Kino_Film-Tips Februar 2014

Yes, more heroes!

Im kürzesten Monat des Jahres (und nicht nur dann) besprechen wir lieber keine deutschsprachigen Filme. Und das liegt nicht nur daran, daß so wenig Zeit ist ... Die Amerikaner können nämlich sowieso alles besser: europäische Kunstschätze retten, sich durch die Seventies schwindeln oder senil, aber hoffnungfroh durchs eigene Land reisen. Und wir fahren mit ihnen.    06.02.2014

EVOLVER-Redaktion

Nebraska

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Filmstart: 7. Februar

 

Ein Instant-Klassiker. Bruce Dern macht sich in einer grandiosen Altersrolle als störrischer Greis mit seinem erwachsenen Sohn zu einer Fahrt durch Amerikas Mittelwesten auf, um sich im fernen Nebraska einen angeblich gewonnenen Millionenbetrag abzuholen. Seit David Lynchs "A Straight Story" brachte ein derart dünner Handlungsstrang nicht mehr so reiche Früchte: Statt von ausgelutscht märchenhaften Sentimentalitäten erzählt dieses Roadmovie in aller komödiantischen Eleganz nämlich durchaus konkret von den sozialen und seelischen Verwerfungen, die Alter und Arbeitslosigkeit nun einmal mit sich bringen. Der leicht demente Alte träumt von einem neuen Truck, sein Sohn kämpft als HiFi-Verkäufer um jeden der rarer werdenden Kunden, und die liebe Verwandtschaft giert nach dem erhofften Gewinn. Alexander Payne ("Sideways", "About Schmidt") hat das alles in schwarzweißen Cinemascope-Bildern festgehalten, und wem da nicht das Herz aufgeht, der muß schon vom SPIEGEL sein, der dieses Glanzstück amerikanischen Independent-Kinos als "Höllenwerk" denunziert hat. Wie gesagt, ein Instant-Klassiker. (HL)

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American Hustle

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Filmstart: 14. Februar

 

Ein seltsamer Fall: Jeder liebt diesen Film, doch ich kann und kann mich mit ihm nicht wirklich anfreunden. Dabei liegen seine Qualitäten offen zutage: Es geht, im Kern einem authentischen Fall folgend, um ein schmieriges Kunstfälscher- und Kreditbetrügerpaar, das vom FBI dazu erpreßt wird, einen mißliebigen Politiker der Korruption zu überführen - zugespitzt in der Situation eines geheimen Meetings, bei dem es letztlich nur darum geht, ob der Politiker einen ominösen Geldkoffer berührt (und damit annimmt) oder nicht.

Das Ganze ist in seiner schrillen 70er-Jahre-Ästhetik mit Disco-Hits auf der Tonspur und unglücklichen Frisuren auf den Häuptern durchaus vergnüglich mitzuverfolgen, und die allesamt gegen den Strich besetzten Stars (u. a. "Batman" Christian Bale mit Bauch und Glatze!) geben ihr Bestes, doch viel mehr als eine gut gemachte Gaunerkomödie bleibt unterm Strich nicht übrig. Das Problem des Films scheint mir folgendes zu sein: Für eine richtig krachende Trash-Bombe à la "Pain & Gain" ist Regisseur David O. Russell ("Silver Linings") zu "seriös", aber für eine treffende Kapitalismus-Satire ist "American Hustle" dann doch wieder zu flach. Ich habe den Film jedenfalls bereits wieder vergessen, werde aber spätestens in der "Oscar"-Nacht wieder drastisch an ihn erinnert werden ... (HL)

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Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

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Filmstart: 20. Februar

 

George Clooney ist ein cleverer Mann. Nachdem er sich zuerst im Fernsehen ("ER") und dann im Kino als Herzensbrecher und großartiger Schauspieler etablierte, sicherte er sich einen fixen Platz im Hollywood-Establishment, indem er A. eine Produktionsfirma gründete, sich B. politisch auf der richtigen (d. h. in Tinseltown: liberalen) Seite engagierte und C. selbst Fiilme inszenierte, die klassisches Kino sind - ohne SFX und allzuviele Explosionen, stattdessen aber mit guten Schauspielern, ordentlichem Drehbuch und stets Oscar-reifer, zutiefst amerikanischer Thematik. Nach Werken wie "Confessions of a Dangerous Mind" und "Good Night, and Good Luck" kommt nun sein neuer Streifen "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" in die Lichtspielhäuser. Und wieder hat Clooney alles richtig gemacht: Aufrechte, bestens gelaunte und stets für heroische Taten gute US-Soldaten retten im Zweiten Weltkrieg die von den Nazis geraubten Kunstschätze vor der Vernichtung. "Ungewöhnlich" sind die Helden deshalb, weil es sich bei ihnen nicht um Militär-Karrieristen, sondern um Kunsthistoriker, Designer, Architekten etc. handelt. Und "Helden" sind sie auch für den Zuseher, bei der Besetzung: Neben Clooney sind in den Hauptrollen Bill Murray, die göttliche Cate Blanchett, Matt Damon und John Goodman zu sehen. Wieder einmal alles richtig gemacht, Dr. Ross! (PH)

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Pompeii

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Filmstart: 28. Februar

 

In Zeiten irrwitziger Kinospektakel mit Budgets von hunderten Millionen Dollar konnte es nicht ausbleiben, daß auch der gute alte Katastrophenfilm wieder zum Leben erweckt wurde. Und da man nicht immer das Weiße Haus in die Luft sprengen kann, nimmt man halt eine der größten Katastrophen der Antike her, um ein Spektakel mit schönen Menschen und der um sie herum zusammenbrechenden Welt zu inszenieren. "Pompeii" erzählt vom Untergang der gleichnamigen Stadt, die 79 v. Chr. einem Vulkanausbruch zum Opfer fiel und heute nur noch in Form spektakulärer archäologischer Funde existiert. Nein, falsch - jetzt hat man sie ja auch auf der Leinwand noch einmal aufgebaut, mit einer Lovestory und einer brauchbaren Besetzung (Emily Browning, Kiefer Sutherland, Kiefer Sutherland, Jared Harris u. a.) bevölkert, nur um sie dann wieder kaputtzumachen. Sicher kein Cineasten-Meisterwerk, aber brauchbares Action/Popcorn-Kino. Den supergscheiten Kritikern wird halt wieder einmal mißfallen, daß Paul W. S. Anderson ("Resident Evil") dabei Regie führte, statt diesem anderen Paul Anderson. Sie wissen schon, dem Mann, der so langweilig-prätentiöses Zeug wie "The Master" dreht ... Naja, egal. Der EVOLVER liebt den richtigen Anderson. Also geben Sie ihm doch auch eine Chance. (PH)

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RoboCop

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Filmstart: 7. Februar

 

Über bestimmte Dinge muß man mehr als ein paar Zeilen verlieren. "RoboCop" gehört dazu. Freuen Sie sich deshalb schon jetzt auf Andreas Winterers Review des Remakes und lesen Sie einen Beitrag über die Frank-Miller-Comics im EVOLVER-Archiv. Lassen wir uns überraschen, ob José Padilha Verhoevens Blechmann besser recycelt als Len Wiseman "Total Recall".

In diesem Sinne: "Bitches leave!"

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Dallas Buyers Club

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Filmstart: 7. Februar

 

Darüber, daß Matthew McConaughey Hollywoods Mann der Stunde ist, hat man sich allerorten ja bereits verständigt. Darüber, daß er sich für die Hauptrolle im AIDS-Drama "Dallas Buyers Club" in ein paar Wochen den Oscar abholen wird, offensichtlich auch. Zu sehr maßgeschneidert bzw. ausgesucht körperschindend ist sie schließlich, die Rolle des homophoben HIV-Cowboys, der in den 80ern auf eigene Faust Medikamente aus Mexiko schmuggelt, als daß sie sich beim Selected-Scene-Reel der Preisverleihung nicht außerordentlich beeindruckend machen würde. Und obwohl McConaughey darin auch tatsächlich imposant aufspielt, wird man den Eindruck nie so ganz los, daß man hier einfach eines mit allerlei artsy Mitteln aufgerüschten Standard-TV-Dramas der Woche ansichtig wird, das bloß die bei solchen Geschichten gängigen Wegstationen routiniert abklappert. Wer McConaugheys momentane Hochform auch in ein würdiges Umfeld eingebettet sehen will, der ist mit der phantastischen HBO-Crime-Serie "True Detective" eindeutig besser bedient. (CP)

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