Print_Peter Zimmermann - Last Exit Odessa

Warten auf Minski

In seinem neuen Buch beweist der ORF/Hörfunk-Redakteur bitterbösen Sinn für Humor - und springt dabei mit den Romanfiguren nicht gerade zimperlich um.    26.08.2002

"Zwanzig nach eins und keine Spur von Minski." Wie bereits der erste Satz andeutet, siedelt Zimmermann sein Werk in einem Setting an, das von Beckett stammen könnte: Minski als abwesende und wahrscheinlich gar nicht existente Figur bestimmt weitgehend den Handlungsverlauf. Als Informant soll er bei einer Suche helfen - der eine, Olsén, sucht einen Toten, der andere, Gelegenheitsdetektiv und eigentlicher Protagonist, eine gestohlene Fabrik.

Wobei schon der Titel des Buches irreführend ist: Odessa ist keineswegs die letzte Ausfahrt, eher schon die letzte Sackgasse im verpfuschten Leben der Akteure. Diese, reduzierte Figuren und arme Teufel, bahnen sich ihren Weg durch die Sümpfe und Kloaken der Stadt und erleiden dabei ein höchst skurriles Schicksal: Der seltsame Antiheld leidet unter Dauerverstopfung und vergiftet seinen Körper mit dem eigenen Kot, seine Gefährtin verliert bei einem Autounfall beide Beine, ein Kommissar schießt sich bei einem Routineeinsatz den Weg frei und das halbe Gesicht weg, und Olsén wird in einem Heißluftballon verweht. Nur "Garcia Novarras Leiche blieb ebenso verschwunden wie die Nudelfabrik". Ein köstlicher Roman für Leser mit gutem Magen und funktionierender Verdauung; allen anderen sei von der Lektüre ernstlich abgeraten.

 

Reinhard Ebner

Peter Zimmermann - Last Exit Odessa

ØØØØØ


Deuticke (Wien 2002)

 

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