Print_Martin Amanshauser - 100.000 verkaufte Exemplare

Chirac als Blondinenwitz

Lyrik fernab metaphorischen Gestammels liefert Amanshauser in diesem Sammelband - sozusagen das passende Gedicht für jeden Anlaß.    19.08.2002

Spätestens seit Jandl und Artmann hat Derb-Humoriges in der österreichischen Lyrik Tradition. An diese Ahnenreihe schließt sich Martin Amanshauser mit seinem Sammelband "100.000 verkaufte Exemplare" (Lyrik der Jahre 1984 bis 2001) nahtlos an. Soll heißen: Bei den publizierten Gedichten handelt es sich um Lyrik mit Gebrauchscharakter (für gesellige Abende) und Unterhaltungswert.

So nebenbei wird auch Frankreichs Immer-wieder-mal-Präsidenten Jacques Chirac im imaginierten Tête-à-tête mit einer "Feschblondine" übel mitgespielt ("Jacques sagt:'lass dich, blondie, wärmen/unterm tisch von frankreichs spermen!'") und der 5. Bezirk von der U4 bis zum "Pampam" in der Zentagasse erotisch aufgeladen. Manches wiederum erinnert an Morgensterns "Palmström"-Erfindungen; so etwa Josef Rattenhalters "origineller Beitrag zur Volksauslöschung": "extrem kleine völker löschte er/mit extrem kleinen radiergummis aus". Der inhaltlichen Vielfalt entspricht auch jene der Formen.

Übrigens - wie einem im Verlauf der Lektüre aufgeht, handelt es sich beim Buchtitel um eine Chiffre für den morgendlichen Kater: "Am nächsten Tag herrscht Aspirin und alle Kleider stinken/Im Nebenzimmer sitzt ein Unbekannter und frisst deine Jahre/Du denkst, die Royals meinen dich, wenn sie im Fernsehn winken/Du bist so ausverkauft wie 100.000 Exemplare."

 

Reinhard Ebner

Martin Amanshauser - 100.000 verkaufte Exemplare

ØØØØØ


Deuticke (Wien 2002)

 

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