Print_Jakob Arjouni - Kismet

Harte Jungs in Mainhattan

Die literarische Krimifigur des Privatdetektivs funktioniert nicht nur in New York oder L. A., sondern auch in Frankfurt mit einem türkischen Ermittler. Und das nicht zum ersten Mal.    23.09.2002

Eigentlich ist Arjounis Figur Kemal Kayankaya ja ein Anachronismus - allerdings ein origineller. Sein Autor bedient sich des zynischen Tonfalls und der abgebrühten Typen der "hard-boiled novel" der 20er und 30er Jahre und verlegt diese ins gemütliche Hessen. So erleben Hammetts Schlägervisagen und Chandlers Großmäuler ihre Wiedergeburt im Frankfurter Bahnhofsviertel. Pistole und Messer sitzen immer noch genauso locker, und wie seine literarischen Vorgänger trinkt auch Kayankaya gerne mal einen über den Durst. Seine Ermittlungsmethode ist recht eigenwillig: Der Mann bohrt einfach solange, bis er eine auf den Deckel bekommt. Das schnörkellos erzählte "Kismet" beginnt mit zwei toten Schutzgelderpressern, die mit weißgepuderten Gesichtern in Kayankayas Stammlokal bluten, und endet mit einem aparten "Kaugummifräulein" mit "türkis gelackten Fingernägeln". Und für Kayankaya, den Stammgast in Frankfurter Freudenhäusern, ist das ja schon fast ein Stück Sozialisation. Übrigens - damit sich auch Underdogs wie Arjounis Protagonist (und unsereins) das Büchlein leisten können, ist "Kismet" jetzt bei Diogenes als wohlfeiles Taschenbuch erschienen.

 

Reinhard Ebner

Jakob Arjouni - Kismet

ØØØØ


Diogenes (Zürich 2001)

 

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