Print_Flann O´Brien - Durst

Mein Gott, der Durst !

Zwei Hörbücher in der Übersetzung und Lesung von Harry Rowohlt laden zum Gustieren. Skurrile Humoresken sorgen für beste Unterhaltung, trockene Erzählungen für ordentlichen Durst.    20.01.2004

Saufen mag per se nichts Lustiges an sich haben (sondern eher, wenn´s gut geht, lustig machen). Vor allem, wenn man - wie in diesem Fall - anderen in erster Linie beim Saufen zusieht respektive zuhört. Aus diesem Grund geht es bei Flann O´Brien ja auch nicht ums Saufen und ums anschließende Delirium, sondern um den Durst. Und damit quasi um den tieferen Grund des Trinkens, den der 1966 in Dublin gestorbene Autor Flann O´Brien in seinem von Harry Rowohlt übersetzten und gelesenen Einakter so eindrucksvoll in Szene setzt, daß einem beim Zuhören unweigerlich die Kehle austrocknet.

Der Hintergrund des Vier-Personen-Stücks: Wirt und Gast überlisten einen Polizisten, der die Einhaltung der Sperrstunde verlangt, indem sie ihm staubtrockene Geschichten von Wüsten und heißen Sommern erzählen. Das klingt dann so: "Sie marschierten und gingen und krochen übereinander und aufeinander herum: jeder Mann so trocken wie ein Ziegel, und die Zunge in seinem verdorrten Maul so angeschwollen, daß sie ihn halb erstickte. Und der Durst! Mein Gott, der Durst!!!"

Auch im Fall der knapp 70minütigen CD "Harry Rowohlt liest Flann O´Brien" darf man Rowohlt als kongenialem Übersetzer und Interpreten des Iren mit dem Sinn fürs Skurrile danken. Neben einem einführenden Text des Vortragenden beinhaltet das Hörbuch einen guten Grund, weshalb man in einer fremden Stadt nie bei Freunden übernachten sollte, sowie ein Stück aus dem Roman "In Schwimmen-zwei-Vögel".

Am unterhaltsamsten aber sind sicherlich die Stücke aus Flann O´Briens Kolumne "Cruiskeen Lawn", in denen dieser sich vor allem über das Geltungsbedürfnis der höheren Gesellschaftsschichten lustig macht. So sinniert er über den - neu einzuführenden - Beruf des "Buchhandhabers". Dessen Job solle darin bestehen, die Bücher Vermögender "angemessen zu zerzausen", damit diese so aussehen, als wären sie gelesen worden, "ja, als hätte ihr Besitzer mindestens über Monate mit diesen Büchern gelebt".

Demselben Zweck, wenn auch auf anderem Wege, dient ein "Konversationsbegleiter". Dabei handelt es sich um einen Bauchredner, der mit seinem jeweiligen Arbeitgeber fiktive Dialoge abspult, die die tatsächliche Intelligenz des Gesprächspartners klar übersteigen. Ist die Idee für sich gesehen schon originell, so steigert O´Brien den Spaß noch, indem er sie konsequent weiterentwickelt. So fabuliert er von einem Dublin, in dem die "Konversationsbegleiter" durch raffinierte Erpressungen allmählich eine Schreckensherrschaft aufbauen.

 

Reinhard Ebner

Flann O´Brien - Durst

ØØØØØ

Harry Rowohlt liest Flann O´Brien


Kein & Aber Records (Zürich 2003)

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