Print_Gerhard Amanshauser - Entlarvung der flüchtig skizzierten Herren

Aus dem Leben der Quaden

Daniel Kehlmann nennt ihn den "bedeutendsten unter Österreichs bisher unentdeckten Autoren". Aber lesen Sie selbst.    30.06.2003

Bei Amanshauser verbirgt sich unter einer formal gefälligen Oberfläche stets auch revolutionäres Potential - Ergebnis einer generellen Verweigerungshaltung. "Unter Quaden verstand ich jene neue Menschenart, die sich nach und nach durch Angleichung an Konsumgüter, politische Programme und Medien herausgebildet hat", heißt es da. Kurz: jene Sorte Mensch, deren primäres Movens finanzielle Anreize sind, das "Rascheln des Geldes, das sich im weiten Land verliert". Die "Quaden" sind eines der Bücher, aus denen der Autor auf der CD "Fahrt nach Varanasi" liest, die dem Amanshauser-Lesebuch beigelegt ist. Es handelt sich durchwegs um Originalaufnahmen der Jahre 1968 bis 1998. Trotz des knarzigen Untertons wirkt die Stimme alles andere als unangenehm, die in fließendem, epischem Rhythmus vorgetragenen Sätze haben etwas Einschmeichelndes, ihre Inhalte freilich nicht. Unterhaltsam oder nachdenklich, auf jeden Fall aber interessant sind auch die demütigen Erläuterungen, die der Autor zwischendurch aus dem Stegreif abgibt. In der amüsanten "Fahrt nach Varanasi", in der sich Amanshauer über den Germanisten-Betrieb lustig macht, treten diese Passagen fast schon an die Stelle des eigentlichen Textes. Nach der Übernahme der Österreichischen Bundesverlage durch Klett fragt man sich bloß, wie lange Residenz solche Bücher noch machen darf...

Reinhard Ebner

Gerhard Amanshauser - Entlarvung der flüchtig skizzierten Herren

ØØØØØ


Residenz (Salzburg 2003)

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