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Der letzte Bänkelsänger

Zwischen Alltagslyrik und Blödelei bewegen sich die neuesten dichterischen Ergüsse des Geschäftsführers der österreichischen IG Autoren.    09.06.2003

Das Angenehme an Gerhard Ruiss: Man weiß nicht, in welche Schublade man ihn stecken soll und läßt es folglich bleiben. Manche seiner Gedichte sind sprachverspielt-rhythmisch oder stehen in der Tradition der Wiener Gruppe, andere wiederum sind so stark in der Tagespolitik verankert, daß sie ohne erklärenden Apparat, ohne beigepackte Pressemeldungen kaum verständlich wären. Aus der Sozialisierung des Herrn Ruiss, der schon sehr früh als Lobbyist der schreiberischen Zunft unterwegs war und seit 1982 als Geschäftsführer der IG Autoren tätig ist, scheint dies leicht erklärlich.

Befreit von der Schublade zeitgenössischer Literatur, könnte man Ruiss als einen der letzten Bänkelsänger betrachten. Dabei scheut er weder eine gute Pointe ("wollen wir was können/du und ich/ich kann einen dreck/und du kannst mich") noch politische Agitation (zum ORF-Programm: "Der Kärntner Landeshauptmann spricht in einer Aufzeichnung eines Gesprächs mit seinem Pressesprecher mit sich als Studiogast zu uns."). Bei aller zugestandenen Blödelei schrammt der Autor leider mitunter auch hart an der Grenze zum Kalauer.

 

Reinhard Ebner

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ØØØØ


edition selene (Wien 2003)

 

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