Print_P. N. Elrod - Der rote Tod

Blutsaufen und Blümchensex

Arische Gruselfiguren und eine Übersetzung, die wirklich zum Grausen ist: Manche sogenannten Horror-Romane sind wirklich nur was für ganz dumme Goth-Kinder.    17.03.2003

Um es gleich vorwegzunehmen: Elrods rührseliger Möchtegern-Horror ist nur etwas für Menschen, die Nerven wie Drahtseile besitzen. Die Grusel-Hitparade wird dabei von der Übersetzung angeführt - angeblich stammt sie von einer gewissen Jutta Swietlinski, man vermutet jedoch eher einen gesichtslosen Automaten wie Babelfish dahinter. Hier wird gnadenlos Wort für Wort ins Deutsche übertragen, was sich beispielsweise so anhört: "O Gott, dies half überhaupt nicht. ... Verdammnis! " (O God, that didn´t help at all. ... Damn!)

Aber auch der Beitrag der Autorin zum haarsträubenden Horror bei dem während der amerikanischen Freiheitskriege angesiedelten Schmöker ist nicht zu verachten. Der naiv-sentimentale, aber stets brave Stil klingt nach Creative-Writing-Seminar, die Figuren von der herrschsüchtigen Schwiegermutter über den schwachen Vater bis zum loyalen Sklaven (dem die Versklavung fast schon ein Bedürfnis ist) sind nicht mehr als Schablonen, die die Autorin zum Teil bei den Gebrüdern Grimm geklaut hat - wobei die Schilderungen der Hauptpersonen einen mitunter glauben machen, man sei in einen Arierzuchtverein geraten. Mit Horror hat das nichts zu tun, auch wenn es dem Leser zu einem solchen gerät. Inklusive Blümchensex mit anschließendem Blutsaufen bietet das Buch nicht mehr als eine Groschenromanze mit dramaturgischen Schwächen.

Reinhard Ebner

P. N. Elrod - Der rote Tod

Ø

(Red Death)


Festa-Verlag (Almersbach 2003)

 

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