Männertrip
ØØØ
Get Him to the Greek
USA 2010
109 Min.
Regie: Nicholas Stoller
Darsteller: Jonah Hill, Russell Brand, Elisabeth Moss u. a.
Wie macht man sich in der Musikindustrie zum Deppen? Ganz leicht: Dabeisein ist alles. Da braucht man kein Absinth-Doping und keine Gespräche über Gehirnpenetration. Trotzdem versucht Nicholas Stoller zu persiflieren, was sich ohnehin schon selbst verarscht - da beißt sich die Katze zwangsläufig in den Schwanz. 29.12.2010
Aaron Green, ein kleiner Angestellter bei einer Plattenfirma, hat das große Los gezogen: Er darf seinen persönlichen Superstar Aldous Snow in London abholen und zu dessen großem Comeback ins Greek Theatre nach L.A. bringen.
Der hat es auch dringend nötig: Sein letztes Album war ein Flop, seine Freundin ist mit Metallica-Drummer Lars Ulrich durchgebrannt, und er selbst hängt wieder an der Nadel. Trotz der überfälligen Generalsanierung von Aldous' Image ist es nicht leicht, den abgehalfterten Star in die Staaten zu bringen: Lieber säuft und vögelt sich der Rocker durch die Londoner Nachtclubs und zieht den molligen Tolpatsch Aaron mit hinein ins turbulente Highlife. Dem ist es recht: Er hat gerade seine Freundin an einen neuen Job in einer anderen Stadt verloren und freut sich, als ihm Aldous willige Groupies überläßt.
Eine Drogenorgie, einen Dreier und eine unschöne Dildo-Szene später wird Aaron (Jonah Hill) jedoch klar, daß die große Musikindustrie auch nicht grad das Gelbe vom Ei ist; nur ein Indie-Label kann die Antwort sein. Natürlich mit Aldous' williger Unterstützung; denn nach 90 Minuten hat sich das ungleiche Paar erwartungsgemäß angefreundet und Aldous (Russell Brand) erkennt wieder, worum es im Leben wirklich geht: Um die Fans, was sonst.
Mit "Männertrip" haben die deutschen Verleiher wie üblich einen ebenso dummen wie irreführenden Titel gewählt: Die beiden Protagonisten sind zwar auf einem Trip, der spielt sich jedoch im Kopf ab, nicht am Asphalt. Das ist aber auch schon egal bei einem Drehbuch, das Szenen vorzugsweise als Drogen-Mixed-Tape enden läßt, wie es der Zuschauer spätestens seit "Fear and Loathing in Las Vegas" schon einmal gesehen hat. Und jener Film war geistreich im Vergleich zu dieser Mediensatire, die die Klischees ungeniert übereinanderschichtet.
"Männertrip" hat zwar durchaus seine witzigen Momente; aber wenn Aaron sich mitten in der Wartehalle eines Flughafens das Heroin in den Hintern schiebt, wird's ungustiös. Und wie es wieder rauskommt, ist sogar noch unappetitlicher. Analfixiert geht es dann auch weiter, und wenn der Vater des Rockstars und der Plattenchef einander mit Glasschüsseln bewerfen, versandet der Film endgültig im hysterischen Slapstick.
Der Soundtrack ist gut, allerdings mäßig originell: Bei der Ankunft in London wird "London Calling" gespielt, und bei der anschließenden Orgie "Anarchy in the UK" - na geh, wirklich? Ob die Ähnlichkeit mit dem Musikstreifen "Almost Famous" Absicht ist oder nicht, bleibt unklar; jedenfalls springt Aldous ebenfalls vom Dach in den Pool - trifft aber das Becken nicht ganz und bricht sich den Arm. Ähnliches gilt für den Film insgesamt: Knapp vorbei ist auch daneben.
Wenigstens sind die Darsteller sympathisch: Russel Brand gibt nach "Nie wieder Sex mit der Ex" erneut seine Paraderolle - egoistisch, dekadent, saudumm, aber immerhin charismatisch. Er hat zwar über weite Strecken den Mund offen, auch wenn er gar nicht redet, aber das paßt perfekt zum Thema "Helden von heute" und stört nur die unerschütterlichsten Ästheten unter den Zusehern.
Ihm gegenüber steht als gutmütiger Trottel Jonah Hill, der schon in "Superbad" sein komödiantisches Talent bewies. In "Männertrip" mimt er den perfekten Masochisten, der sich anscheinend grenzenlos demütigen läßt, bevor er endlich ein wenig Rückgrat beweist.
Womit auch das Kernthema des Films umrissen wäre: Wer berühmt ist, darf sich alles erlauben - und wer im Schatten des Ruhmes vorankommen will, muß es sich gefallen lassen.

Männertrip
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