Kino_Film-Tips Dezember 2019

Es ist angerichtet

Woody Allen entführt uns - Überraschung - wieder nach New York. Ed Norton übt sich in Tourette. Dwayne Johnson ist ein weiteres Mal reif für die Insel. Und: Weltschmerz aus China. Die EVOLVER-Kinotips für Dezember.    16.12.2019

EVOLVER-Redaktion

A Rainy Day in New York

(5. 12. 2019)

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So gerüchteumwittert war schon lang kein Woody-Allen-Film mehr. Der produzierende amazon-Konzern habe die Komödie wegen ungeklärter #Me-Too-Vorwürfe zurückgehalten, hieß es, andererseits sei dies der beste Woody Allen seit Jahren: der alte Stadtneurotiker wieder in seinem ureigenen Biotop! Leitln, beruhigt´s euch wieder: "A Rainy Day in New York" ist keine Totalkatastrophe, aber auch alles andere als ein Meisterwerk. Die Geschichte eines jungen Pärchens, das sich ein romantisches Wochenende im Big Apple gönnen will und dann, durch eine Kette von Zufällen und Mißverständnissen getrennt, erotischen und anderen Versuchungen ausgesetzt wird, ist Allen auf Autopilot, um nichts interessanter als all die belanglosen Städtekomödien, die der Regisseur zuletzt in europäischen Metropolen inszenieren durfte. OK, Altmeister Vittorio Storaro an der Kamera komponiert schöne Bilder, die prominenten Jungstars (Timothée Chalamet, Ellen Fanning) neigen zur ausgelassenen Outrage, aber all die Mühe lohnt nicht wirklich. Ein Beispiel für das, was hier als Dialogwitz durchgeht - die unbedarfte Jungjournalistin zum angehimmelten Hollywood-Regiestar: "Ich liebe amerikanische Arthaus-Filme, besonders die europäischen. Kurosawa ist mein absoluter Favorit!" Und das war schon der beste Gag des ganzen Films. Wer´s mag ...  (HL) 

 

 

 

Motherless Brooklyn

(13. 12. 2019)

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Vielleicht werden Sie in den letzten paar Tagen schon über diesen Film gelesen haben. Da schreiben österreichische Zeitungen zum Beispiel, daß der Protagonist der "Mann mit der Macke" ist. Dabei hat Lionel Essrog, um den es in "Motherless Brooklyn" geht, nur Tourette-Syndrom. Das mag in manchen Situationen peinlich sein, aber es ist noch lange nicht so schlimm wie österreichische Journalistendarsteller, die Piefkedeutsch schreiben.

So, das mußte einmal gesagt werden - schon im Sinne des Widerstands gegen den zweiten Anschluß. Aber kommen wir jetzt zu den guten Nachrichten: "Motherless Brooklyn", die Verfilmung eines großartigen Romans von Jonathan Lethem aus dem Jahr 1999, ist sowas wie das Comeback von Edward Norton. Wer das Gefühl hatte, diesen stets beeindruckenden Schauspieler in jüngerer Vergangenheit viel zu selten gesehen zu haben, kann sich freuen: Norton spielt in diesem Film nicht nur die Hauptrolle, sondern zeichnet auch für Regie und Drehbuch verantwortlich. Zudem hat er es geschafft, eine Menge prominenter Kollegen für sein Projekt zu gewinnen: Bruce Willis spielt Essrogs Mentor Frank Minna, Alec Baldwin den bösen Baulöwen Mosed Randolph und Willem Dafoe dessen Bruder Paul. Essrog ermittelt sich als Privatdetektiv mit sprachlichen Eigenheiten und zahlreichen Ticks durch das New York des Jahres 1954, um den Mord an Minna und die dahintersteckende Intrige aufzuklären. Und Norton tut in seiner zweiten Regiearbeit sein Bestes, um die Romanvorlage so gut wie möglich umzusetzen, weit weg von den Behindertendramen ("Um Gottes willen, Tourette-Syndrom! Gründen wir sofort eine Selbsthilfegruppe!"), die immer gleich Oscar-verdächtig sind.

Kurz und gut: Wer das Buch mochte, braucht diesen Film. Und wer es aus unerfindlichen Gründen nicht kennt, braucht beides - Film und Buch.  (ph)

 

 

Jumanji - The Next Level

(13. 12. 2019)

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Die Idee, die Figuren des "Jumanji"-Franchise in Teil zwei nicht mehr in einem Brettspiel, sondern in einem Computergame agieren zu lassen, war nahezu perfekt. Die zweite Idee, Dwayne "The Rock" Johnson darin eine Hauptrolle zu geben, führte zum gewünschten Erfolg: Der Streifen wurde ein Kassenschlager und war noch dazu wirklich witzig und unterhaltsam. Für die nächste Fortsetzung hatte man in Hollywood nicht viel mehr Ideen aufzubieten: Lassen wir das nächste Level halt wieder in der virtuellen Spielrealität handeln (diesmal ist das Game aber kaputt, und die Kameraden müssen einen der ihren herausholen) und suchen wir uns noch zwei Stars, um das Ergebnis etwas aufzuhübschen, nämlich Danny DeVito und Danny Glover, damit sich auch der ältere Zuseher freut.

Nun ja, genauso wirkt "Jumanji - The Next Level" dann auch: ziemlich kalkuliert, aber ebenso rasant und fast so lustig wie der Vorgänger - wenn auch die Idee mit den Avataren, die so ganz anders sind als ihre "realen" Gegenstücke, wodurch man ach-soviel über soziale Rollen, Gender etc. blabla lernt, diesmal nicht mehr so neu und überraschend daherkommt. Aber wer wird schon so intensiv über einen Kinderfilm nachdenken?! Good, clean, harmless fun. Kann man sich anschauen.  (ph)

 

 

The Farewell

(19. 12. 2019)

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Mit Kritiker-Zitaten wie "Berührend und komisch" vermarktet der hiesige Verleih diese chinesische Familiengeschichte beinahe als Schenkelklopfer. Be warned: Dies ist ein echter downer, einer der tranigsten Filme, die ich seit langem gesehen habe. Es geht um eine krebskranke alte Dame, der man ihren letalen Befund verheimlichen möchte. Also wird rund um sie eine Scheinhochzeit inszeniert, zu der auch eine in New York lebende Enkelin eingeflogen wird. Das ist alles durchaus gekonnt inszeniert (wenngleich auch nicht so virtuos, daß "The Farewell" seine Auslands-Oscar-Nominierung wirklich verdienen würde), und man erfährt auch einiges über die unterschiedlichen Lebensstile in West und Ost. Aber der Punkt ist: Auch im hektischesten Trubel des großen Familientreffens vergißt man dessen tragischen Anlaß nie - schon, weil die junge Hauptdarstellerin Awkwafina eine derart unbewegliche Leichenbittermine vor sich her trägt, daß zumindest mir jeder Spaß vergangen ist. Ein Film für Freunde intensiven Weltschmerzes. Aber, zugegeben, toll gemacht.  (HL)  

 

 

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