Print_James A. Owen - Der unsichtbare Mond

Die Welt steht nimmer lang

Rückkehr in die "ewige Bibliothek": In Band zwei sucht eine Frau nach dem Mörder ihres Vaters und erlebt dabei eine absurd-groteske Gruselapokalypse. Etwas für Feinschmecker.    31.03.2003

"Der unsichtbare Mond" ist Band zwei einer auf sieben Bände konzipierten Romanreihe. Auch wenn das Buch dort einsetzt, wo "Die ewige Bibliothek" den Leser verlassen hat, ist die Kenntnis des ersten Bandes für ein Verständnis nicht erforderlich. Owen tauscht nicht nur das gesamte Figurenkabinett aus, sondern verlegt auch gleich den Schauplatz von Wien in eine US-amerikanische Kleinstadt. Ging es im ersten Band noch um ein paar durchgedrehte Uni-Professoren, die sich wegen eines Edda-Fragmentes meuchelten, so steht diesmal die vermeintliche Stieftochter eines der gewaltsam Dahingeschiedenen im Mittelpunkt, die in den Staaten nach dem Mörder ihres vermeintlichen Vaters sucht. Diese operettenhaften Irrungen und Wirrungen klingen kompliziert und sind es auch - bloß spielt das keine Rolle. Das eigentlich Unterhaltsame an Owens Roman ist die seltsame Form einer Apokalypse, die hier ausgebreitet wird: Autobusse fressen Menschen, Flieger fallen vom Himmel, Hunde kommen ins Räsonnieren, mancher mutiert zum Werwolf, doch keinen wundert´s. Und Meredith, die Protagonistin, findet Geschmack an den Kindern der Nachbarn. Wirkte der erste Band noch etwas ungeschickt, so erweist sich Owen hier als Meister des Absurden, der selbst der Splatter-Szenerie Komik abgewinnt. Also, mit Verlaub: Owen ist ein Boris Vian des Horrors.

Reinhard Ebner

James A. Owen - Der unsichtbare Mond

ØØØØØ

(The Invisible Moon)


Festa-Verlag (Almersbach 2003)

 

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