Kolumnen_Miststück der Woche III/25/Teil 4

Wann ist ein Mann ein Mann?

Unser "Miststück der Woche" feiert wieder einmal Jubliäum. Manfred Prescher hat lange überlegt - und für das 225. "Miststück" das Naheliegendste ausgesucht: er kürt die 50 Lieder, die das Mannsein in all seinen Facetten besonders gut beschreiben. Es folgen die Plätze 20-11.    18.03.2013

Manche Dinge ändern sich einfach nie: Du wachst morgens auf - und noch bevor sich das Hirn einschaltet, singst du, daß du nur noch die Welt retten mußt oder daß Geld guat brenna tuat. Widerstand ist absolut zwecklos, das Miststück setzt sich in dir fest. Begleitet dich ins Bad, zum Frühstück und in den Job. Manchmal freust du dich, weil dir zufällig ein alter Bekannter durch die Denkmurmel stromert, manchmal ist es dir schlicht peinlich. Wer will schon gern über sieben Brücken gehen oder von Jürgen Drews in den Tag geleitet werden?

In dieser Kolumne geht es um hinterhältige und fiese Lieder, die sich in dir festsetzen.

 

Lesen Sie hier den ersten Teil unserer Jubiläums-Ausgabe. Wir wünschen viel Vergnügen!


Redaktioneller Hinweis: Lesen Sie auch Manfred Preschers E-Book für die Ewigkeit: Verdammtes Miststück! Die ersten 200 Pop-Kolumnen aus dem EVOLVER



Manfred Prescher

20. Rex Harrison: I´m An Ordinary Man

1964; Album: "My Fair Lady"

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Professor Higgins singt in "My Fair Lady", daß er ein ganz gewöhnlicher Mann sei. Was genau das bedeutet, steht nicht erst seit der Verfilmung des Musicals mit Rex Harrison in den Sternen. Wir wissen nicht, was normal ist. Aber: Wir sollten uns auch dann nicht durch Frauen definieren lassen, wenn die so bezaubernd sind wie Audrey Hepburn alias Eliza Doolittle.

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19. Leonard Cohen: I´m Your Man

1988; Album:" I´m Your Man"

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Nun, Leonard Cohen definiert das Mannsein einmal doch über das, was er für diese eine Frau tun würde - und das ist praktisch alles: Er wäre ihr Liebhaber, ihr Beschützer, würde auf Distanz gehen, wenn sie das möchte, wär Vater ihrer Kinder ... Etwa so: "And if you´ve got to sleep/A moment on the road/I will steer for you/And if you want to work the street alone/I´ll disappear for you". Das klingt sehr nach einer perfekten Partnerschaft.

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18. The Killers: Mr. Brightside

2003; Album: "Hot Fuss"

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Die Rockband aus Las Vegas legte mit ihrer Debüt-Single gleich richtig los: Das Lied erzählt von einem Mann, der sich aus dem "Beziehungskäfig" befreit und ihn dann vermißt. Männer haben oft Ablösungsprobleme, aber der Typ hier ist stark genug, zu tun, was er tun muß. Denn er ist der "Herr der Sonnenseite". Großer Song über männlichen Trennungsschmerz inmitten des Neuaufbaus.

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17. Elvis Presley: Trouble

1958; Album: "King Creole"

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Kommt nur her, Burschen! Die großen Songwriter Jerry Leiber und Mike Stoller schrieben dieses böse, 2:16 Minuten kurze Lied für den mindestens ebenso großen Elvis. Der sagt erst cool, dann immer aggressiver, daß er mit niemandem Ärger sucht, ihm aber auch nicht aus dem Wege geht. Der Swing-Sound dazu ist messerscharf und untermalt Presleys Kampfansage an Gott und die Welt.

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16. Jim Croce: Bad, Bad Leroy Brown

1973; Album: "Life And Times"

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Der Songwriter Croce war gerade mal 30 Jahre alt, als er bei einem Flugzeugabsturz uns Leben kam. Er hinterließ uns ein paar unsterbliche Lieder, von denen das über Leroy Brown das Unsterblichste ist. Der Mann ist der Inbegriff des üblen Schurken, der Grenzen mißachtet, aber irgendwie mag man ihn ja doch: Warum? Darum: "Allerdings hat Leroy mehr zu bieten als nur Ärger/Wenn er sich mit seinen einsneunzig aufbaut/Bei den Damen in der Stadt heißt er 'XXL-Liebhaber'/Und die Männer reden ihn mit 'Sir' an/Das ist der böse Leroy Brown/Der böseste Mann in der ganzen verdammten Stadt/Böser als der alte King Kong". Aber der war ja - wie wir wissen - sowieso ein ganz braves Äffchen.

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15. Die Ärzte: Männer sind Schweine

1998; Album: "13"

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Die Ärzte müssen es ja wissen, sind ja selber Kerle: "Männer sind Schweine/Frage nicht nach Sonnenschein/Ausnahmen gibt´s leider keine/In jedem Mann steckt doch immer ein Schwein/Männer sind Säue/Glaube ihnen nicht ein Wort/Sie schwören dir ewige Treue/Und dann am nächsten Morgen sind sie fort". Wäre dem wirklich so, sollte frau einen Bogen um uns machen. Man darf den Punk-Spaßvögeln aber nicht glauben, sie spielen nur mit weiblichen Ängsten. Und das tun sie supi.

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14. Volker Lechtenbrink: Der Macher

1976; Album: "Der Macher"

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Das genauso schöne Original stammt von Kris Kristofferson, aber auf deutsch funktioniert das Ganze für uns noch direkter: Der Sänger und Schauspieler Lechtenbrink beschreibt einen Mann, der nur aus negativen Eigenschaften besteht - oder vermeintlich Positives ins Gegenteil verkehrt. Er ist Schmeichler, Schieber, Lehrer oder Geber. Im Lied geht er auf diese Art mit dem Kerl ins Gericht: "Er ist ein Lieber, ja so Lieber/Er wird mit ihr machen, was ihm grad beliebt". Also, Lady, sei bedacht und nimm dich in acht.

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13. Tom Jones: Thunderball

1965; Album: "Thunderball"

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Das Titelstück zum vierten James-Bond-Film "Thunderball" wird von einem Mann gesungen, der genauso maskulin die unwiderstehliche Seite des Mannseins verkörpert wie 007 selbst. Kraftvoll, sexy und mit dem Tiger im Tank zeigt der Song die selbstbewußte Seite von uns Männern.

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12. Frank Zappa: Bobby Brown

1979; Album: "Sheik Yerbouti"

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Sex und Unterdrückung, Unterwerfung und Demütigung - das sind die Themen im zynischen Hit von Zappa. Im Prinzip zerrt der Extremrocker hier alle Schattenseiten der Libido ins Perverse und zeigt so, daß manche Grenzen besser bestehen bleiben sollten. Von Bobby Browns Männlichkeit ist zum Schluß jedenfalls weder im geschlechtlichen noch im übertragenen Sinne etwas übrig. Erinnert sei hier auch an die gelungene österreichische Coverversion von Kurt Ostbahn.

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11. Muddy Waters: Mannish Boy/I’m Your Hoochie Coochie Man

1955/1954; Single: "Young Fashioned Ways/She´s So Pretty"

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McKinley Morganfield, den nicht nur Blues-Fans als Muddy Waters kennen, hat mit dieser Antwort auf "I´m Your Man" von Bo Diddley einen Song im Rhythmus des männlichen Herzens geschrieben. Es geht wieder mal um das Thema "Omnipotenz", das sich in markigen Zeilen wie  "I´m a natural born lover man" wiederspiegelt. Gleichzeitig zitiert Waters seinen Hit "Hoochie Coochie Man", der ebenfalls mit Liebesfähigkeiten protzt. Und darin läßt er es folgendermaßen krachen: "On the seventh hour/On the seventh day/On the seventh month/The seven doctors say/He was born for good luck". Ein echter Freudenspender, dieser Mann.

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