Print_Hörbuch-Tips 1/07

Wer fühlen will, muß hören

Horror, Thrill, Humor: Mit den sommerlichen Hörbuch-Tips spielen wir ordentlich Gefühlsklavier - und das insgesamt 1722 Minuten lang. Außerdem haben wir etwas zu verschenken. Aber lesen Sie selbst.    04.09.2007

Reinhard Ebner

Patricia Highsmith - Der süße Wahn

(The Sweet Sickness)


6 CDs mit 458 Minuten Laufzeit

 

(ADACmotorwelt Krimi-Edition 2007)

 

Der deutsche Autofahrerclub ADAC sorgt sich offenbar nicht nur um seine Schäfchen, sondern auch darum, ob die beim Kilometerfressen ausreichend abgelenkt sind. Zu diesem Zweck hält man die kleine und ausgesprochen wohlfeile Hörbuchsammlung "Krimis für unterwegs" bereit.

Echte Entdeckungen wird man darin nicht machen, aber die Reihe enthält manch hörenswertes Stück. Neben Jakob Arjounis Kayankaya-Krimi "Mehr Bier" zählt dazu die Hörfassung von Patricia Highsmiths Roman "Der süße Wahn". Wie viele andere Bücher der großen Highsmith ist das Werk weniger ein klassischer Krimi als ein psychologisches Lehrstück der bitterbösen Sorte.

Zur Handlung: Obwohl er als Ingenieur bestens verdient, lebt David sehr bescheiden in einer billigen Pension. An den Wochenenden dagegen führt er in einem teuer eingerichteten Eigenheim ein heimliches "Eheleben", in einer anderen Stadt unter anderem Namen. Der Schönheitsfehler: Das Weibchen fehlt, die Angebetete hat einen anderen geheiratet.

Klar, daß das nicht so stehenbleiben kann, und klar auch bei einer Autorin wie Highsmith, daß das daraus resultierende, mörderische Drama bis zur letzten Konsequenz erzählerisch ausgekostet wird. Sehr viel Spannung für sehr wenig Geld (9,90 Euro)!

Links:

Max Goldt - Für Nächte am offenen Fenster


2 CDs mit 152 Minuten Laufzeit

 

(HörbuchHamburg 2006)

 

Der Brachialkomiker Max Goldt sollte ja eigentlich mit einem Bücherverbot belegt werden. Zwar führen auch seine gedruckten Sachen zu unkontrollierten Zuckungen beim Lesen, aber erst, wenn man den Mann live erlebt hat, weiß man, was einem entgangen ist. Leider sind Goldts kurzweilige Leseauftritte notorisch ausverkauft; zur Not muß man daher zur CD greifen.

Für den Einstieg am besten geeignet ist "Für Nächte am offenen Fenster", die gleich deren zwei mit 150 Minuten Gaudium bietet. Die meisten der Texte entstammen dem gleichnamigen Best-of-Band, darüber hinaus findet sich noch das eine oder andere Goodie unter den Aufnahmen: etwa die fünfminütige Ab- und Ausschweifung "Üble Beläge", die einem den Genuß von Weizenbier gründlich verleiden kann. Geschrieben wurde der Text vermutlich nur, damit der Autor das "Ä" in den "Belägen" zu wiederholten Malen beim Vorlesen äääkelerregend in die Länge ziehen kann (ja, auch das geht). Immerhin hat Goldt schon einmal ein ganzes Buch geschrieben, das nur diesen Umlaut im Titel trägt.

Links:

Brian Lumley - Necroscope. Band 5. Totenwache


4 CDs mit 313 Minuten Laufzeit

 

(LPL Records 2006)

 

Tote Hose statt heiße Ohren, hieße es für das Horror-Hörbuch - gäb´s da nicht LPL Records. Der Verlag von Lars Peter Lueg kann regelmäßig mit so gar nicht verschmuddelter, sondern überraschend professionell aufbereiteter Ware für Feinschmecker des Grauens aufwarten. Zu den Großprojekten zählen etwa "Offenbarung 23" (siehe den "Schlaflos"-Test im EVOLVER), "Necrophobia" ("Die besten Horrorgeschichten der Welt") und Brian Lumleys Vampirsaga "Necroscope".

Für die akustische Umsetzung letzterer sorgt Produzent Andy Matern, der auch für das beste Hörbuch des Jahres 2003 ("Der Cthulhu-Mythos") verantwortlich zeichnete. Als Sprecher fungiert Lutz Riedel (assistiert von David Nathan), besser bekannt als die deutsche Stimme von Timothy Dalton - ein einschmeichelndes Sprechorgan, dem man gern das eine oder andere Stündchen lauscht.

Bewaldete Berghänge in Rumänien, ein Totenhorcher, der die Untoten mit Hilfe seiner - eigentlich dahingeschiedenen - Freunde bekämpft und ein britisches Vampir-Dezernat: Auch Band 5 der Reihe inszeniert einen Endkampf zwischen den Lebenden und den Toten, bei dem die Grenzen zwischen den beiden Bereichen schon mal verschwimmen können. Übrigens - wer´s gar nicht aushält: Im Festa-Verlag ist mittlerweile bereits der 19. Band aus der Reihe des britischen Bestseller-Autors erschienen.

Links:

H. P. Lovecraft - Jäger der Finsternis

(The Haunter of the Dark)


4 CDs mit 310 Minuten Laufzeit

 

(LPL Records 2007)

 

"Die Musik des Erich Zann", "In der Gruft", "Das Bild im Haus", "Träume im Hexenhaus" ... diese LPL-Sammlung bietet so etwas wie ein "Best of the Best" der Lovecraft-Erzählungen als Hörbuchfassung. Gelesen wird das - wie so oft - von David Nathan, der als TV-Synchronstimme von Christian Bale auch fürs Horror-Hörbuch keine schlechte Wahl ist.

Der sechste Lovecraft aus der LPL-Reihe setzt atmosphärische Musik zur Untermalung der einzelnen Storys ein, und mit Musik startet auch die Sammlung auf vier CDs, nämlich mit jener des Erich Zann, der sich im obersten Stockwerk eines baufälligen Gebäudes in eine andere Dimension fiedelt. Passend für jene, die sich die Hörstücke zu später Stunde zu Gemüte führen: Den Abschluß machen die "Träume im Hexenhaus", die manchem vielleicht tatsächlich solche bescheren könnten.

Die vorliegende Kollektion ist ein Must für audiophile Lovecraft-Fans (womit wir eine neue, Marketing-technisch bedeutsame Zielgruppe kreiert hätten). Wer gerade knapp bei Kasse ist, bekommt den CD-Schuber vom EVOLVER geschenkt. Gemeinsam mit LPL Records verlosen wir drei Exemplare von "Jäger der Finsternis".

Links:

Michael Baigent/Richard Leigh - Der Tempel und die Loge

(The Temple and the Lodge)


5 CDs mit 359 Minuten Laufzeit

 

(Lübbe Audio 2006)

 

Mein Gott, ist das öd! "Am 22. Juli 1298 ... moderne Historiker stimmen darin überein ... im Juni 1311 ..." und so weiter. Im trockenen Wust aus Jahreszahlen, Namedropping und historischem Material verliert man schon einmal die eigentliche Aussage, die Michael Baigent und Richard Leigh mit ihrem Buch anpeilen, aus dem Auge.

Also ein Blick auf den Klappentext: Ach ja, es ging darum, eine Verbindung zwischen den Tempelrittern und den Freimaurern zu konstruieren. Wen interessiert das eigentlich? Und warum mußte es zu allem Überfluß auch noch als Hörbuch aufbereitet werden? Für die Analphabeten unter den Verschwörungstheoretikern? Denen seien die fünf CDs (gekürzte Buchfassung!) hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

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Edgar Allen Poe - Visionen


(Lübbe Audio 2006)

 

Es heißt, die Horrorfilmlegende Christopher Lee spreche acht Sprachen. Trifft sich gut, daß darunter auch Deutsch ist, denn für Lübbe Audio trägt Dracula und Dr. Fu Man Chu in Personalunion Gedichte von Edgar Allen Poe vor. Es bleibt nicht beim Vortrag - für stimmige Musikuntermalung sorgt das Berliner Filmorchester.

Lee ist nicht die einzige, aber eine der bemerkenswertesten Stimmen, die man für das Projekt einer Vertonung von Poes lyrischem Werk gewinnen konnte. Beispielhaft seien etwa Jan Josef Liefers, Kai Wiesinger, Gudrun Landgrebe und Iris Berben erwähnt. Ergänzt wird dies durch moderne Musikstücke, die von Poe inspiriert wurden. FM Einheit, der Drummer der Einstürzenden Neubauten, feiert etwa den Eroberer Wurm, und mit Subway to Sally wird´s "Finster, finster".

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