Print_A. Robbins/A. Wilner - Quarterlife Crisis

Die Krise nach dem ersten Viertel

Probleme für die Generationen der Wohlstandsverwahrlosten müssen stets neu erfunden werden - wie diese beiden Autorinnen beweisen.    17.02.2003

Für ihr - in den USA recht erfolgreiches - Büchlein haben die Autorinnen das Etikett der "Quarterlife Crisis" erfunden, das sich - die Amis lieben Akronyme - als QLC abkürzen läßt. Bezeichnet werden soll damit die Sinn- und Identitätskrise, die die Post-Dotcom-Generation (PDG) nach Ende der Ausbildung oder inmitten des Erklimmens der ersten Sprossen auf der Karriereleiter überkommt.

Die beiden Autorinnen (damals 26 und 27) haben 200 Twenty-Somethings interviewt, ihnen QLC diagnostiziert und anschließend in Oprah Winfreys Talkshow Platz genommen. Zur Erklärung: Winfrey ist Amerikas Reich-Ranicki, zumindest was ihre Wirkung auf die Auflagenhöhe von Büchern anbelangt.

Im Hinblick auf die eigene Lebenserwartung zeugt der Titel von einer unerschütterlichen Zuversicht. Immerhin geht es um die rund 25jährigen, denen somit noch rund 75 Jahre bevorstünden. Aber warum nicht? Wenn die derzeitige Zunahme der Lebenserwartung so weitergeht, sind wir ohnehin alle miteinander potenziell unsterblich. Was Krisen ohne Ende bedeutet. Mit QLC schleppt sich das Leben ja bereits jetzt von Krise zu Krise: Auf Pubertät und Flegeljahre folgt nach der Ausbildung die Quarterlife Crisis. Dann heißt es "5 vor 30" (auch ein Buchtitel) und schließlich Midlife Crisis (MLC). Die Angst vor dem Tod nicht zu vergessen (AVT) - oder die vor Unsterblichkeit. Wie angenehm, wenn man weiß, was einem wehtut.

 

Reinhard Ebner

Alexandra Robbins/Abby Wilner - Quarterlife Crisis

Ø


Ullstein (Berlin/München 2003)

 

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