Kolumnen_Das Wort zum Samstag

Der Zahlschein des Tiers

Alles dreht sich um Geld, auch das kirchliche Leben. Leider. Doch deshalb soll sich der Gläubige noch lange nicht den Gesetzen des Casinokapitalismus unterwerfen und es den Börsen-Gangstern nachtun wollen. Genau dazu scheinen ihn die Finanzinstitute aber zwingen zu wollen - mit Geldspielautomaten, die er wohl oder übel bedienen muß, um Pfuinanzielles zu erledigen. Der Pater rät ab, weil auch er weiß: Die Bank gewinnt immer!    01.01.2011

Das Wochenende war mühselig, wie jedes Wochenende. Abendmesse, Morgenmesse, Jugendmesse, Hochamt, Andacht, Beichte, Seelenmesse - "The Lord’s work is never done", wie die geschätzten Kollegen aus Amerika so gern sagen. Die Früchte der geweihten Arbeit, des Gebets und der erteilten Sakramente gedachte ich Montag früh auf die Bank zu bringen und dortselbst auf das darbende Konto unserer Pfarre einzuzahlen.

Es heißt immer, die Kirche sei reich, doch da müssen die Leute wohl eine andere Kirche meinen. Die Ernte aus dem Klingelbeutel war wieder einmal so karg, daß ich sie bedenkenlos dem Münzzählroboter anvertrauen konnte - und neidvoll zusehen, wie der Veranstalter eines Feuerwehrfests, das am Tag des Herrn vor den Toren Wiens stattgefunden hatte, bis obenhin mit Geldscheinen angefüllte Plastiksackerln zu einem der Schalter schleppte, wo er sofort vom Filialleiter empfangen und zum geselligen Umtrunk in ein Hinterzimmer gebeten wurde.

Der Glückliche! Unsereins darf sich mit seinen armseligen Beträgen im sogenannten Foyer (klingt nobel, nicht wahr?) des Bankhauses aufhalten und ist ganz auf sich allein gestellt. Das ist die Rache dafür, daß Jesus die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben hat; heute haben sie ihre eigenen Tempel und vertreiben die Kinder Gottes daraus. Der Zinsknecht soll erst gar nicht zu den Angestellten vordringen, sondern sein Geschäft bescheiden im Vorraum verrichten, an den Automaten, die dort seiner Demütigung und unbezahlten Tätigkeit harren, die nicht nur Kleingeld schlucken, sondern auch Kontoauszüge ausspucken und Erlagscheine abstempeln, wofür auch noch teure Gebühren zu entrichten sind. Und wie zum Spotte kommt gelegentlich ein junger Bankierslehrbub vorbei und fragt, ob er einem die ganze Maschinerie erklären soll und ob man nicht überhaupt gleich zu Hause bleiben und online banken will.

In Wirklichkeit freut sich ja nur der Student, wenn er ein Online-Bankert sein darf, weil er dann das Geld von der Mama oder aus seinem 2-Euro-die-Stunde-Job frisch, fröhlich und frei am Computerbildschirm hin- und herschieben darf. Aber der Student trägt auch gern einen lustigen Hut und glaubt, der ersetzt ihm den Kopf. Er ist übrigens unsere Zukunft - was dem alten Slogan "No Future" ein ganz neues Gesicht verleiht.

Doch genug davon. Der Lehrling wartet ungeduldig. "Du weißt doch, mein Sohn, daß du gerade deinen Arbeitsplatz verschenkst?" fragt man ihn gütig. Doch der in Wahrheit völlig unbelehrbare junge Mensch verzieht nur verächtlich die Mundwinkel und wendet hoffnungsvoll den Kopf nach hinten, in die heiligen Tempelhallen, wo die Magistres sitzen, die dem Feuerwehrfestveranstalter gerade professionell das Geld aus der Tasche ziehen. So einer will er auch werden, der Bub, wenn er groß ist, ein Anlageberater, der ahnungslosen Kunden Wertpapiere, Hypotheken und Optionen einredet. Er könnte es sich auch einfacher machen, indem er sich ein großes Schild mit der Aufschrift "Ich bin ein Verbrecher" um den Hals hängt und vor der Tür wartet. Nur sagt man ihm das lieber nicht. Er muß selbst draufkommen, wes Art und Natur die Geldwechsler sind. Und daß sie ihre Werbesprüche nicht ernst meinen. Zum Beispiel den, der über dem Kopf des Lehrbuben hängt: "In jeder Beziehung zählen die Menschen", heißt es auf dem Plakat.

Aber da sind zwei Stricherln zuviel.

Pater Michael Hass

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Er begann seinen Dienst am Christenvolke im benachbarten Blog "ZiB21", bevor er aus Gewissensgründen zum EVOLVER wechselte. Bei uns läßt er jetzt gelegentlich wortgewaltige Predigten los - und der Vollständigkeit halber wiederholen wir jetzt die ersten sechs seiner sonntäglichen Episteln auf unseren Seiten. Am Samstag. Als (einstweilen) letzte Episode lesen Sie die vom 4. April 2009.  

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File under "unhygienisch"

Er begann seinen Dienst am Christenvolke im benachbarten Blog "ZiB21", bevor er aus Gewissensgründen zum EVOLVER wechselte. Bei uns läßt er jetzt gelegentlich wortgewaltige Predigten los - und der Vollständigkeit halber wiederholen wir jetzt die ersten sechs seiner sonntäglichen Episteln auf unseren Seiten. Am Samstag. Diesmal gibt’s die Episode vom 28. März 2009.