Print_F. Danimann - Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz

Lebensgefährlicher Humor

Wer im Dritten Reich politische Witze erzählte, riskierte seine Existenz. Daher dokumentiert diese Sammlung tödliche Scherze.    24.02.2003

1983 erstmals aufgelegt und nun wieder publiziert wurde ein Stück Zeitgeschichte besonderer Art. Franz Danimann, ehemals in Auschwitz inhaftiert und nach dem Krieg in der nö. Verwaltung tätig, versammelt rund 500 Witze und Spottlieder aus der Zeit des Dritten Reichs.

Ziel des Spotts sind sowohl erzwungene Rituale des Lebens unter der Nazi-Herrschaft ("Was bedeutet der Deutsche Gruß? Aufgehobene Rechte.") als auch hochstehende Persönlichkeiten der Hitler-Ära - wie Goebbels, der "Weltmeister im Seitensprung" - und die bald verhaßten Reichsdeutschen. Dankbare Figuren des heimischen Witzekabinetts der 30er und 40er sind neben dem als homosexuell bekannten SA-Stabschef Ernst Röhm ("In jedem Hitlerjungen steckt ein SA-Führer.") natürlich der selbsternannte Führer des vermeintlich Tausendjährigen Reiches (auch: "der kastrierte Hahn") wie auch der fettleibige Reichstagspräsident Göring ("Was ist Brudermord? - Wenn Hermann Göring ein Schwein schlachtet. - Und was ist Selbstmord? - Wenn man diesen Witz in der Öffentlichkeit erzählt.").

Letztere Pointe weist auf die prekäre Lage des Witzeerzählers in der Nazi-Zeit hin. Wie die Faksimiles einiger Gerichtsprotokolle im zweiten Teil des Buches zeigen, reichten die Urteile nach dem Heimtückegesetz bis hin zu Todesstrafen. Was die Reichhaltigkeit der Sammlung umso erstaunlicher macht und zeigt, in welchem Ausmaß Zivilcourage selbst in dieser Zeit vorhanden gewesen sein muß.

 

Reinhard Ebner

Franz Danimann - Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz

ØØØØØ


Ephelant Verlag (Wien 2002)

 

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