Kino_Film-Tips Jänner 2014 / Teil 1

Allein auf hoher See

Das Filmjahr fängt ja gut an - so finster das Leben auch manchmal ist: Aus Deutschland kommt eine schwarze Komödie von einem, den die Gutmenschen aufs Korn genommen haben. Robert Redford spielt einen Schiffbrüchigen, für den alles verloren scheint. Und Vampire sind endgültig im Arthouse gelandet, womit für die Kino-Blutsauger wohl wirklich alles verloren ist ...    24.12.2013

EVOLVER-Redaktion

Finsterworld

(Foto: Alamode Filmverleih)

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Filmstart: 10. Jänner

 

Die positive Überraschung zu Beginn des neuen Kinojahrs: ein Film aus Deutschland, so überrumpelnd brillant und erfreulich politisch unkorrekt, wie man es nicht (mehr) für möglich gehalten hätte. Schon das Drehbuch fällt aus dem Rahmen. Es stammt vom (seinerzeit vom "Spiegel" für die Kolonialismus-Satire "Imperium" abstrus attackierten) Buchautor Christian Kracht und entrollt mehrere parallel laufende Handlungsstränge, die auf unerwartete Weise zusammenlaufen (das wäre noch nicht neu) und fast ausnahmslos den schlimmstmöglichen Verlauf nehmen (das schon eher!). Ein Fußpfleger freundet sich mit einer Patientin im Altersheim an, ein Schüler wird von seinen Kameraden gemobbt, ein Polizist hat Beziehungsstreß mit seiner filmenden Freundin. Klingt alles nicht aufregend, doch was Kracht und seine hier erstmals Regie führende Ehefrau Frauke Finsterwalder aus diesem Episodenreigen gemacht haben, ist in subtil stilisiertem Realismus von so brüllend schwarzer Komik, daß man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Wie virtuos hier vorgegangen wurde, zeigt schon der Umstand, daß die Handlung einmal ins Herz der Hölle, in das Innere eines KZ-Verbrennungsofens führt, ohne die sorgsam gewahrte Balance aus Mitleid und Furcht (um es mit Lessing zu sagen) ins Wanken zu bringen. Die Elite deutschsprachiger Schauspielstars - von Johannes Krisch über Corinna Harfouch und Michael Maertens bis zur greisen Fassbinder-Heroine Margit Carstensen - fühlt sich in dieser Finsterworld offenbar ebenso gut aufgehoben wie das hoffentlich zahlreiche Publikum. (HL)

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All Is Lost

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Filmstart: 10. Jänner

 

2013 - das Kinojahr, in dem es bisweilen ans Eingemachte ging. Nackter Überlebenskampf als ultimatives Krisensymptom, immer verbunden mit der Frage: Lohnt es sich überhaupt, ganz auf sich allein gestellt weiterzustraucheln, wenn um einen herum alles in Schutt und Asche sowie der Ausweg in unbestimmt weiter Ferne liegt? Mit ein wenig Verspätung kommt nun auch der logische Komplementärfilm zum Lost-in-Space-Opus "Gravity" in unsere Kinos - und ist nicht minder überwältigend. J. C. Chandors "All Is Lost" behandelt für sich gesehen zwar "bloß" den zusehends dramatischere Ausformungen annehmenden Schiffbruch eines einzelnen namenlosen Skippers (zumeist ohne Worte, beharrlich ohne Makel: Robert Redford) und liefert gerade deswegen freilich auch allerhand elementare Erkenntnisse über Leben, Sterben und das Ringen, das dazwischen stattfindet. Der alte Mann und das Mehr, sozusagen. (CP)

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Only Lovers Left Alive

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Bereits im Kino

 

Tilda Swinton und Tom Hiddleston geben in Jim Jarmuschs Genrebeitrag ein außergewöhnliches Vampir-Duo mit Hang zu Coolness, Schwermut und Musik. Lesen Sie dazu den EVOLVER-Review.

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Rocky schlägt Robert

Film-Tips Jänner 2014 / Teil 2


Das Kinojahr fängt ja (mehr oder weniger) gut an, Teil 2. Oder: Warum wir fiktionale Gestalten viel mehr lieben als die Ach-was-haben-sie-gelitten!-Larven, die uns aus allerlei Dramen, Biopics und "wahren Geschichten" seelenlos entgegenstarren. Frankenstein, übernehmen Sie! 

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tinti - 30.12.2013 : 19.27
lieber arthaus als twilight.

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