Print_Jason Dark u. a. - Geisterjäger John Sinclair. Ein Friedhof am Ende der Welt

Nachrichten aus Trash -Land

Eher für humorvolle Nostalgiker als für Grusel-Fans ist die Audiobuchserie zum legendären Geisterjäger geeignet.    16.01.2004

Nach einer über ein Jahrzehnt währenden Durststrecke sind Hörbücher und -spiele seit einigen Jahren wieder in, nicht nur im Radio, sondern - oder vor allem - auch auf Tonträgern. Bei der derzeitigen Stagnation auf dem Buchmarkt ist es verständlich, daß sich die Verlage, die zum Teil ihre eigenen Hörbuchschienen führen, vermehrt darauf verlegen, alles, was Rang und Namen hat, auch dem Ohr des potentiellen Käufers zugänglich zu machen.

Einer, auf den die Ohrwascheln einer eben erst der Adoleszenz entwachsenen Generation nur gewartet haben dürften, ist John Sinclair, seines Zeichens Geisterjäger. Seit 1978 schwappen die Heftromane nach der Vorlage von Trivialautor Jason Dark auf den Markt, 270 Millionen Stück davon wurden bislang verkauft. Ebenfalls erfolgreich, wenn auch in anderen Dimensionen, ist die entsprechende Hörspielreihe der zum Bastei-Verlag gehörenden Schiene Lübbe Audio. "John Sinclair - Der Anfang" war gar das erste Hörspiel, das sich in den deutschen Popmusik-Charts platzieren konnte.

Der Erfolg ist hier freilich keine Frage der Qualität, sondern eher einer der Nostalgie: Ehemals pickelige Jungs, die sich einst an der barbusigen Cover-Art der Heftchen erfreuten sowie an der - für heutige Verhältnisse auf harmlosem Niveau durchgespielten - Mischung aus Erotik und Gewalt, nehmen nochmals ein Hormonbad in ihrer Vergangenheit.

Worum also geht´s beim "Friedhof am Ende der Welt"? Um nichts Geringeres als um "Super-Dämonen", die all ihre Kräfte aufbieten, um die Welt in ihre Gewalt zu bekommen und das Sinclair-Team für immer auszulöschen. Was im Gruselkrimi-Universum ohnehin dasselbe ist. Dieser Plot wiederholt sich übrigens mit schöner Regelmäßigkeit in jedem Geisterjäger-Abenteuer. Was kein Vorwurf sein soll, immerhin kann man das auch von James Bond behaupten, der zwar kein Superdämonen-, aber ein Supergauner-Jäger ist.

"Von John Sinclair-Autor Jason Dark persönlich empfohlene Hörspielausgabe mit den Synchronstimmen vieler Hollywood-Stars, mit atemberaubenden Schock-Effekten und einem fantastischen Soundtrack", lockt der Klappentext und hat dabei nicht mal so Unrecht. Verglichen mit manch anderen Produktionen wurde hier tatsächlich einiger Aufwand betrieben. Den hätte man sich allerdings sparen können, denn derart trashige Texte verlangen auch nach einer trashigen Umsetzung. Da hatten die alten Tonstudio-Braun-Aufnahmen mit ihrem billigen Georgel im Hintergrund doch etwas mehr Charme. Vor allem die Synchron-Promis stören: Vor dem inneren Auge läuft ein Film mit Schauspielern wie George Clooney, Gillian Anderson oder Al Pacino ab, und das will so gar nicht zu John Sinclair passen.

Ansonsten ist alles da, was zu Trivialliteratur gehört: die Superlativa (nicht nur in Form der "Super-Dämonen" und -Hexen, sondern auch als "entscheidende Schlacht" und "letztes Duell") ebenso wie die typischen Körpersensationen billigen Grusels, also der "kalte Schweiß", der aus den Poren schießt, und das Blut, das "in den Adern gefriert". Und wie hieß es noch mal im Schulunterricht? Man meide Wortwiederholungen wie der Teufel das Weihwasser. Folglich wird hier aus einem Schädel ein "Skelettkopf", und - mit dem in der Trivialliteratur unvermeidlichen Beiwort - ein "häßlicher Skelettkopf". Ein in (fast) jeder Hinsicht ungetrübtes Vergnügen - auch wenn die Komik zumeist unfreiwilliger Natur sein mag.

 

Reinhard Ebner

Jason Dark u. a. - Geisterjäger John Sinclair. Ein Friedhof am Ende der Welt

ØØ


Lübbe Audio (Bergisch Gladbach 2003)

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