Nikolai Gogol - Die Nase
ØØØØØ
Friedenauer Presse (Berlin 2003)
Die Berliner Friedenauer Presse erfreut mit bibliophilen Ausgaben russischer Skurrilitäten. Nach Daniil Charms steht nunmehr Gogol auf dem Programm. 09.12.2003
Eine Besprechung zum Zeitpunkt des Rußland-Schwerpunkts der Frankfurter Buchschwemme hätte allzu opportun gewirkt. Daher soll dies jetzt, zu einem Zeitpunkt, wo die russische Literatur nach sekundenlangem Hype wieder in der Versenkung zu verschwinden droht, nachgeholt werden: Immerhin ist Nikolai Gogols skurrile Novelle von der Nase, die sich selbständig macht und bald mehr Erfolg in der Petersburger Gesellschaft hat als ihr Besitzer, so frisch wie eh und je. Karrieregeilheit ist schließlich keine Charaktereigenschaft, auf die ausgerechnet das 19. Jahrhundert abonniert gewesen wäre.
Wie einzigartig die vorliegende Novelle ist, zeigt schon die Tatsache, daß Gogols Landsmänner in Bezug auf sein nasales Werk ausgesprochen uneins waren. Während Nabokov darin eine "Hymne" sah, empfand Gogols Freund Puschkin es als bloßen "Scherz". Womit er nicht ganz Unrecht hatte, denn bei aller intelligent verpackten Gesellschaftskritik ist die Novelle eines in jedem Fall: höchst unterhaltsam.
Erschienen ist Gogols olfaktorische Erzählung nunmehr in einer Neuübersetzung von Peter Urban, der damit einmal mehr seine ungeheure Produktivität als Übersetzer russischer Literatur und sein feines "Näschen" für Skurriles unter Beweis stellt. So machte er unter anderem Tschechows Humoresken und Satiren zugänglich und gab im letzten Jahr Daniils Charms "Fälle" in einer neuen Übersetzung heraus. Diese erschien übrigens ebenso wie "Die Nase" in der kleinen, feinen Friedenauer Presse. Und da seine grotesken Kürzestgeschichten sich aufgrund ihrer Lakonie besser zum Zitieren eignen als Gogol, soll hier Charms zu Wort kommen:
"Ein Mensch mit dummem Gesicht aß ein Entrecôte, rülpste und starb. Die Kellner trugen ihn auf den Korridor hinaus, legten ihn, längs der Wand, auf den Boden und deckten ihn mit einem schmutzigen Tischtuch zu."
Um die Themenverfehlung noch ein Stückchen weiterzuführen, sei bei der Gelegenheit auch gleich auf "Charms Zwischenfälle" verwiesen. Der geradezu geniale Film von Michael Kreihsl stammt aus dem Jahre 1996 und transferiert Charms "Fälle", ohne diese inhaltlich zu übernehmen, in ein balkanesisch-wienerisches Umfeld. So kommt es dann, daß eine Schnecke dem von der Tücke des Objekts geplagten Poeten das Rendezvous versaut, eine Volksmusikgruppe Zwölftonmusik spielt und ein besonders geschäftstüchtiger Mann sich selber Butter stibitzt, um sie zu verkaufen. Anschauen.

Nikolai Gogol - Die Nase
ØØØØØ
Friedenauer Presse (Berlin 2003)
Eine Autofahrt mit Thomas Fröhlichs neuem Hörbuch "Das Geheimnis des Illusionisten" ist gleichermaßen unterhaltsam wie lehrreich. Dennoch sei gleich einmal davor gewarnt: Der Ausflug ins Reich zwischen den Welten von Arthur Conan Doyle und Howard Philips Lovecraft kann teuer zu stehen kommen.
Eine ordentliche Portion Zombies und Geister, ein Rudel Werwölfe, eine Prise Vampirismus, das Ganze abgeschmeckt mit Blut und Gedärm und appetitanregend dekoriert mit Serienmeuchlern und Folterknechten: Das Ergebnis heißt "Horror" und ist das Filmbuch, auf das wir schon lange gewartet haben.
"Literatursalon im Gemeindebau" heißt eine Veranstaltung des Theaters Rabenhof. Große Namen aus der Schreiberzunft - wie Chuck Palahniuk - und unfade Literatur werden so vom 11. September bis zum 5. Dezember in einem Veranstaltungsreigen versammelt.
Horror, Thrill, Humor: Mit den sommerlichen Hörbuch-Tips spielen wir ordentlich Gefühlsklavier - und das insgesamt 1722 Minuten lang. Außerdem haben wir etwas zu verschenken. Aber lesen Sie selbst.
Auch ein Perry Rhodan hat gelegentlich Sex - aber von Verhütung keine Ahnung. Das Ergebnis des außerehelichen Gspusis ist der "Sternenbastard". Und der spielt die Hauptrolle in einer höchst unterhaltsamen Hörbuchserie.
Bereits zum zweiten Mal darf der EVOLVER zu einer Veranstaltungsreihe im Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum, besser bekannt als "Narrenturm", laden. Freunde des Ab- und Jenseitigen werden auch diesen Sommer nicht zur Ruhe kommen.
Kommentare_