Print_Eoin Colfer - Artemis Fowl: Die Verschwörung

Ein Ungeheuer wird menschlich

Böse Buben haben im Jugend-Fantasy-Genre gegen Harry Potter keine Chance - zumindest, was den Umsatz betrifft. Da hilft es schon gar nichts, wenn sie plötzlich brav werden.    02.12.2002

Mit dem zweiten Band der geplanten "Artemis Fowl"-Trilogie meldet sich der irische Anti-Potter zurück. Wie sich bereits im Vorgänger ankündigte, geht es diesmal um die Rettung des verschollenen Vaters. Fowl senior, der bei einem Schmuggelversuch im Eismeer Schiffbruch erlitt, wird in Murmansk von der russischen Mafia festgehalten. Seine Rettung mit Hilfe des Elfenvolkes ist ein Handlungsstrang des Romans; der andere ist nichts Geringeres als die Rettung der Erde - zumindest der unterirdischen. Ein verbitterter ehemaliger Beamter der Feenpolizei versucht, sich auf diese Weise für die ihm angetane Schmach zu rächen. Mit dabei ist das liebgewonnene Personal des ersten Bandes, inklusive der Brachial-Polizistin Holly Short, des Techno-Kentauren Foaly und des kleptomanen Zwergs Mulch Diggums, der diesmal in Beverly Hills auf Beutezug geht, um auf diese Weise seine Oscar-Sammlung zu erweitern.

Die Handlung ist komplexer als beim ersten Mal, Spannung und Witz sind ähnlich erfrischend. Auch die Vorliebe des Autors für High-Tech-Spielzeug schlägt wieder durch. Dennoch ist der Leser, der mit Artemis Fowl bereits Bekanntschaft geschlossen hat, enttäuscht. Der Grund ist einfach: Fowl, der böse, hochintelligente Junge und Alptraum aller Erzieher, wird plötzlich gut. Aus dem Anti-Potter wird ein Möchtegern-Potter mit angeschlagener Psyche. Fowl mutiert zum einsamen Jungen, der gern dazugehören würde. Schade eigentlich.

Reinhard Ebner

Eoin Colfer - Artemis Fowl: Die Verschwörung

ØØØ

(Artemis Fowl: The Arctic Incident)


List (München 2002)

 

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