Kino_Film-Tips Mai/Juni2020

Am wilden Fluß

Hans Langsteiner schwimmt gegen den Strom und widmet sich PIDAX und Godzilla. Peter Hiess taucht auf den Grund und fördert echte Heimkinoperlen hervor.    28.05.2020

EVOLVER-Redaktion

PIDAX, das Raritäten-Label

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In der Zeit der geschlossenen Lichtspielhäuser haben Heimkinos Hochsaison. Wer sich, wie der Autor, gestreamtem Material prinzipiell verweigert, sucht Zuflucht bei den klassischen Film-Speichermedien DVD und BD. Die Auswahl ist, Netflix & Co. zum Trotz, da mehr als reichlich - und dies nicht nur, was Aktualitäten betrifft, sondern auch und gerade beim Rückgriff auf gut 100 Jahre Laufbildgeschichte.

   Gleich mehrere Labels haben sich der Wiederaufbereitung historischen Filmmaterials verschrieben. Marktführer in diesem Segment dürfte Koch Media sein, das immer wieder Genreklassiker (Western, Films noirs etc.) gleich serienweise unters Volk wirft. Am anderen Ende des Spektrums tummeln sich spezialisierte Klein-Labels wie Bildstörung oder die DVD-Editionen diverser Cinematheken. Und dann gibt es noch ein Label, das immer wieder Titel auflegt, an die sich sonst kaum ein Verlag heranwagt – schräges bis schrägstes Material vom Heimatfilm bis zum Horror-Trash, vom C-Western bis zum Fernsehspiel. Es heißt PIDAX.

   Gegründet vor nunmehr 13 Jahren von deutschen Film- und Seriensammlern, schaufelt PIDAX mittlerweile Monat für Monat Film- und Fernsehstoff schrillster Sorte in die Regale auch heimischer Mediamärkte. Und es ist immer wieder erstaunlich, welche Schätze da von einem kleinen, aber engagierten Team geborgen und aufbereitet werden: rare Francis-Durbridge-Verfilmungen aus England, deutsche Sechziger-Jahre-Krimis jenseits von Edgar Wallace (Die Nylonschlinge, Der Nebelmörder – schon die Titel machen den Mund wässrig!), kompakte Pakete von Tarzan-Filmen mit Johnny Weissmüller über Lex Barker bis Gordon Scott.

   Natürlich ist nicht alles Gold, was da in der DVD-Hülle glänzt. Vieles ist für heutige Sehgewohnheiten nervenraubend langsam inszeniert, etliche Fernsehspiele wären vielleicht besser im Archiv geblieben, und an Extras und Originalsprachen-Versionen wird gern gespart. Aber all das wird wettgemacht durch Entdeckungen, die den Aufwand lohnen: Helmut Käutners ins Absurde lappender Rätselfilm Epilog – Das Geheimnis der Orplid zählt ebenso dazu wie   die demnächst erscheinende Peter-Sellers-Rarität Himmlische Freuden – Heavens Above! oder die im deutschen Sprachraum erstmalige Blu-ray-Veröffentlichung der ungekürzten Oliver Twist-Verfilmung von David Lean. Daß PIDAX auch Hörspielschätze aus den diversen Rundfunkarchiven veröffentlicht, sei der Abrundung halber erwähnt.

   Das Label gibt übrigens auch Rätsel auf: Wer sich hinter dem auf jeder (!) DVD-Hülle namentlich genannten Hans Schaffner aus Groß-Gerau verbirgt, war trotz Recherche nicht zu eruieren - ist´s ein zweiter Leo Kirch, ist´s ein privater Sammler? Wir werden es nie erfahren.

   Konkurrenz ist PIDAX bisher übrigens nur vom ebenfalls deutschen Label FILMJUWELEN erwachsen – aber das wäre eine andere Geschichte.  (HL)  

 

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The Outsider

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In der Flut der Serien, die Netflix, Amazon, Disney und Was-weiß-ich-noch-für-Streaming-Anbieter täglich auf den Markt der hungrigen Augen werfen, findet man sich kaum noch zurecht, zumal verläßliche Wegweiser durch den Seriendschungel fehlen und man sich auf die sinnlosen "Bewertungen" in den sozialen Medien oder endlose Internet-Suchen verlassen müßte, um die wenigen qualitativ hochwertigen Angebote zu entdecken. Kein Wunder, daß sich daher immer mehr Leute auf überschaubare Miniserien konzentrieren, bei denen man wenigstens in ein paar Tagen (oder Stunden, für Bildschirm-Junkies) die ganze Geschichte hinter sich hat, statt auf mehrere Seasons warten zu müssen - was sich mittlerweile bei den wenigsten Serien lohnt - und dabei endgültig den Überblick zu verlieren.

Und dann herrscht natürlich (bei Produzenten wie Konsumenten) immer noch das Gefühl, daß man bei Stephen King nichts falsch machen kann. Der "Es"-Kinozweiteiler hat bewiesen, daß dies zumindest vom finanziellen Aspekt her stimmt; daher ignoriert man auch großzügig die vielen gescheiterten King-Verfilmungen für Leinwand und Bildschirm, von denen es jetzt auch wieder etliche gibt.

Die gute Nachricht: "The Outsider" zählt nicht zu den Enttäuschungen, ganz im Gegenteil. Das erfreut umso mehr, als der Horrormeister Stephen King in den vergangenen Jahren mit seinen Büchern eher frustriert und sich lieber auf vertrautes Terrain, Familienkitsch und Trump-Beschimpfungen verläßt als auf neue Ideen. Da war sein Roman "Der Outsider" - bis auf den eher faden Monster-Schlußteil - noch eine löbliche Ausnahme: Die Story vom Lehrer und Familienvater, der aufgrund von Videoaufnahmen, Zeugenaussagen, DNS- und Blutspuren etc. des grausamen Mordes an einem Schüler überführt wird, obwohl er zum Tatzeitpunkt ganz woanders war, entwickelt sich bald zum "Akte X"-artigen Mystery-Krimi mit Kings neuer "Geheimwaffe": Holly Gibney, die er schon in seiner Bill-Hodges-Trilogie erfolgreich agieren ließ (Psychiatrische Auffälligkeit ist das neue Schwarz!), die im Roman "Outsider" schnell allen anderen Figuren die Show stiehlt und die er jetzt auch in seinem neuen Novellenband "If It Bleeds" wieder verbrät.

Holly ist eine weiße Neurotikerin, die in der Miniserie zur schwarzen Neurotikerin wird, weil sowas heute halt sein muß - aber in diesem Fall war die Entscheidung eine gute, weil ihre Darstellerin Cynthia Erivo einfach großartig spielt. Auch sonst ist die Miniserie - u. a. mit Ben Mendelsohn, Paddy Considine und Jason Bateman - gut besetzt, ebenso kompetent wie spannend inszeniert und läßt sich an einem Wochenende mit Genuß anschauen. Dazu muß man nicht einmal (ehemaliger) King-Fan sein ...  (ph)

 

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Godzilla (12-Disc-Collection)

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Hallo, ihr Fans der letzten beiden monströsen Godzilla-Teile aus Hollywood, ihr müßt jetzt ganz stark sein. Eure Lieblingsechse ist nämlich mehr als ein halbes Jahrhundert alt, war eigentlich gar nicht bunt und stammt aus Japan! Und so lustig wie es sich heute anfühlt, war das Riesentier ursprünglich auch gar nicht gemeint, im Gegenteil: Ishiro Hondas Original-"Godzilla" aus dem Jahr 1954 verstand sich durchaus als Verarbeitung eines kollektiven Traumas, nämlich der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Seither hat es die große Echse auf 28 japanische Teile gebracht (Kenner unterscheiden da zwischen Showa-, Heisei- und Milleniums-Staffeln), etliche US-Versionen (darunter eine grauenhafte von Roland Emmerich) nicht mitgezählt. Immerhin zwölf Titel haben es jetzt in eine neue "Gesamt"-Box geschafft, die sich niemand entgehen lassen sollte, der an dem üppig auswuchernden Godzilla-Universum seinen Spaß hat. Daß in fast allen Filmen klar wird, daß hier ein Mensch im Gummikostüm durch Miniaturstädte stampft, tut dem Vergnügen keinen Abbruch, im Gegenteil. Es ist wie bei den Ruckelmonstern von Ray Harryhausen: Trotz heutiger CGI-Magie haben sie ihren Charme bewahrt. Was die neue Godzilla-Box von früheren Editionen dieser Art unterscheidet, wird aus der Vorankündigung nicht ganz klar. BD-Abtastung in state-of-the-art-Schärfe, nette Extras und eine gediegene Verpackung sollten jeden falls drin sein.  (HL)

 

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Planet of the Humans

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Erinnert sich noch jemand an Michael Moore? Momenterl - war das nicht der eher unförmige Herr mit der Frühverglatztenmütze, der durch allerlei primitiv gemachte Propagandafilme ("Bowling for Columbine", "Fahrenheit 9/11") zum Liebling der linken Mainstream-Journaille (gibt´s eine andere auch noch?) wurde? Der Typ, bei dem man Charlton Heston für seine Contenance bewunderte, aber sich insgeheim wünschte, der große Hollywood-Darsteller würde den Deppen mit seiner Pumpgun aus dem Haus jagen? Ja, genau der war und ist es.

Aber warum mögen ihn denn plötzlich all die verkappten Kommunisten aus den Medienhäusern nicht mehr, obwohl er mittlerweile genauso frustriert ausschaut wie sie selbst? Ganz einfach: Der Herr Moore hat eines ihrer wichtigsten Narrative zerlegt, wenigstens indirekt, indem er den Dokumentarfilm "Planet of the Humans" von Jeff Gibbs produzierte. Gibbs, der in der Einleitung seiner spielfilmlangen Doku zugibt, in jüngeren Jahren selbst Öko-Hippie und "tree hugger" gewesen zu sein, machte sich nämlich daran, über "green energy" zu recherchieren - also den Unfug, der bei uns "erneuerbare Energie" genannt wird und die westlichen Länder Unsummen Geld kostet und noch größere Unsummen kosten soll.

Was Gibbs dabei herausfand, erschütterte ihn ebenso sehr, wie es alle Zuseher dieses Films erschüttern sollte, die noch an all die durch die Medien gepeitschten Schwachsinnsbegriffe wie "Nachhaltigkeit", "menschengemachter Klimawandel" oder "CO2-Fußabdruck" glauben: Windräder und Sonnenkollektoren verschandeln nicht nur die Landschaft, sondern sind absolut ineffizient, viel zu teuer und von der Herstellung bis zur Entsorgung von den bösenbösen fossilen Energiequellen abhängig. Der Regisseur fand zudem heraus, daß für die Energieerzeugung durch Biomasse riesige Wälder abgeholzt und gewaltige Anbauflächen vergeudet werden, um ein paar Milliardäre noch reicher zu machen - und das dumme Volk zu beruhigen, weil aus seinen Steckdosen jetzt eh "saubere Energie" kommt. Am Ende seines Films zeigt Gibbs dann noch, wer aller am Erneuerbare-Energie-Schmäh verdient, angefangen vom Großbetrüger Al Gore bis hin zu amerikanischen Forstunternehmern, die mit dem Abholzen und diversen Pseudo-Öko-Wertpapierfonds sehr sehr viel Geld verdienen.

Gut, werden Sie jetzt vielleicht sagen, wer Al Gore und seinem Oscar-gekrönten Angstmacherfilmchen "Eine unbequeme Wahrheit" je glaubte, ist selber schuld - genau wie all jene, die sich seit Jahrzehnten von Regenwaldkitsch, Ozonloch-Panik und dem Klimaschwindel ins Bockshorn jagen lassen. Da aber genau diese Leute die lenkbare Masse sind, die sich die Mächtigen und die Mainstream-Lügenmedien wünschen, wird "Planet of the Humans"-Produzent Michael Moore in der massenmedialen Gehirnwäsche plötzlich als ganz üble Figur dargestellt, als das "neue Idol der Rechten", der die ach-so-edlen Bemühungen der Klimaschützer und der heiligen Thunfischgretl zunichte machen will. Noch dazu, wo im Film seines Protegés Gibbs die einzig logische Schlußfolgerung sehr deutlich ausgesprochen wird: Das Problem der Umweltzerstörung läßt sich nur lösen, wenn die Weltbevölkerung radikal reduziert wird und der Gebärirrsinn endlich ein Ende findet. Aber keine Angst - dafür werden Bill Gates und Konsorten an der zweiten Front (Virenpanik, weltweite Überwachung und Impfzwang) ohnehin bald sorgen ...

Jedenfalls: "Planet of the Humans" wurde nach ca. acht Millionen Views endlich von YouTube zensuriert. Angeblich hat man eine Urheberrechtsverletzung entdeckt (praktisch, wie sowas immer zur Hand ist) und mußte das Werk daher sperren. Wir lassen den YouTube-Link als Dokument der Schande trotzdem stehen - und wer den Film sehen will, für den findet sich gleich unten ein Link zu Vimeo, das sich der Zensur noch nicht angeschlossen hat.  (ph)

 

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