht nach den Anweisungen des "Liber 49" weiter. Zwischenzeitlich hat Hubbard die Vision einer "wilden und wunderschönen Frau, die nackt auf einem großen, katzenartigen Biest" reitet und eine dringende Botschaft zu übermitteln hat - was Parsons doppelt ernst nimmt, weil ihn das Bild an "Darker Than You Think" erinnert. Babalon tritt durch das Medium Hubbard in einen Dialog mit Parsons und gibt ihm Anweisungen für ein sechsteiliges Ritual. Henochische Lufttafeln werden verbrannt, Crowleys "Tannhäuser" dramaturgisiert, irgendeine fremde Macht entflammt das Dach des Gästehauses. Ein beim Meditieren störender Nachbar wird von Parsons verflucht und erkrankt noch am selben Tag. Auf einem mit Menstruationsblut beschmierten Laken fuchtelt Parsons mit seinem Zauberstab in und auf Cameron herum, während Hubbard inbrünstig "Umarme sie, bedecke sie mit Küssen. Denk an die unanständigsten und laszivsten Dinge, die du tun könntest. Alles ist gut für Babalon. Alles ... Ihr ist die Lust, dein ist die Leidenschaft. Bedenke, daß du das Biest vergewaltigst" intoniert.

 

Thunder Perfect Mind

 

Es ist fast schon rührend, mit welch naiver Gutgläubigkeit sich Parsons auf Hubbard einließ - denn schon während der Babalon-Arbeit bahnte sich Hubbards Hinterfotzigkeit auch auf geschäftlicher Ebene ihren Weg. Das Trio Betty, Jack und Ron hatte eine Firma für Schiffsüberstellungen und Wiederverkäufe gegründet, wobei Parsons mit seinem fast gesamten Vermögen, das von seinem Ausstieg bei JPL übriggeblieben war, den bei weitem größten Teil der Kosten übernahm. Hubbard und Betty gingen mit einem beachtlichen Teil des Geldes nach Florida und ließen nichts von sich hören. Parsons ließ sich eine Zeitlang beschwichtigen, fuhr den beiden aber dann doch hinterher. Als sie ihm vor Ort davonsegelten, kam es zum Showdown. Parsons rief wutentbrannt den Mars- und Sturmdämon Bartzabel an, und die Fliehenden gerieten in einen devastierenden Sturm, den sie nur mit Hilfe der Küstenwache unversehrt überstanden. Per Gerichtsbeschluß wurde dann die unglückselige ménage à trois für immer beendet und Parsons zumindest ein Teil seines Geldes rückerstattet.

Erst viel später sollte der bis dahin diesbezüglich geblendete Parsons eine schaudererregende Parallele zwischen ihm und John Dee entdecken: Nachdem Babalon durch Kelley einen, im übrigen stark an den frühchristlich-gnostischen Nag-Hammadi-Text "Brontê - Vollkommener Verstand" gemahnenden Monolog gesprochen hatte, nahm dieser Dees Geld und Frau und war auf und davon.

Enttäuscht ob des freundschaftlich-magischen Fiaskos widmete sich Parsons wieder stärker seiner technischen Karriere. Auch trat er aus dem O.T.O. - den er in seinem Rücktrittsgesuch an Crowley als "autokratische Organisation" bezeichnete - aus, ohne freilich jemals seinen grundsätzlichen Glauben an die in Crowleys "Liber OZ" proklamierten uneingeschränkten thelemitischen Menschenrechte zu verlieren. An den Crowley bereits nachgefolgten Germer sollte er später noch einen unterschwellig spöttelnden Brief schreiben, den er mit "Niemand. Einst genannt 210" zeichnete. Zwischenzeitlich verließ Cameron Parsons, kam zurück und heiratete ihn. Die beiden frönten nebenerwerblich der Nitroglyzerin-Dealerei und laborierten an dem gewaltigsten Sprengstoff, den die Welt je gesehen hatte. Beruflich ging es für Parsons auf und ab; neben diversen Jobs in der Luftfahrt mußte er sich auch als Tankwart verdingen. Auch geriet er einmal in den Verdacht der Spionage für Israel, wo ihm eine Anstellung im Bereich der Raketenentwicklung angeboten wurde, da er ungeschickterweise seine eigenen Projektunterlagen, die aber als geheim eingestuft waren, aus seiner Firma herausgeschmuggelt hatte. Von da an holte Parsons, dessen FBI-Akte ohnehin schon voll mit den Gerüchten rund um seine politische, religiöse und sexuelle Andersartigkeit war, seine Vergangenheit amtlich ein und er verlor seine berufliche Unbedenklichkeitsbescheinigung. Und jedes Mal, wenn persönliche oder berufliche Turbulenzen sein bürgerliches Leben durcheinanderwirbelten, gewann Magick wieder mehr an Bedeutung.

Babalon klopfte immer wieder an bei Parsons, drängte ihn zur magischen Arbeit, die er und sein Stab stets willig wieder aufnahmen. Er begann die Knochenarbeit einer exakten Kopie von John Dees Henochischer Tafel. Er unterzog sich einer vierzigtägigen Prüfung, in der er die Henochische Überquerung des Abyss vollzog - ein Ritt über intrinsische Abgründe und Höllen, ein Blick in den wahnsinnigsten Wahnsinn, an dessen Ende dem Probanden der Titel "Meister des Tempels" gebührt. Für Parsons war es jene Schwarze Pilgerschaft, die ihm Babalon im "Liber 49" vorausgesagt hatte.

Aber noch etwas anderes hatte Babalon prophezeit: Totenbleich hatte Hubbard am 2. 3. 1946 eine Botschaft gechannelt, daß Babalon sich vom Tod von Männern nähre und Parsons noch vor ihrer Inkarnation "lebendige Flamme" werden solle. Parsons selbst hatte in jenem Jahr geschrieben, daß er am Tag der Manifestation von Babalon sein Werk vollendet haben und "auf dem Atem des Vaters davongeblasen" werde.

Am 17. Juni 1952 um 17 Uhr 08 fand sich Parsons - wahrscheinlich, weil ihm Sprengstoff heruntergefallen war - mitten im Zentrum einer gigantischen Explosion. Nachbarn entdeckten ihn noch lebend und bei klarem Bewußtsein, jedoch mit einer vollkommen zerfetzten Hand und einem klaffenden Krater im Gesicht. Ungefähr eine halbe Stunde später verstarb Parsons im Spital. Die letzten Worte jenes Mannes, der sich als Antichrist sah, waren ganz im Gegensatz zu Christus´ "Es ist vollbracht": "Ich war nicht fertig."

Ruth Parsons konnte das Ableben ihres Sohnes nicht verkraften und nahm sich noch am selben Tag das Leben. Bei den nachfolgenden Untersuchungen sollte klar werden, wie innig ihre Beziehung zu Jack war. Es wurden Filmaufnahmen gefunden, die die beiden bei verschiedensten Sexualakten zeigten, zum Teil unter Beteiligung des Familienhunds.

 

Parsons´ Erbe

 

Ungeachtet dessen, ob Jack Parsons auf realer oder irgendeiner anderen Ebene ein magisches Kind in die Welt gesetzt hat - geprägt und verändert hat er sie auf jeden Fall. Wie genau und ob dann vielleicht nicht doch irgendwo ein Mondkind in die Welt kam, darüber scheiden sich die Geister.

Auf der Tatsache aufbauend, daß L. Ron Hubbard ziemlich genau neun Monate nach Beendigung der Babalon-Arbeit mit der Verwirklichung seiner Fantasy-Religion begann, besagt eine waghalsige Theorie, daß die Lehre der Scientology-Kirche das Mondkind repräsentiert. Verdächtig oder zumindest amüsant ist jedenfalls, wie Hubbard seine O.T.O.-Verstrickungen ins genaue Gegenteil verkehrt hat: In seiner nachträglichen Version hat er im Auftrag des FBI die schwarzmagische Szene Amerikas unterwandert und zu Fall gebracht.

Die Autoren Arthur Lyons und Israel Regardie sehen in Parsons den Geburtshelfer der Church of Satan und der Gegenbewegung der 1960er, die beide 13 Jahre (diese werden als Zeitraum des menschlichen Heranwachsens interpretiert) nach Parsons Ableben aufblühten.

Marjorie Cameron ist ein Bindeglied zu diesen beiden gesellschaftlichen Gegenentwürfen. Einerseits blieb sie dem Okkulten treu und behauptete, als Babalon auf Astralebene ein magisches Kind geboren zu haben; sie spielte in Kenneth Angers "Inauguration of the Pleasure Dome" die Scarlet Woman und Kali und meinte, daß die im Film vollzogenen Rituale Babalon zugute kamen. Andererseits lebte sie in einer nordamerikanischen Künstlerkolonie, war als Malerin Teil der Hippie-Kunstszene und spielte gar in einem Film an der Seite von Dennis Hopper.

Aber auch in einer anderen Angelegenheit ist Cameron Bindeglied: Seitdem sie mitten in der gewichtigen magischen Arbeit mit Parsons ein UFO gesichtet hatte, ließen sie diese nicht mehr los. Sie sah in UFOs eine "Wiederherstellung der Elemental-Kräfte", die Parsons anzurufen pflegte. In der Crowleyschen Magie müssen diese mittels einer großen Menge magischer Energie beschworen und mit Symbolen verbunden werden. Klassischerweise sind dies Fabelwesen oder bestimmte Tiere, eine neuzeitliche Entsprechung könnten aber durchaus auch UFOs sein. Der Autor Francis King behauptet, daß Parsons UFOs eine wesentliche Bedeutung bei der Verbreitung von Crowleys Lehre zubilligte.

Sogar der legendäre und streng rationale UFO-Forscher Jacques Vallée begab sich bei seiner Suche nach den Wurzeln des UFO-Phänomens auf die Fährte von Crowley und Parsons. In seinen Tagebuchaufzeichnungen "Forbidden Science, Volume 2" beschreibt er unter anderem seine Treffen mit Anton LaVey und dem O.T.O.-Kaliphen Grady McMurtry, diskutiert über Parallelen zwischen Crowleys lachgas-induzierten Astralreisen und Entführungen durch Außerirdische, über mögliche Zusammenhänge zwischen Parsons´ Zusammentreffen mit einem Venusier in der Mojave-Wüste und dem sieben Jahre später in Szene tretenden Kontaktler George Adamski oder aber über die engelsgleichen Venusianer, die der Theosophin Alice Bailey erschienen waren.

Robert Anton Wilson wiederum reflektierte mit Vallée, wie in "Cosmic Trigger" beschrieben, seine Reise zu spiritueller Erleuchtung, die ihn über das Studium Crowleys in ein Glaubenssystem führte, in dem er "telepathische Nachrichten von Wesen eines Planeten des Doppelgestirns Sirius empfing". Er konnte Vallées Hypothese, daß der "Bereich anderweltlicher Kommunikationen schon seit Jahrhunderten besteht" und "der außerirdische Gehalt zeitgenössischer Erfahrungen [...] lediglich eine Anpassung an die Vorstellungen des 20. Jahrhunderts" ist, sehr viel abgewinnen.

Der Verschwörungstheoretiker Richard Hoagland ist überzeugt, daß - einerseits durch freimaurerische Traditionen, andererseits aber spätestens, seitdem JPL an die NASA ging - das amerikanische Raumfahrtsprogramm okkulten Zwecken dient. Anhand eines sich auf pyramidale Winkelmaß-Mathematik beziehenden Systems glaubt er beweisen zu können, daß von den Startterminen bis zu den Landeplätzen altägyptische und crowleyanische Prinzipien zur Anwendung kommen. Die Mars-Sonde Pathfinder sei 1996 in Wirklichkeit auf einer von Crowley visionierten Stelle gelandet. Das Marsgebiet Cydonia sei überhaupt eine okkult verwinkelte Ansammlung bedeutungsschwangerer Bauten, darunter Pyramiden und das umstrittene Marsgesicht. Auf dem Mond wiederum will Hoagland tetraedische Elemente gefunden haben, die einer Vision Parsons´ entstammen. Eine interessante Haltung nimmt sein Hypothesenkonstrukt in Bezug auf den Nationalsozialismus ein. Da das okkulte Wissen, das eine bestimmte Elite nicht preisgeben wolle, mystischen Traditionen des Judentums entspringe, sei der Holocaust ein Feldzug gegen die Verbreitung dieser Geheimnisse gewesen. Hoagland findet es auch auffällig, wieviele Project-Paperclip-Nazis bei JPL gelandet seien - und geht davon aus, daß die rezenten Geheimgesellschaften von diesen und deren Gedankengut unterwandert wurden. In seinen Augen sind die Eliten schon längst im Besitz eines hyperphysischen Wissens, das - obwohl in Wirklichkeit höhere Wissenschaft - den Unwissenden als Magie erscheint.

 

Caxuulikoms Seelenfresser

 

Der Autor Nick Redfern stieß auf die Spur einer Gruppe namens "Colins Elite", die es schaffte, sich als semi-offizieller think tank im Weißen Haus zu etablieren und unter christlichem Paradigma den Ursachen des UFO-Phänomens nachzuforschen.

Daß die US-Regierung grenzwissenschaftliche Projekte finanzierte, hatte durchaus handfeste Motive: Man wollte sichergehen, daß kein Bereich militärisch ungenutzt blieb, auch nicht der paranormale, von dem man vermutete, daß ihn die Sowjets schon längere Zeit nutzten. So braucht es nicht zu verwundern, daß sich Colins Elite kurze Zeit auch im Dunstkreis des MK-Ultra-Psychiaters Sidney Gottlieb bewegte, als im Zuge der "Operation Often" untersucht wurde, ob okkulte Praktiken zu Spionagezwecken genutzt werden könnten, etwa bei der Befragung verstorbener CIA-Agenten.

Das eigentliche gedankliche Grundgerüst der Gottesjünger fußte allerdings auf folgenden Aspekten: vorrangig Parsons Babalon-Ritual, dem schon bald Kenneth Arnolds legendäre UFO-Sichtung folgte, wobei Parsons über den Science-Fiction-Verleger Ray Palmer mehrmaligen Kontakt zu Arnold gehabt haben dürfte. Da sich das griechische Babylon vom semitischen Bab-Il, was "das Tor Gottes" bedeutet, ableitet, war Colins Elite überzeugt, daß ein paranormales Portal geöffnet worden war. Dann gab es das Gerücht, daß Parsons letzte Arbeit, bei der er sich auch in die Luft gesprengt hatte, die Erschaffung eines Homunkulus war. War nicht auch Parsons Chef von Kármán Nachkomme eines Golem-schaffenden Magiers? Werkte nicht Parsons raketentechnischer Konkurrent Goddard in Roswell, wo es einen UFO-Absturz gab? Colins Elite glaubte nicht, daß in den vermeintlichen Trümmern Außerirdische lagen; für sie waren es alchemistisch modulierte Pseudolebewesen, die extraterrestrisch aussehen sollten, damit die Menschheit dem manipulativen UFO-Glaubenssystem verhaftet bleibt und nicht die wahren, dämonischen Hintergründe erkennt.

Dann war da noch die Geschichte von Lam, einer Entität, die Crowley 1918 bei seinem Amalantrah-Ritual auf der berüchtigten Montauk-Insel erschienen war und die in seiner Zeichnung wie ein Grey, also ein grauer Außerirdischer, aussieht. Crowley wiederum war einst Babysitter bei Sybil Leek, der berühmtesten Hexe Englands, gewesen, durch welche 1972 während einer Séance eine maligne Wesenheit namens Caxuulikom die Menschheit wissen ließ, daß die Welt nichts anderes als eine gigantische Farm zum Zwecke der Menschenzüchtung sei. Und das nur aus einem einzigen Grund: damit Satan Seelen ernten könne. Diese fundamental pessimistische Sichtweise war von da an auch die von Colins Elite, da diese schon zu Beginn ihrer Tätigkeit den Fall eines Mannes untersucht hatte, der nach einer UFO-Entführung von wiederkehrenden Visionen der Hölle gequält wurde; beim Studium alter dämonologischer Texte waren sie auf ähnliche Vorstellungen gestoßen. Aus alten babylonischen Schriften, in denen Lilu und Lilithu als schwangere Frauen und Neugeborene manipulierend beschrieben werden, zogen sie Rückschlüsse auf neuzeitliche abductions, in denen die Manipulation der Geschlechtsorgane und Züchtung von Hybridbabys wiederkehrende Motive bilden.

In ihrer späten Phase wurde die Gruppe zusehends apokalyptischer. Davon überzeugt, daß - gleich wie Parsons geistige Arbeit Resultate tätigte - möglichst viele Menschen christlich zu denken hätten, ging man daran, bei Politik und Militär Lobbyarbeit für eine Art christlicher New World Order auszuüben. Ein 2006 ausgetretenes Exmitglied von Colins Elite erwähnte Redfern gegenüber, daß sich Mitglieder der Gruppe und ein Fundus konservativer Christen in der Bush-Regierung sicher gewesen seien, die Anschläge des 11. September 2001 hätten eine finale apokalyptische Schlacht eingeläutet. Und falls diese nicht rasch genug fortschreiten sollte, wären einige wichtige Personen gewillt, sie durch die verdeckte Zündung einer kleinen Atombombe in einer amerikanischen Stadt voranzutreiben. Weiters gäbe es auch Pläne, die Himmel des Landes mit gigantischen Jesus-Hologrammen zu überfluten. Ein wahrlich sinistres Szenario, das das angeblich Sinistre an Jack Parsons weit in den Schatten stellt ...

Ausgerechnet an Halloween wurde das Jet Propulsion Laboratory gegründet - und bis heute wird dort an jedem Halloween ein Tag der offenen Tür veranstaltet, bei dem die legendäre Gründungsszene mit Puppen nachgestellt wird. Manche finden das, genauso wie das Leben des Gründungsmitglieds Jack Parsons, etwas unheimlich, und interpretieren JPL als Abkürzung eines Mottos, das auch getrost als Schlußfolgerung bezüglich der Wirkungsgeschichte Parsons´ gelesen werden kann: JACK PARSONS LIVES!

Rokko’s Adventures

aus: Rokko´s Adventures #9

(erschienen im Juli 2011)


Text: Daniel Krčál

Illustration: Erich Tiefenbach, Tarotkarte: Isabella Prinz

 

Literatur:

- John Carter: "Raumfahrt, Sex und Rituale - die okkulte Welt des Jack Parsons", Hadit Verlag, 2003

- George Pendle: "Strange Angel - the Otherworldly Life of Rocket Scientist John Whiteside Parsons", Weidenfeld & Nicolson, 2005

- Michael Staley: "Sorcerer of Apocalypse” - in: Adam Parfrey (Hrsg.): "Apocalypse Culture", Feral House, 1990

-  Nick Redfern: "Final Events and the Secret Government Group on Demonic UFOs and the Afterlife", Anomalist Books, 2010

-  Richard C. Hoagland and Mike Bara: "Dark Mission - the Secret History of NASA", Feral House, 2007

-  Jacques Vallée: "Forbidden Science, Volume Two", Documatica Research Llc, 2009

-  Robert Anton Wilson: "Cosmic Trigger", Rowohlt, 2002

 

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Die Paranoia-Chroniken

 

zum ersten Teil

zum zweiten Teil

zum dritten Teil

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #100

Winners come in all shapes and sizes

Preisfrage: Was haben Mike Tyson, Nikola Tesla und Willy Brandt gemeinsam? Richtig: allesamt Taubenzüchter. Team Rokko hat für Sie einige spannende Geschichten zum Thema "Männer, ihre Vögel und die Pigeon Fancier Convention in Blackpool" auf Lager. Fliegen Sie mit ihm los!  

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #99

K.o. mit 28

Vom Raging Bull zum Rauschbomber: Team Rokko ist mit der einstigen österreichischen Boxhoffnung Hans Orsolics in den Ring gestiegen und hat gemeinsame Vergangenheitsbewältigung betrieben. Ring frei für den zweiten Teil des spannenden Porträts.  

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #98

Ganz oben und ganz unten

Der ehemalige Boxer Hans Orsolics ist ein warmherziger, gutmütiger und humorvoller Hawerer - war aber auch dazu imstande, seine Frauen und besten Freunde zu verprügeln, wenn die Dämonen ihn ritten. Nebenher legte er eine Alkoholikerkarriere trocken, stieß Falco von Platz 1 der Charts und war jüngster und zweifacher Europameister. Sein Leben: A Wahnsinn, normal.  

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #97

Mondo Josefstadt

Was hat jemand wie Tav Falco ausgerechnet im verträumt-langweiligen Wien verloren? Thomas Fröhlich ermittelte im Auftrag von Team Rokko und traf den einstigen Gitarrenzerstückler im Café Landtmann zwecks Plauderei.  

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #96

He is always on our mind ...

Der König ist tot, lang lebe der König. Elvis Presley hätte vergangenes Jahr seinen 80. Geburtstag zelebriert. Team Rokko widmete dem Mann, der in fast allen US-Bundesstaaten "Ehrensheriff" war, einen ganz persönlichen Kreuzweg.  

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Rokko´s Adventures im EVOLVER #95

Passion Presley

Zum 80. Geburtstag des allergrößten Rock’n’Roll-Stars, der je auf dieser Erde wandelte, fragte sich Team Rokko vergangenes Jahr, ob denn jener Elvis Presley tatsächlich ein heiliger Mann gewesen sein könnte, ein "Auserwählter", gar die nächste Inkarnation von Jesus Christus selbst? Anzeichen und Hinweise darauf gibt es viele. Diese untersucht Dr. Nachtstrom in einem Lebens- und Leidensweg in sieben prägnanten Stationen, angelehnt an den katholischen Kreuzweg, wie er in vielen Kirchen zu sehen ist.