Print_Adolfo Bioy Casares - Morels Erfindung

Virtuelle Paradiese

Schöne neue Welt, made in Argentinien. Der mehr als 60 Jahre alte Utopie-Klassiker liegt nun in einer längst überfälligen Neuübersetzung vor. Bitte lesen!    19.05.2003

Die Neuübersetzung eines argentinischen Klassikers von 1940 legt der Suhrkamp Verlag mit "Morels Erfindung" vor. Die in schlichtem Stil gehaltene und dennoch packende Erzählung von Adolfo Bioy Casares entwirft eine geradezu erschreckende Vision der Unsterblichkeit unter Zuhilfenahme technischer Aufnahmemedien - eine Unsterblichkeit des Abbilds. Ein namenlos bleibender Ich-Erzähler, der vor der Justiz auf der Flucht ist, lässt sich auf eine gottverlassenen Pazifikinsel nieder und führt dort eine Robinson Crusoe-Existenz. Nicht lange allerdings - schon bald stellen sich unerwünschte Gäste ein. Eine Reisegruppe nimmt die verlassenen Gebäude des Eilandes in Beschlag, der Protagonist entgeht nur knapp der Entdeckung. Kurze Zeit später macht er eine seltsame Beobachtung: Konversationen und Handlungen wiederholen sich, von ihm bewegte Gegenstände kehren wie von selbst an ihren angestammten Platz zurück. Der Justizflüchtling weiß bald nicht mehr, ob er nun unter Phantomen lebt oder ob selbst schon eines ist. Casares webt eine ungeheuer kunstvolle Erzählung, deren Episoden zum Teil erst mit der Auflösung Sinn erhalten und Lust macht, sich nach beendeter Lektüre auf Spurensuche zu begeben.

 

Reinhard Ebner

Adolfo Bioy Casares - Morels Erfindung

ØØØØØ


Suhrkamp Verlag (Frankfurt am Main 2003)

 

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