Literatur_Michel Houellebecq - Gegen die Welt, gegen das Leben

Misanthropen unter sich

Ein französischer Langweiler versucht sich essayistisch an einer Horrorlegende. Man muß nicht alles lesen.    27.01.2003

Bei der allerersten, 1991 erschienenen Publikation Houellebecqs, die nun ins Deutsche übertragen wurde, handelt es sich ausgerechnet um einen umfangreichen Essay zu Lovecraft, dem 1890 geborenen Meister fantastischer Horrorliteratur. Die Überraschung darüber rührt allerdings eher von den unterschiedlichen literarischen Hervorbringungen der beiden Autoren denn von unterschiedlichen Geisteshaltungen.

Was letztere betrifft, stimmen die beiden - so sehr einem das für Lovecraft auch leid tun mag - nämlich weitgehend überein. Dazu genügt es, die ersten Sätze des Essays ("Das Leben ist schmerzhaft und enttäuschend. Folglich ist es nutzlos, neue realistische Romane zu schreiben.") einem Lovecraftschen Diktum gegenüberzustellen: "Ich bin der Menschheit und der Welt so überdrüssig, daß mich nichts interessieren kann, wenn es nicht wenigstens um namenlose Schrecken geht, die aus äußeren Welten kommen."

Houellebecq zeichnet ein liebevolles Porträt des puritanischen und lebensunfähigen Gentleman und spart dabei auch den gegen ihn erhobenen Rassismusvorwurf nicht aus - ein Vorwurf, dem sich heute auch der Essayist ausgesetzt sieht. Ursprünglich als Essay über HPL geschrieben, wird das Buch heute wohl eher als literarisches Manifest des Michel Houellebecq gelesen - dementsprechend ist auch der Name "Lovecraft" aus dem Titel verschwunden (siehe Originaltitel).

Reinhard Ebner

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Michel Houellebecq: Gegen die Welt, gegen das Leben

ØØØ

H. P. Lovecraft. Contre le monde, contre la vie

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DuMont Literatur und Kunst (D 2002)

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