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Schmauchspuren #60

Wenn Worte töten könnten, dann hätten es Krimileser gar nicht leicht ... Noch aber beschleunigen sie nur unseren Puls, in Technothrillern, spannenden Söldner-Actionfilmen und genialen Junkie-Dramen. Peter Hiess hat das Risiko auf sich genommen.    18.09.2017

Peter Hiess

Max Barry - Lexicon

Heyne Hardcore 2014

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Irgendwann spricht einer ein Machtwort - und dann ist alles aus. Zumindest die Welt, wie wir sie bisher gekannt haben ... In "Lexicon", dem neuen Buch des Australiers Max Barry, wird die Erde wieder einmal von einer geheimnisvollen Organisation bedroht, deren psychopathischer Anführer alles unter seine Kontrolle bringen will, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber davon weiß Wil gar nichts, als er in Chicago auf der Flughafentoilette von zwei Typen zusammengeschlagen wird und eine Nadel ins Auge gesteckt bekommt. Er hält sich für einen ganz normalen Handwerker, doch die Entführer, die ihn in eine rasante Orgie aus Verfolgungsjagden und Gewalt hineinziehen, versichern ihm, daß er die entscheidende Figur in einem geheimen Krieg sein könnte. Parallel dazu bekommt der Leser die Geschichte der jungen Emily erzählt, die von der Straße weg in eine Akademie aufgenommen wird, wo sie lernt, mittels Sprache zu manipulieren - und zwar nicht so wie diese NLP-Widerlinge, sondern richtig: Wer die richtigen Worte kennt (und die kriegt man in dieser Schule von Lehrern mit Dichterpseudonymen beigebracht), kann Menschen problemlos seinen Willen aufzwingen. Wie das alles weitergeht und neben der Krimihandlung auch noch eine Liebesgeschichte Platz hat, müssen Sie schon selber lesen. Es zahlt sich aus ... und Sie werden die Sprachmanipulation durch Massenmedien und Politiker danach vielleicht mit anderen Augen sehen/lesen.

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Jim Nisbet - Der Krake auf meinem Kopf

Pulp Master 2014

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"Sal 'The King' saß in einem Glaskasten im hinteren Teil des Ladens am Schreibtisch, in einer Atmosphäre, die nach einem Kabelbrand roch, den man mit Sojasauce gelöscht hatte."

Sätze wie diesen darf man sich als Noir-Fan erwarten. Und der Amerikaner Jim Nisbet, dessen Romane aus dem dunklen Underground des Verbrechens nie enttäuschen, liefert solche Sprüche auch in seinem neuen Roman "Der Krake auf meinem Kopf" zur Genüge. Aber nicht nur das: Die Handlung um den Ex-Punk Curly Watkins (dem mit der Tintenfisch-Tätowierung auf der Glatze), der sich mittlerweile als Gitarrist in kleinen Jazzclubs durchschlägt und durch einen Exkollegen in Schuldeneintreiberei, Drogenkonsum und Mordsachen verwickelt wird, begeistert durch die sinnlos-intellektuell mäandernden Junkie-Dialoge seiner Personen, das Porträt eines zunehmend verkommeneren Amerika - und einen Serienkiller, der anfangs sattsam bekannten Klischees zu entsprechen scheint, bis er sie alle in genialer Weise auf den Kopf stellt. Pflichtlektüre.

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Don Winslow - Missing. New York

Droemer 2014

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Das kann man von "Missing. New York", dem neuen Roman von US-Bestseller-Autor Don Winslow (dem ersten nach seinem deutschen Verlagswechsel) nicht unbedingt behaupten. Die Story um den Kleinstadt-Cop Frank Decker, der auf der besessenen Suche nach einem vermißten Mädchen Heimat, Job und Ehefrau zurückläßt, ist zwar routiniert erzählt, bietet aber kaum Überraschendes. Außer vielleicht die harte, schöne schwarze Polizistin aus der tiefsten Ami-Provinz, die ihrem Ärger mit den unsterblich blöden Piefke-Worten "Ich glaube, es hackt!" Ausdruck verleiht ... Ansonsten darf man gespannt sein, ob Winslow mit den nächsten Bänden seiner geplanten Serie um Decker wieder die Qualität von "Tage der Toten" erreicht.

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Robert Crais - Gesetz des Todes

Heyne 2014

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Ein wahrer Profi wie Robert Crais hat es da schon weniger schwer, das Niveau zu halten. In "Gesetz des Todes" läßt er seine Helden Elvis Cole und Joe Pike wieder in Aktion treten - wobei die Betonung diesmal auf Aktion und dem Ex-Söldner-Black-Ops-harten-Hund Pike liegt. Als einer seiner ehemaligen Kriegskameraden nämlich samt Familie von der Serbenmafia hingerichtet wird, schwört Joe Rache und mischt das organisierte Verbrechen in L. A. ordentlich auf. Auf die in vielen Büchern bewährte Ermittlungsarbeit von Cole müssen wir diesmal zwar fast ganz verzichten, aber dafür sind wir wieder einmal dabei, wie ein Mann rot sieht. Und dafür ist es eh höchste Zeit ...

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Patrick Lee - Mindreader

rororo 2014

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Patrick Lee, der passionierten Phantastiklesern längst bekannt sein dürfte, hat mit "Mindreader" einen schnellen Roman geschrieben, der zwar ebenfalls Science-Fiction-Elemente hat, aber auch als Thriller bestens funktioniert. Der Veteran Sam Dryden (einer der üblichen US-Militär-Superhelden) trifft beim Joggen eine Zwölfjährige, die von bewaffneten Männern gejagt wird. Er setzt seine Mordstalente ein, flüchtet mit ihr, wird durchs halbe Land gejagt und deckt eine Geheimdienstintrige auf: die Aufzucht von Gedankenlesern. Auch das Mädchen Rachel ist so eine, erinnert sich aber erst nach und nach daran. Und bald wird klar, daß sie Gedanken nicht nur lesen, sondern auch manipulieren kann - und Sam ihr keineswegs zufällig über den Weg gelaufen ist. Auch hier Action und Verschwörungen in einer Cyber-Welt mit totaler Überwachung: ein Technothriller, der selbst technische Untalente mitreißt.

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