Stories_Plakativ: The Good, The Bad & The Weird/Selbst ist die Braut

Von Bräuten und Pferden

Diese Woche treiben es nicht nur die Koreaner im Wilden Westen bunt - auch Sandra Bullock ist bereit, für ihre Karriere jede Schandtat zu begehen.    31.07.2009

The Good, The Bad and The Weird


Was wir sehen: Auf diesem Plakat ist eine Menge los. Es sprühen Funken, ein Adler fliegt durch die Luft, im Hintergrund jagen Cowboys auf Pferden und Rocker auf Harleys hinter jemandem her. Eine Eisenbahn fährt durchs Bild, und im Mittelpunkt stehen drei Männer, die verwegen aussehen. Der links trägt typische Westernkleidung mitsamt Handschuhen, Hut und Knarre; der mittlere schwarzen Anzug, stylishen Haarschnitt und eine reich verzierte schwarze Pistole; der dritte im Bunde ein Flieger-Outfit und gleich zwei Knarren in der Hand, aus denen Rauchschwaden aufsteigen. Sie stehen hinter einer von Pistolenschüssen zerlöcherten Landkarte.
Dazu gibt´s den Filmtitel und den Untertitel "Drei Outlaws/Ein Plan/Keine Gefangenen".


Worum
es augenscheinlich geht: Asien-Action im Wilden Westen? Drei Cowboys auf der Jagd nach einem Schatz, hinter dem auch noch andere her sind. Und keiner zeigt Gnade.


Worum es tatsächlich geht: Do-won, Chang-yi und Tae-goo sind Banditen bzw. Kopfgeldjäger in der Mandschurei der 30er Jahre (!). Alle arbeiten eigentlich allein, aber leider haben sie diesmal das gleiche Ziel: eine Karte, auf der ein geheimnisvoller Ort verzeichnet ist - und den wollen alle erreichen. Dabei sind sie in ihren Methoden nicht zimperlich. Wer wird die Oberhand gewinnen und den rätselhaften Ort als erstes erreichen? Und ist dort wirklich etwas Wertvolles zu finden?

Der Trailer verspricht Action und Humor im Tarantino-Stil. Dementsprechend dünn wird wohl auch die Story am Ende sein - spaßig sieht das aber allemal aus.


Zum Plakat: Meine erste Assoziation war tatsächlich ein Western - und zwar nur auf Grund der Farbgebung. Genau die gab es nämlich schon einmal: beim Film "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford".

Natürlich geben auch Kleidung und Accessoires der Abgebildeten den Hinweis darauf, daß es hier um schießwütige Cowboys und/oder Banditen geht. Auf den dritten Blick zur Tagline ist dann (fast) alles klar.

Obwohl das Plakat so vollgestopft ist, finde ich die Anordnung der Elemente gelungen. Die drei Hauptpersonen stehen im Vordergrund und werden durch den Schriftzug und die Karte zusammengehalten. Der blaue Himmel läßt genug Platz, sodaß das Poster übersichtlich bleibt. Wenn man mag, kann man sich den Hintergrund genauer ansehen, wirklich nötig ist es nicht; einen Eindruck von Schnelligkeit und Action bekommt man durch die optischen Gimmicks (Pistolenrauch, Funken) auch so.

Der Schriftzug scheint mit Liebe gemacht; er weckt durch Farbgebung und Typographie eine Retro-Anmutung, gelangt aber durch die 3D-Umsetzung und die Zündschnur-Optik unten rechts ins Jetzt und zeigt, daß die Action im Film nicht von gestern ist. Die Blendenflecke im Hintergrund scheinen zwar zuviel des Guten, insgesamt sieht man dem Plakat jedoch an, was einen erwartet: eine Komödie, in der scharf geschossen wird - mit hohem Coolness-Faktor.

 


 


Selbst ist die Braut


Was wir sehen: weißer Hintergrund, mit dem Filmtitel "Selbst ist die Braut" ganz komödientypisch in schwarz/rot gesetzt. Am linken Rand des Plakats spielt sich alles ab: Da steht ein Mann, von einer Frau an die Wand gepreßt, und schaut uns (übertrieben) erwartungsvoll/ängstlich an; die Dame sieht uns ebenfalls an, mit einem leicht spöttischen Lächeln im Gesicht. Sie hält dem Kerl eine Schatulle mit einem Ring vors Gesicht. Dazu noch der Untertitel "Sie müssen die Chefin jetzt küssen ..."


Worum es augenscheinlich geht: Dieses Poster läßt wirklich keine falschen Schlüsse zu. Es geht offenbar um eine Chefin, die ihren Untergebenen - der damit nicht so ganz einverstanden ist - zur Hochzeit zwingt.


Worum es tatsächlich geht: Margaret Tate (Sandra Bullock) ist eine ehrgeizige und völlig überraschend zickige Lektorin, die ihren Untergebenen das Leben schwer macht. Besonders ihr Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds) leidet unter ihren Launen.
Als eines Tages das Visum der Kanadierin ausläuft, hilft nur noch eines: Margaret muß einen Amerikaner heiraten. Und wer wäre besser geeignet als ihr Assistent, der sie nicht leiden kann? Völlig überraschend verlieben die beiden sich nach endlosen Streits und peinlichen Situationen schließlich ineinander und - ups, da habe ich jetzt aus Versehen das Ende verraten. Sorry.

Zum Plakat: Wenn man den Gestaltern Glauben schenken darf, präsentieren folgende Eigenschaften amerikanische Komödien am besten:


- ein weißer, neutraler Hintergrund
- die Schriftart Helvetica, bei der Teile des Titels, der Darstellernamen und andere Infos in einem 100%-Rot erscheinen
- ein Studioshot der Hauptdarsteller, die in einer eindeutigen Pose die Prämisse der Story zeigen
- eine Tagline, die einen weiteren Teil der Story verrät

 

Anders ausgedrückt: an diesem Plakat ist nichts Ungewöhnliches - was gut dazu paßt, daß auch die Story Screwball-Comedy-Standard ist. Hier gibt es keine Überraschungen, bitte gehen Sie weiter! Im Trailer sehen wir einige niedliche und lustige Momente, und in einem schwachen Mädchenmoment wäre der Film wahrscheinlich auch für mich das Richtige - zumal Sandra Bullock und Ryan Reynolds wirklich was fürs Auge bieten.

Gestalterisch ist das Plakat solide. Die Blickführung stimmt und wird durch den roten Akzent der Ringschatulle unterstützt, der Weißraum ist großzügig und lenkt den Blick zum Wesentlichen. Die Schrift ist so angeordnet, daß man sie schnell erfaßt. Zum Glück hat man die Darsteller nicht übertrieben gephotogeshoppt (wobei die Haltung von Frau Bullock schon fragwürdig sein könnte und sicher durch den aufgepumpten Hintern betont wird). Daß Ryan Reynolds gegen die Wand (bzw. den Rand des Plakats) gedrückt wird, stellt ein für das Auge angenehmes Spannungsverhältnis her. Natürlich ist die Pose der beiden extrem künstlich und sicher darin begründet, daß sie unbedingt den Zuschauer anschauen müssen; ich frage mich, wie eine Profilansicht dieser Situation gewirkt hätte? (Lustiger Mädchen-Fakt: Sandra Bullock trägt Schuhe von Louboutin, erkennbar an der roten Sohle, die damit ebenfalls die Akzentfarbe aufgreift.)

Insgesamt also ein nettes Standardplakat für eine nette Standardkomödie. You get what you see. Und das ist heutzutage schon viel wert ...

 

 

 

C. Franziska Richter

Kommentare_

Kommentar verfassen

Stories
Plakativ: G. I. Joe/Coco Chanel

Dunkles Leder und das "Kleine Schwarze"

Diese Woche dreht sich in unseren Plakatanalysen alles um martialische Ganzkörperanzüge und sexy Abendkleider - in zwei verschiedenen Filmen.  

Stories
Plakativ: Zerrissene Umarmungen/Public Enemies

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst ...

Erblindete Regisseure und charismatische Gesetzesbrecher stehen diesmal im Mittelpunkt unserer wöchentlichen Plakatanalyse. Schauen Sie sich das an!  

Stories
Plakativ: The Good, The Bad & The Weird/Selbst ist die Braut

Von Bräuten und Pferden

Diese Woche treiben es nicht nur die Koreaner im Wilden Westen bunt - auch Sandra Bullock ist bereit, für ihre Karriere jede Schandtat zu begehen.  

Stories
Plakativ: Che Teil 2 - Guerilla/Edge of Love

Rebellenbärte und Frauenlippen

Benicio del Toro spielt wieder Revoluzzer, während zwei Damen lieber die Dreiecksbeziehung erkunden. Die EVOLVER-Expertin nimmt die dazugehörigen Plakate unter die fachkundige Lupe.  

Stories
Plakativ: Harry Potter/Birdwatchers

Unterhaltung vom Fließband

Alle Jahre wieder ein neuer "Harry Potter" ... Wir schauen lieber den Vögeln zu und überlassen die Plakatanalyse wie jede Woche der Dame mit dem Blick fürs Detail.  

Stories
Plakativ: Brüno/Kommissar Bellamy

A Man With A Dildo

Der immer dickere Gerard Depardieu schleppt sich durch einen weiteren Film. Außerdem: Ein schwuler Kärntner erobert Hollywood. Wenn das der Jörg noch miterlebt hätte ...