Kolumnen_Kolumnen, die die Welt nicht braucht #48

Ausnahmen bestätigen die Regel

Es war nicht alles schlecht, damals im (Ihr regionales Vor-Regime hier einsetzen). Ja, sicher, XYZ war die Regel, aber es gab auch Ausnahmen! Und dahinter steckt meist Rußland.    14.07.2019

In dieser Kolumne geht es immer um nichts, und auch heute geht es wie gewohnt darum, denn das ist einfach die Regel. Und doch machen wir heute eine Ausnahme: Es geht ausnahmsweise mal um was, nämlich um Ausnahmen, die ja immer dann der Fall sind, wenn die Regel nicht gilt.

So ist es zum Beispiel von Wichtigkeit, daß bei der Bildung von Sätzen nach Möglichkeit und doch auch nur in Seltenheit Hauptwörter Verwendung finden, weil sonst das Zurückgehen der Verständlichkeit eine Folge sein kann. Aber lassen wir das, ausnahmsweise.

 

"Ausnahmen bestätigen doch die Regel!" hört man oft, vor allem, wenn von schwarzen Musikern ohne Rhythmusgefühl, weißen Musikern mit Blues oder Indianern ohne Traumfänger die Rede ist.

Man begründet damit, daß man nur bei Grün über die Straße geht, es sei denn, es pressiert; daß man niemanden bescheißt, es sei denn, es lohnt sich; und daß der Mainstream kein einziges lesenswertes Buch hervorzubringen imstande ist, es sei denn, es handelt sich um ein gutes.

Doch Ausnahmen bestätigen keine Regel. Ausnahmen widerlegen sie. Die Regel ist dann schlicht falsch. So einfach ist das. "Wie Berlin ist das denn?" würde ich fragen, wäre ich nicht Kölner Münchner und verstünde mich als Ex-Europäer, der gerne Wiener wäre, wenn man mich dort nicht wie den Piefke behandeln würde, der ich halt nun mal bin, wenngleich gewiß/hoffentlich die Ausnahme von der Regel.

 

Die ständigen Ausnahmen verwirren uns natürlich, etwa bei dieser Kolumne hier. Üblicherweise schäumt sie ja über vor Geistreichigkeit, nur heute, da ist sie fad wie Polenta. Belegt das wirklich, daß die anderen gut sind? (Falls ja: q.e.d.!)

Müßte ich nicht folglich einfach noch mehr schlechte Kolumnen schreiben (kein Problem für mich!), und schon gäbe es noch mehr Ausnahmen, die die Regel umso mehr bestätigen würden? Würden dann aber plötzlich, wenn das Verhältnis von guten zu schlechten Kolumnen auf 49 zu 51 kippt, die guten Kolumnen als Ausnahmen die Regel bestätigen, nämlich jene, daß sie in Wahrheit schlecht sind? 

Und so ging in dieser (immerhin kurzen) Kolumne dann also letztlich doch um nichts, woraus Sie als Erkenntnis mitnehmen können, daß die Ausnahme eben doch die Regel bestätigt.

 

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Ausnahmsweise ohne Bilderrätsel:

Welches simple Bürgerrecht wünschen Sie sich sehnlichst zurück?

Andreas Winterer

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