Print_Oh Jung-Hee - Vögel

Lesezeichen nach Fernost

Familiengeschichten gibt es ja wirklich im Überfluß. Wenigstens führt uns diese in ein Land, das wir noch nicht aus Kitschbüchern und Hollywood-RomComs kennen ...    10.02.2003

Gleich eine ganze "Edition moderne koreanische Autoren" leistet sich der Pendragon-Verlag. Für das heimische Publikum ist die Literatur aus Fernost in zweierlei Hinsicht interessant: zum einen durch den hohen Stellenwert, den Literatur in Korea spielt, zum anderen durch die herausragende Rolle weiblicher Autoren.

Eine der bekannteren Autorinnen Koreas beschreibt die Welt in "Vögeln" mit Kinderaugen - mit den Augen von Kindern allerdings, die zu früh erwachsen wurden. Das Mädchen Uumi und ihr Bruder Uuil werden von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht, bis sie ihr Vater, ein Wanderarbeiter, abholt, um einen gemeinsamen Hausstand zu gründen. Er hat eine junge Frau gefunden und will wieder heiraten. Die Idylle, die niemals eine ist, geht jedoch nicht lange gut. Nachdem die Frau verschwunden ist, kehrt auch der Vater von einem seiner Aufträge nicht mehr zurück. Aufgrund des Fehlens einer funktionierenden Fürsorge in Korea vertritt eine Beratungsmutter mehr schlecht als recht die abwesenden Eltern. Während Uumi brav in ihr Tagebuch, das sie für die Beratungsmutter führt, von Hausübungen und Stundenplänen schreibt, spielt sich zu Hause ein Überlebenskampf ab, der letztlich seine Opfer fordert. Oh vereint Sozial- und Gesellschaftskritik mit einem Erzählstil von großer suggestiver Kraft, dem selbst die eingenommene kindliche Perspektive glaubwürdig gelingt.

Reinhard Ebner

Oh Jung-Hee - Vögel

ØØØØ

(Sae)


Pendragon (Bielefeld 2002)

 

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