Print_Günter Eichberger - Aller Laster Anfang

Schmähreden und Schmähführen

Flaneure sind Leute, die nicht schnell gehen können, weil sie sich mit absolut allem aufhalten, das ihren Weg kreuzt. Dieser Autor flaniert durch Graz - und hat dabei allerlei Ideen.    03.02.2003

Auch wenn Eichbergers Grazer Flanierbuch rechtzeitig zum Status der Stadt als "Kulturhauptstadt Europas" erscheint, ist es doch alles andere als ein Huldigungsbuch an die steirische Kapitale. Eher schon handelt es sich bei den rund 60 Kurz- und Kürzesttexten um Szenen aus dem patscherten Leben des Autors und seiner Kollisions- und Berührungspunkte mit Stadt und Bewohnern. Politisches bis Kulturpolitisches findet sich eher selten - und wenn, dann auf die private Situation des Schriftstellers bezogen, der ja meist - wie er freimütig bekennt - mehr schlecht als recht "von der öffentlichen Hand in den Mund" lebt. Da Eichberger alles andere als ein Kostverächter ist, kommen die Grazer Etablissements mit ihren kulinarischen bis hochgeistigen Genüssen auch nicht zu kurz. Allerdings läßt er sich bei solchen Touren gerne aushalten - und sei´s von seinem Germanisten (jeder Autor, der auf sich hält, sollte über einen solchen verfügen). Und während Borges sich das Paradies als riesige Bibliothek vorstellt, ist es bei Eichberger ein ewiger Schanigarten. Zwischendurch wird hemmungslos dahinphantasiert, und so vermischen sich Facts und Fiction, Schmähreden und Schmähs letzten Endes zu einem Buch, das mehr Gewicht hat, als man dem schmalen Bändchen auf den ersten Blick ansehen würde.

Reinhard Ebner

Günter Eichberger - Aller Laster Anfang

ØØØØØ


Residenz (Salzburg/Wien/Frankfurt 2003)

 

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