Video_Blu-ray-/DVD-Tips 3/2014

Bye, bye, A.I.?

Der große, böse Wolf kommt neuerdings aus Israel, Roy Battys Low-Budget-Nachfolgerin dafür aus Großbritannien. Dazwischen tummeln sich die Anarcho-Trickfilmfiguren Ren und Stimpy, US-Sexualforscher sowie jede Menge Genrekost.    17.06.2014

Jürgen Fichtinger

The Machine

ØØØ 1/2

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(GB 2013/Region 2/Splendid Film/WVG)

 

Hängen Ihnen diese ganzen überproduzierten und glatt polierten Science-Fiction-Langweiler auch schon zum Hals raus? Finden Sie, daß der bereits oft erzählte Konflikt "Mensch vs. künstliche Intelligenz" immer noch nicht langweilig wird? Wenn Sie beide Fragen mit "Ja" beantworten, dann ist der walisische Low-Budget-SF-Streifen "The Machine" genau das richtige für Sie. Nachwuchsregisseur Caradog W. James erzählt darin von einer Zukunft, in der das britische Militär den Chinesen den Garaus machen will. Und weil die im Kampf eingesetzten Humanressourcen immer wieder Defekte erleiden, setzt man ihnen kurzerhand in alter Cyberpunk-Tradition Implantate ein. Gleichzeitig forscht Wissenschaftler Vincent (Toby Stephens, derzeit im TV für "Black Sails" unter falscher Flagge unterwegs) an der Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz. Als man diese schließlich in einen ebenso künstlichen Körper (Caity Lotz als Ava) gesteckt hat, denkt sie dem Militär zuviel. Den Rest können Sie sich wiederum denken ...

Trotz einiger erzählerischer Schwächen und fehlender Überraschungen in Sachen Handlung erinnert "The Machine" streckenweise an 80er-Jahre-Streifen wie "Hardware" oder sogar "Blade Runner". Doch wo Skynet, HAL oder Colossus eine Bedrohung für die menschliche Spezies darstellen, drückt man den Maschinenmenschen in diesem charmanten B-Movie die Daumen und wünscht ihnen Träume von elektrischen Schafen. Apropos Daumendrücken: Die zweite Staffel rund um die schwedischen Hubots in "Real Humans" ist mittlerweile auch schon angelaufen.

 

Links:

Die Ren & Stimpy Show - Die komplette Serie

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(USA 1991-1996/Region 2/Turbine Classics)

 

Anfang der 90er Jahre - erstaunlich, wie lange das schon wieder her ist - erlebte der Zeichentrick-Irrsinn im Fernsehen seine letzte große Hochphase: Da startete nämlich im US-Sender Nickelodeon die Serie "Ren & Stimpy", die zwar eigentlich für Kinder gedacht war, aber von der ersten Sekunde an auch ein Twen- und Erwachsenenpublikum begeisterte (vor allem dann, wenn besagtes Publikum vor dem Gehirnwäschegerät gern dem vernünftigen Gebrauch von Freizeitdrogen frönte). Die Erlebnisse des Duos Ren Höek, eines cholerischen Chihuahua mit Asthmaanfällen, und Stimpson J. Cat, eines fetten, gutherzigen und strohdummen Katers, waren so irre, surreal, gnadenlos witzig, geschmacklos, brutal und voller sexueller Anspielungen, daß die lieben Kleinen zwar zuschauten, aber keine Ahnung hatten, warum ihre Eltern daneben dauernd so blöd kicherten ...

Erfunden hatte die Serie der kanadische Animationsspezialist John Kricfalusi, der - wie man beim Zusehen merkt - unter anderem sehr vom Pionier des Absurden Tex Avery inspiriert war. Er und sein Zeichentrickstudio Spümcø erdachten Gags wie den von den Baumlangusten und dem Superhelden Powdered Toast Man, ließen Ren und Stimpy den ultrabrutalen und zum Schreien lustigen "Happy Happy Joy Joy"-Tanz hinlegen, brachten zwischendurch Werbeeinschaltungen über die beste Katzenstreu der Welt oder das Kinderspielzeug "Log", ein multifunktionales Holzscheit. Kein Wunder, daß der Sender - der wie alle Massenmedien zu dieser Zeit mehr und mehr unter die Kontrolle von ahnungslosen Buchhaltern geriet - bald in Panik geriet und Kricfalusi nach zwei Staffeln seine eigene Serie wegnahm. Die Staffeln drei bis fünf, "erstellt" vom Nickelodeon-hauseigenenen Studio Games Animation, sind dann zwar auch noch durchaus witzig und schlagen locker alles, was "Spongebob" & Co. je hervorbrachten, aber das chaotisch-anarchische Feeling der Anfangszeit fehlt leider. Dennoch muß man "Ren & Stimpy" einfach haben - und zwar nicht nur, weil sie so etwas wie Vorläufer von "Beavis & Butthead" (immer noch genial!) und "South Park" (immer noch Mist für Ironiebrillenträger) waren.

In der vorliegenden Edition ist die komplette Serie enthalten, ungeschnitten, im Original und in deutscher Synchronisation sowie mit ca. 50 Minuten Bonusmaterial (wobei der echte Fan weiß, daß im Internet noch ein paar Stunden mehr herumschwirren ...). Auch die bisher nicht im deutschsprachigen Fernsehen gezeigte Episode "Man´s Best Friend" ist drauf. Für Einsteiger unverzichtbar, für Sammler eine höchst brauchbare offizielle Edition.

"It´s better than bad - it´s good!"

 

Links:

Big Bad Wolves

ØØØ 1/2

Import-Tip: USA

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(Israel 2013/Region 1/Magnolia Home Entertainment)

 

Manche Themen eignen sich eigentlich nicht für Komödien. Pädophilie und Kindermord zählen definitiv dazu. Trotzdem gelingt es dem israelischen Regieduo Aharon Keshales und Navot Papushado, beide gekonnt in ihre Story zu integrieren und uns eine tiefschwarze Antwort auf Denis Villeneuves "Prisoners" zu liefern.

 

 

 

Links:

Fast Forward


Blutgletscher

(Ö 2013/Region 2/Koch Media)

ØØ

 

Der Slogan "Österreichs Antwort auf 'Das Ding aus einer anderen Welt' " prangt auf dem DVD-Backcover dieses heimischen Horrorfilms. Angesichts des hanebüchenen Drehbuchs und der teils lächerlichen Creature-Effekte wäre Österreich besser still geblieben. Dabei hätte man aus der Geschichte mit etwas script doctoring durchaus eine kurzweilige Genreproduktion machen können.

 

Michael Kohlhaas

(D/F 2013/Region 2/Polyband/WVG)

ØØ1/2

 

Manche Filme kann nicht einmal Mads Mikkelsen retten. Arnaud des Pallières´ pittoresk abgelichtete Kleist-Verfilmung "Age of Uprising: The Legend of Michael Kohlhaas" ist leider einer davon.

 

Insidious: Chapter 2

(USA 2013/Region 2/Sony Home Entertainment)

ØØØ

 

James Wan hat endlich erkannt, daß selbst die schärfste Säge irgendwann besser im Werkzeugkasten bleibt und beglückt Grusel-Fans daher in den letzten paar Jahren lieber mit gelungener Genrekost wie "The Conjuring" und "Insidious". Zu letzterem kann man sich auch guten Gewissens das Sequel auf DVD zu Gemüte führen, wie bereits die Herren Hiess und Hübner anläßlich des damaligen Kinostarts festgestellt haben.

Links:

Masters of Sex - Season 1

ØØØØ

Leserbewertung: (bewerten)

(USA 2013/Region 2/Sony Home Entertainment)

 

Wenn es mittlerweile etwas Langweiligeres als explodierende Städte oder Zeitlupenschießereien auf der Leinwand zu sehen gibt, dann sind das wohl Sexszenen - es sei denn, sie sind Bestandteil der Showtime-Serie "Masters of Sex". Die erzählt nämlich die Geschichte der beiden Forscher William Masters und Virginia Johnson, die im Amerika der 50er Jahre die menschliche Sexualität genauer unter die Lupe genommen haben. Das Ergebnis ist solide erzählt, gekonnt in Szene gesetzt und eignet sich hervorragend für einen Serienabend, als Double Feature mit "Mad Men".

 

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Klaus Hübner - 09.07.2014 : 22.23
REN & STIMPY!!!!!! Unvergesslich... absolutes Muss!

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