Kino_Film-Tips Juni 2019

Who you gonna call?

Weiß Jim Jarmusch mit Zombies umzugehen? Sind die X-Men-Filme immer noch besser als der Marvel-Einheitsbrei? Und was tut sich sonst im Juni-Kino? Peter Hiess und Hans Langsteiner liefern Antworten auf diese Fragen.    15.06.2019

EVOLVER-Redaktion

X-Men: Dark Phoenix

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Während der sagenhafte Phönix aus der Asche aufersteht und zu neuem Leben erwacht, bringt Phoenix jetzt schon zum zweiten Mal das X-Men-Universum um. Na gut, vielleicht nicht ganz ... wie wir wissen, sterben Superhelden ja nie wirklich. Aber vielleicht hätten die Macher von "X-Men: Dark Phoenix" doch daran denken sollen, welches Schicksal "X-Men: Der letzte Widerstand" vor nur 13 Jahren erlitt. Auch damals erwachte das böse zweite Ich in der Telepathin Jean Grey und bedrohte die "guten" Mutanten um Professor Xavier. Diesmal - beim neuen, verjüngten X-Men-Team (nein, fragen Sie nicht; wenn Sie es nicht wissen, ist dieser Film sowieso nicht das Richtige für sie) ist es keine Persönlichkeitsspaltung, sondern eine Sonneneruption, die in Jean die "Phoenix Force" weckt. Und dann bedroht sie mit mehr Budget schon wieder die Mutantenheit, ob gut oder böse, und naturgemäß auch die ganze Welt. Besagtes Budget scheint, wenn man sich die Rezensionen aus aller Welt, ziemlich in den Sand gesetzt. "X-Men: Dark Phoenix" hat alle schlechten Kritiken wegen eines öden Plots, zuviel Gewalt, uninteressierten Schauspielern etc. pp. verdient. "Der letzte Widerstand" hatte immerhin noch Famke Janssen zu bieten ...  (ph)

 

The Dead don't die

(Filmstart: 13. Juni)

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Ein Zombiefilm von Jim Jarmusch - wem liefe da nicht das Wasser im Mund zusammen? Allein: Die Sache ist zwar nicht gänzlich mißlungen, aber eben doch nur halb so lustig. Wie ein skurril-phlegmatisches  Polizistentrio im beschaulichen Städtchen Centerville (!) allmählich von immer mehr wandelnden Leichen heimgesucht wird, das hat schon einen gewissen Witz, zumal es in der bekannten Jarmusch-Ästhetik in ruhigen Totalen und gemessenem Rhythmus inszeniert wird. Doch irgendwann geht dem Film der Schmäh aus und er muß sich in absurde UFO-Einlagen und altbackene Metaebenen-Scherze ("Das geht schlecht aus" – "Wieso weißt du das?" – "Weil ich das Drehbuch gelesen habe!") retten. Schraubt man die Erwartungen dementsprechend herunter, kann man an an saftigen Typen durchaus seine Freude haben: Der nerdige Comic-Freak, der die Tankstelle des Ortes betreibt, und die schottische Leichenbestatterin mit ihrem virtuos gehandhabten Samuraischwert (Tilda Swinton, wieder einmal göttlich!) sind mir besonders ans Herz gewachsen. Doch in Summe hat Jarmusch schon Schöneres abgeliefert.  (HL) 

 

   

 

Sunset

(Filmstart: 14. Juni)

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Sein "Son of Saul" hat zu Recht Furore gemacht: ein erstickend dichtes Auschwitz-Drama, das die alte Diskussion um die filmische Darstellbarkeit von KZ-Greueln gleichsam durch die Quadratur des Kreises zu beenden suchte. Man sah zwar, was in Auschwitz passierte, und zugleich sah man es nicht, weil die Kamera stets beim Protagonisten blieb und sein Umfeld in bewußter Unschärfe beließ. Jetzt hat der Ungar László Nemes diesem Debüt seinen Zweitfilm folgen lassen, und siehe da: Obwohl (oder weil) er sich der genau gleichen Ästhetik bedient, ist er leider nur das, was man  "interessant gescheitert" nennt. "Sunset" spielt im Budapest der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg und kreist (im wahrsten Wortsinn, die Protagonistin ist ununterbrochen im Bild) um eine Modistin (!), die allmählich einer sinistren Affäre am Kaiserhof auf die Spuren kommt. Ihre Eltern sind bei einem mysteriösen Brand ums Leben gekommen, ihr geheimnisvoller Bruder scheint sich ihr zu entziehen, und unter Aristokraten im fernen Wien wird irgendetwas mit sehr jungen Frauen angestellt. Alles bleibt sehr vieldeutig und nebulös und läßt alle Deutungen offen. Gefilmt und gespielt ist das unzweifelhaft virtuos, noch die wüstesten Massenszenen spielen sich wie beiläufig im Hintergrund ab, das Zeitkolorit ist prächtig getroffen, und doch: Warten wir auf Nemes’ Dritten ...  (HL)

 

 

Brightburn: Son of Darkness

(Filmstart: 21. Juni)

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Das hätte man immer schon gern gesehen: Was wäre, wenn Superman nicht der brave All-American Boy und Weltbeschützer wäre, sondern sich einfach schon im jungen Alter zu einem wirklich unguten Typen mit fast unbezwingbaren Kräften, aber dem Verstand und der Gefühlswelt eines Serienkillers entwickelt hätte? In "Brightburn: Son of Darkness" (im Original läuft der Film ohne den depperten Untertitel und tut gut daran) läuft alles nach Kal-El-Klischee: Außerirdisches Raumschiff stürzt nahe einer Farm in der tiefsten Provinz von Kansas ab. Drin ist ein Baby. Das Bauernehepaar (Elizabeth Banks und David Denman) nimmt das Alien-Kindlein liebevoll auf und erzieht es zu seinem Sohn. Aber was soll ein junger Mensch machen, wenn er A. Superkräfte in sich entdeckt, B. gleichzeitig mit den Wirren der Pubertät zu tun hat und C. von seinem Raumschiff noch allerlei Einflüsterungen erhält. Statt superbrav zu werden wie weiland Clark Kent, folgt er also seinen niedrigsten Instinkten. Und plötzlich hat die Welt keinen Super-Gutmenschen, sondern einen, der es drauf ankommen lassen will. Die Grundidee des von James Gunn produzierten Films ist durchaus gut und erfrischend, die Realisierung funktioniert auch nicht schlecht - aber Regisseur David Yarovesky hätte ruhig noch viel, viel böser sein dürfen.  (ph)

 

 

 

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