Jan Bondeson - Lebendig begraben
ØØØ
(Buried Alive)
Hoffmann und Campe (Hamburg 2002)
War man im 19. Jahrhundert der Meinung, jeder Zehnte werde lebendig begraben, scheint diese Angst vor dem Scheintod heute weitgehend vergessen. Ein Autor begibt sich auf Spurensuche. 24.02.2004
Edgar Allan Poe schien zu wissen, wovon er sprach, wenn er mit Bezug auf das Schicksal des lebendig Begrabenen schrieb: "Nichts kennen wir auf Erden, das so qualvoll - nichts können wir uns in den Reichen der untersten Hölle erträumen, das auch nur halb so gräßlich wäre." Die Angst, lebendig begraben zu werden, als reichlich seltsame Sonderform der Platzangst, schien in früheren Zeiten deutlich mehr Anhänger gehabt zu haben als die Klaustrophobie selbst.
Schon Philippe Ariès berichtete in seiner groß angelegten "Geschichte des Todes" von der Gepflogenheit, Verstorbene zu stechen und zu schlagen, um sicherzugehen, daß kein Leben in ihnen verblieben war. Bis weit ins 19. Jahrhundert war der posthume Herzstich durchaus gebräuchlich, um keinen Zweifel über die Endgültigkeit des Zustandes aufkommen zu lassen. Und im Wiener Begräbnismuseum ist noch heute eine Signalvorrichtung zu sehen, mit deren Hilfe der von den Toten Auferstandene auf sich aufmerksam machen konnte.
Beschäftigte sich Ariès mit der Geschichte des Todes, so bietet Bondeson in populärwissenschaftlicherer, aber auch unterhaltsamerer Form eine Aufarbeitung der Geschichte des Scheintodes. Dabei verbindet der Mediziner die Medizin- mit der Mentalitätsgeschichte. Fanden sich schon im Römischen Reich Berichte über lebendig Begrabene, so wurde diese Vorstellung mit den großen Pestepidemien vollends beherrschend. Auch der hierzulande bekannte "Liebe Augustin" hätte fast dieses Schicksal genommen.
Zwar kommt die Suche nach den Gründen für diese Angst etwas zu kurz, dafür breitet Bondeson jede Menge oft sehr anekdotenhaft aufbereitetes Material vor dem Leser aus. Leider wird dabei zwischen echten Fallbeispielen, Literatur, Märchen und Großstadtlegende kaum unterschieden.
Inwieweit die Angst vor einem posthumen Leben im Grab begründet war und ob die oft genug recht drastischen Vorkehrungen des Arztes oder Bestatters, ein solches zu vermeiden, tatsächlich notwendig waren, läßt sich aus heutiger Sicht natürlich ohnehin nicht mehr sagen. Handelte es sich einst um eine Art Massenhysterie, so scheinen diese Ängste heute fast vergessen. Der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts fürchtet weniger einen Scheintod als den Tod selbst, der hinter die Mauern von Intensivstationen und Altersheimen verbannt wird. Erstaunlich, wenn man bedenkt, daß noch im 19. Jahrhundert die Meinung vorherrschte, jeder Zehnte werde bei lebendigem Leib verscharrt.

Jan Bondeson - Lebendig begraben
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(Buried Alive)
Hoffmann und Campe (Hamburg 2002)
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