Print_Diane di Prima - Nächte in New York

Hardcore einmal anders

Literatur darf es sich in Sachen Porno nicht so einfach machen wie der Kunstfilm. Hier genügt es eben nicht, geile Bilder zu zeigen; hier gehören auch die Genre-Klischees gebrochen.    11.11.2002

Außerhalb Frankreichs ist literarische Pornographie nicht gerade ein häufiges Genre. Umso erfreulicher, daß Diane di Primas "Memoirs of a Beatnik" nun auch auf Deutsch erhältlich ist. Hierzulande erscheint der Roman aus dem Jahre 1969 allerdings unter dem Titel "Nächte in New York" - aus gutem Grund, da es sich erstens um keine Memoiren handelt und zweitens die Beatnik-Szene bis fast zum Schluß gar nicht auftritt.

Natürlich kann das Buch dafür mit allen Charakteristika des Pornogenres aufwarten, die da wären: kein richtiger Plot, flache Figuren, die zwar kein Innenleben, dafür aber umso mächtigere Geschlechtsteile aufweisen, und endloser Sex in allen nur erdenklichen Positionen. Auf den ersten Blick also Massenware, wäre da nicht eines: Die "Nächte in New York" sind blendend geschrieben, in einer kalkuliert coolen und ökonomischen Prosa - und die typische Hardcore-Monotonie wird mit viel Ironie durchbrochen. Diane di Prima macht sich über ihre Leser lustig; unter der Überschrift "Was ihr gerne lesen würdet" erfindet sie eine wilde Orgie, um dann zu erzählen, wie es wirklich war: deprimierend und kalt. Übrigens - das Buch erschien damals in der Pariser Olympus Press, jenem Verlag, der auch Nabokovs "Lolita" und Henry Millers "Sexus" (damals noch unter Obelisk Press firmierend) veröffentlicht hat.

Reinhard Ebner

Diane di Prima - Nächte in New York

ØØØØ

(Memoirs of a Beatnik)


Rogner & Bernhard (Hamburg 2002)

 

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