Kino_Film-Tips Februar 2019

Hereinspaziert, hereinspaziert!

Clint Eastwood zeigt, daß man auch noch im hohen Alter schießen kann. Battle Angle Alita erlebt mit Jahrzehnten Verspätung ihr Realfilmdebüt. Dazu kommen noch zwei Söhne, die ihren Eltern auf ganz unterschiedliche Art Angst einjagen. Alles jetzt im Kino.    16.02.2019

EVOLVER-Redaktion

The Mule

Filmstart: 1. Februar

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Clint Eastwood hat einiges an herablassender Gönnerhaftigkeit für seinen (vielleicht wirklich) letzten Film einstecken müssen. Mit 88 Jahren gibt er da (based on a true event) einen betagten Gärtner, der sich für mexikanische Drogendealer als Transport-Muli verdingt. Die bemüht konzilianten Kritiken sind fehl am Platz. "The Mule" ist Eastwoods schönste Arbeit seit vielen Jahren und läßt den Ausrutscher "15:17 to Paris" endgültig vergessen. Der Film ist wunderbar geschrieben; die Verquickung der Schmuggel-Story mit den familiären troubles des Helden funktioniert wie geölt und kann jeder Drehbuchklasse zum Studium vorgelegt werden. Der Film ist nahezu perfekt inszeniert, typengerecht gecastet und - nicht zuletzt von Eastwood selbst - makellos gespielt. Am schönsten aber ist die Grundstimmung des Ganzen: Als Thriller, Road Movie und Tragikomödie in einem hat "The Mule" etwas von der schwerelosen Eleganz jener Country-Songs, die der Alte da in seinem SUV zum Autoradio fröhlich mitsummt. "On the road again ..." Wenn das wirklich Eastwoods Abschied sein sollte, dann war´s ein würdiges Goodbye. See you in heaven.  (HL)

 

 

The Prodigy

Filmstart: 7. Februar

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Kinder und Horror - das paßt bestens zusammen. Und das liegt nur nicht daran, daß es viele Kinder gibt, die für ihre nähere und fernere Umwelt der pure Horror sind ...

Was die lieben Kleinen besonders geeignet für Gruselfilme macht, ist ihre angebliche Unschuld. Da trifft es den Zuseher umso mehr, wenn so ein Kind (wie im Kino x-mal gesehen) sich plötzlich als Sproß eines außerirdischen Einflusses herausstellt, aus Spaß an der Freud´ Erwachsene niedermetzelt, vom Teufel besessen ist oder gar der Antichrist ist usw. usf. Im Fall von "The Prodigy", einem bestenfalls durchschnittlichen Beitrag zum Thema, weil - wie fast alles im aktuellen US-Kino - von diesem stupid-langweiligen, politisch überkorrekt behandelten "famlee"-Irsinnn befallen, ist der minderjährige Protagonist Miles ein sogenanntes Wunderkind, weil überdurchschnittlich intelligent.

Daß sowas (vor allem heutzutage) nicht gutgehen kann, zeigt sich, als der Bub älter wird und einige seltsame Eigenschaften annimmt, die seine Eltern fürchten lassen, daß er - und jetzt alle - besessen ist. Vielleicht sogar von einem Serienkiller, damit man als Zuseher gleich noch ein weiteres Klischee über sich ergehen lassen muß.

Regisseur Nicholas McCarthy ("The Pact") hat in Interviews behauptet, daß einige Szenen seines Films so schockierend waren, daß das Testpublikum mit lautem Entsetzensgeschrei die nächste Szene überbrüllte. Solche zartbesaiteten Gemüter findet man bei "The Prodigy" in unseren Kinos nicht. Aber wahrscheinlich sitzen die alle zu Hause und fürchten sich vor ihren Kindern ...  (ph)

 

 

 

Alita: Battle Angel

Filmstart: 14. Februar

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Man kann Robert Rodriguez nicht viel vorwerfen. Fast alle seine Filme, selbst die obskursten, lassen sich anschauen, ohne dabei zu leiden. Und bei vielen freut man sich sogar darüber, daß der Mann seine gesunde Pulp-Leidenschaft nie aufgegeben hat. Der einzige Fehler, den der US-Amerikaner (heute muß man anscheinend immer "US-Amerikaner" schreiben, damit keiner auf die Idee kommt, es könnte sich um einen Südamerikaner, Mittelamerikaner, Kanadier oder Mond-Amerikaner handelt; obwohl man das ja dann extra anführen würde) ... wo war ich ... ach ja, der Amerikaner mexikanischer Herkunft hat, ist seine Freundschaft mit Tintin Quarantino. Die führt unter anderem nämlich anscheinend auch bei ihm zur irrigen Ansicht, daß Christoph Waltz ein Schauspieler ist, der es verdient hat, übers österreichische Vorabendprogramm hinaus gezeigt zu werden.

Andererseits: Einen Rodriguez-Film kann nicht einmal ein Waltz kaputtmachen, anders als beispielsweise einen Bond-Streifen. Aber das ist eine andere Geschichte. Diesmal verfilmte der Regisseur den Manga "Alita: Battle Angel", der in der allseits beliebten postapokalyptischen Welt spielt und von einem Cyborg-Mädchen handelt, wie sie wiederum in der japanischen Popkultur sehr beliebt sind. Man muß aber kein Manga/Anime-Fan sein, um dieses Werk zu mögen, es genügt, wenn man Science Fiction, Action und Special Effects zu schätzen weiß. Da mögen die Charaktere zwar etwas zu wenig Tiefe haben, aber wir sind ja mittlerweile Marvel-Filme gewöhnt, also macht uns das nix aus. Die Gesellschaft des Spektakels hat sich ja ohnehin längst durchgesetzt. Und in der macht "Alita: Battle Angel" eine durchaus gute Figur - gerade im "US-amerikanischen" Kino von heute.  (ph)

 

 

Der verlorene Sohn

Filmstart: 21. Februar

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Ein Familiendrama um einen schwulen Heranwachsenden, das ganz ohne Kitsch und grelle Effekte auskommt, das ist schon was! Es geht um einen jungen Mann aus dem amerikanischen Bible Belt, dessen an sich wohlmeinende Eltern ihn in eine ultraorthodoxe Umerziehungsschule stecken, wo seine Vorliebe fürs eigene Geschlecht ausradiert (Originaltitel: "Boy Erased") werden soll. Das könnte zur Horrorshow ausarten, doch die Inszenierung von Joel Edgerton (der auch just den strengen "Therapeuten" spielt!) beläßt selbst den homophoben Figuren einen Rest von Würde. Formal ist das alles reichlich konventionell gefilmt – die Großaufnahme eines Trinkwasserspenders ist da schon das Höchste an Exzentrik! - , doch die Darsteller, vor allem Lucas Hedges ("Manchester by the Sea") in der Titelrolle und Russel Crowe als sein Vater, der aus seiner Baptisten-Ideologie nicht herausfindet, tragen den Film ohne Spannungsverlust bis ins Ziel. Und so lange es Stimmen gibt, die allen Ernstes meinen, Homosexualität sei "heilbar", bleibt das Thema leider nicht nur in den USA aktuell.  (HL)

 

 

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